Zwinglistrasse 10, 8004 Zürich. An dieser Adresse öffnen heute Abend vier Boutique-Restaurants sowie eine Bar in der Galerie Baviera ihre Türen. Das Lokal ist ein Wohnhaus, das kurz vor der Renovation steht. Die fünf Veranstalter lancieren zusammen mit erfahrenen Gastronomen das Pop-up-Restaurant im Rahmen des ersten Zurich Food Festivals in den kommenden elf Tagen. In dieser Zeit dreht sich an über 100 Anlässen und Workshops in der Stadt Zürich alles ums Thema Essen.

Der befristete Moment

Das Pop-up-Projekt im Kreis 4 in Zürich unterstützen Marco Pero, Wirt des Restaurants Drei Stuben, aber auch Chefkoch Pascal Schmutz lädt an der Zwinglistrasse in seine «WG» ein. Zudem ist Koch Alex Jakob zusammen mit Radio 24 Moderator Maximilian Baumann als «Freundeskreis» beim Projekt dabei. Das vierte Boutique-Restaurant betreibt der 27-jährige Spitzenkoch Maximilian Klein, der ehemals im Restaurant Mesa hinter den Töpfen stand. Ein ungewohntes Konzept, das die Initianten mit den Worten «Einzigartigkeit und Qualität» beschreiben.

«Wir bringen vier Sinnmomente zusammen: Foodkultur, exquisite Drinks, die Sammlung der Galerie Baviera, sowie eine Einzelausstellung der Künstlerin May bietet etwas für die Augen. Und auf die Ohren gibt es den Soundtrack von Rundfunk.fm», sagt Oliver Scotoni, Gründer des Zürcher Radiosenders. Mehr noch aber als die sinnlichen Gaumenfreuden reizt die Beteiligten von «vier & eins» und wohl auch die Gäste der befristete Momentcharakter. Pop-up ist tatsächlich nichts anderes als die Zwischennutzung von Räumlichkeiten - sei dies vor einer Renovation oder dem Abbruch. Die Werbung für ein befristetes Geschäft wird über die sozialen Medien oder Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet. Und offenbar zieht der «nur für kurze Zeit erhältlich»-Charakter bei «vier & eins» gut. «Wir werden mit Reservationen überrannt. Alle Projektbeteiligten haben ein riesiges Netzwerk im Rücken. Mein Radio alleine hatte während des Festivals im Landesmuseum täglich rund 80 000 Zuhörer», so Scotoni. Zudem haben die Gastronomen ihren festen Gästekreis. So würden sie alle ihre zukünftigen Boutique-Besucher schnell und günstig erreichen.

Aufwand, der sich lohnt

Die Pop-up-Szene hat die nächste Branche erfasst. Seit etwa einem Jahr kursieren in Zürich für kurze Zeit Namen wie Miss Marshall, Soi Thai, Zampano und Cocoon – allesamt waren sie kurzzeitige Gastrobetriebe an mehr oder weniger ungewöhnlichen Orten. Vorher war dieses zeitlich befristete Phänomen weitestgehend dem Einzelhandel vorbehalten. Deswegen steht der Zürcher Pop-up-Pionier Marco Rampinelli dem Restaurant auf Zeit kritisch gegenüber: «Die Kosten, die beim Restaurantbetrieb anfallen, müssen beim Pop-up-Projekt in noch kürzerer Zeit gedeckt werden.» Rampinelli redet aus langjähriger Erfahrung als Betreiber des Pop-up-Designladens «id». Sein Konzept bot Designern während sechs Wochen im Jahr eine Plattform, ihre Produkte ausstellen und verkaufen zu können. Der Aufwand für ein solches Projekt ist laut Rampinelli immens. Deshalb beendete er sein «id»-Konzept zu Beginn diesen Jahres. Bei einem Gastrobetrieb sei indes der Einrichtungsaufwand noch deutlich grösser. Ein Gebäude eigne sich nur dann für ein zeitlich, befristetes Restaurant, wenn schon vorher ein Gastrobetrieb eingemietet war. Bei «vier & eins» ist dies laut Radiobetreiber Scotoni nicht der Fall. Handelt es sich an der Zwinglistrasse doch um ein ehemaliges Wohnhaus, das einem Freund gehöre. Dennoch bestätigt Scotoni, dieser Umstand vereinfache die Miete und Installation des Projektes erheblich.

Und nicht nur das: Die Pop-up-Restaurants profitieren dank ihrer befristeten Öffnungszeit von einer höheren Zahlungsbereitschaft ihrer Gäste. Das Restaurant auf Zeit bedient nicht nur kulinarische und sinnliche Bedürfnisse. Viel mehr noch spricht das Konzept ein urbanes Publikum an, das für ein Essen im Pop-up-Restaurant bereit sind, etwas mehr zu bezahlen; weil das Erlebnis eben nur für kurze Zeit erhältlich ist und ihre Neugier etwas mehr Geld wert ist.

Die Food Zurich 16 findet vom 8. bis und mit 18. September in über 70 Zürcher Restaurants statt. Rundherum gibt es über 100 Events und Workshops zum Thema Essen. Für mehr Informationen: www.foodzurich.com.