Kaum hat der Oberglatter Biobauer Daniel Maag sein vierplätziges Melkmobil auf der Wiese hinter dem Hof abgestellt, bewegt sich die Leitkuh in dessen Richtung. «Sie kalbt demnächst, deshalb melke ich sie im Moment nicht mehr», sagt Maag. Trotzdem steht sie im ersten von vier Gattern und lässt sich das Kraftfutter schmecken. «Davon gibt es jeweils nur wenig als Lockmittel.» Maags Kühe bekommen keine grossen Mengen dieses Futters, Antibiotika wird nur in Notfällen eingesetzt. Und auch die Hörner dürfen ihre Tiere behalten. «Wir ermöglichen ihnen ein möglichst naturnahes Leben», erklärt der Landwirt.

Gemäss Maag  produzieren Hochleistungskühe bis zu 8'000 Liter Milch pro Jahr. «Ich bin zufrieden, wenn meine Tiere es auf 4'000 bis 5'000 Liter bringen», sagt er. Er kann diesem Streben nach immer mehr Leistung in der Landwirtschaft nichts abgewinnen. «Die Natur ist von sich aus perfekt und funktioniert bestens, ohne dass der Mensch eingreift.» Deshalb lässt er immer ein paar Mutterkühe mit ihren Kälbern zusammen in einem separaten Gehege. Dabei ist gut zu beobachten, dass ein jedes Tier seinen eigenen Charakter hat. Manche lassen alle Kälber bei sich saugen, andere zeigen sich wählerisch und bevorzugen gewisse Jungtiere. Der Bauer freut sich über diese Eigenheiten. Von der Tendenz, alles zu normieren, hält er nichts.

Nur Vorteile

Auf der Weide trotten die insgesamt 24 Kühe gemächlich Richtung Melkstation, wobei der Bauer sie mit ruhiger Stimme anlockt. Eine nach der anderen wird gemolken. Dani Maag hängt die Melkmaschine an die Euter, die Milch läuft über einen Schlauch mit Vakuum in den ebenfalls zum Mobil gehörenden Tank. Sind die Kühe in ihrem Stand angekommen, zieht Maag eine Rundstange auf die Höhe ihres Hinterteils hinunter, damit sie nicht mehr weg können. Sobald der Melkvorgang abgeschlossen ist, öffnet er vorne das Tor, und die Kuh kann auf die Weide zurück. Mit einem Seil teilt er das Gelände in zwei Sektoren, damit das gleiche Tier nicht zweimal zur Melkstation geht.

Das Melkmobil,  das Dani Maag vor drei Jahren aus Belgien importiert hat, hat für ihn nur Vorteile. Bevor es im Einsatz war, musste er die Kühe jeweils morgens und abends in den Stall treiben, um sie zu melken. «Das war mit viel Aufwand verbunden und bedeutete auch immer Stress für die Tiere.» Seines Wissens ist er aber der einzige Landwirt in der Schweiz, der mit einer solchen Melkstation arbeitet. Auf der Wiese wirkt der Kuhmist als Dünger, was für den Boden ein grosser Vorteil sei. Kunstdünger zu verwenden, kommt für den Biobauer nicht infrage. «Für mich ist wichtig, dass die natürlich gedüngte Erde für eine abwechslungsreiche Fruchtfolge bereit ist. Das bedeutet meiner Meinung nach sinnvolle Landwirtschaft.» Seine Kühe halten sich nur während der Wintermonate im Stall auf, weil das Gesetz es so verlangt.