Wer hier Kaffee aus Sumatra trinkt, hilft bei der Regenwald-Rettung. Das Orang-Utan-Coffee-Projekt lief vor vier Jahren an. «Damals importierten wir den ersten Container mit 18 Tonnen Arabica-Kaffee aus Sumatra nach Hamburg», sagt Regina Frey. Vor 43 Jahren reiste die Biologin zum ersten Mal nach Indonesien.

Seither widmet sie ihre Kraft der Rettung des Regenwaldes, dem Lebensraum der Orang-Utans. Dazu gehört es, die Bauern im Gaya-Hochland von Sumatra zum ökologischen und nachhaltigen Kaffeeanbau zu bringen. Die Plantage auf der Hochebene misst 70 000 Hektaren Land und ist damit das grösste zusammenhängende Arabica-Kaffeeanbaugebiet der Welt.

Damit die rund 200 Kleinbauern im Orang-Utan-Coffee Programm auch von ihrer Ernte leben können und ihre Plantagen nachhaltig bewirtschaften, werden Beratung, Ausbildung und faire Preise beim Kaffeekauf durch das Projekt gefördert. Um das weiterhin zu ermöglichen, will Regina Frey nun zusammen mit der Zürcher Vicafé Espressobar und der Crowdfunding-Plattform 100 Days 50 000 Franken sammeln; genug um eine eigene Verarbeitungsanlage für ihren Orang-Utan-Kaffee aufzubauen. Bis anhin müssen sie diesen noch in den öffentlichen Anlagen Sumatras verarbeiten, was viele Risiken birgt und aufwendig ist.

Nachhaltig und grün

Und diese Risiken kennen Frey und ihr Team bestens. Erste Schritte mit dem Kaffee-Projekt machten sie bereits 2008. Es entstand als Teil des Wiederaufbaus nach dem Tsunami in Aceh. Der Projektstart aber lief harzig. «Wir haben teuren Kaffee gekauft, aber denjenigen mit weniger Qualität erhalten. Wir wurden übers Ohr gehauen», sagt Frey nüchtern. Nach einigen Misserfolgen im hart umkämpften Kaffeehandel kam der Wendepunkt. Die Begegnung mit Holger Welz, Mitinhaber des Espressomaschinen-Herstellers Dalla Corte, ebnete den Weg für den Kaffee-Export nach Hamburg. Und Drews, Mitinhaber der Speicherstadt Kaffeerösterei, ist die erste Anlaufstelle für den Kaffee aus Sumatra. Vicafé, respektive ihre Rösterei in Eglisau, holt den Rohkaffee dann in die Schweiz.

Neben Vicafé kaufen bereits 49 andere Röstereien in mehr als zehn Ländern in Europa den Kaffee des Orang-Utan-Coffee-Projekts. Auf der Warteliste aber stehen einige mehr. «Wir haben genug Kaffee am Strauch. Die Verarbeitung in öffentlichen Anlangen kostet viel Zeit. Zudem bringt uns der Transport von gleichzeitig zwei Containern an finanzielle Grenzen», sagt die 68-jährige Zürcherin. Sind zwei davon auf dem Meer unterwegs nach Hamburg, dann müssen die Beteiligten für Transport und Inhalt der Lieferung mindestens 120 000 Franken aufbringen, bevor auch nur ein Gramm Kaffee verkauft wurde.

Prominente Unterstützung

Das Besondere am Orang-Utan-Coffee-Projekt ist, dass von der Beratung der Bauern beim Anbau, hin zur Ernte und Verarbeitung, zum Transport und zur Verschiffung der Kaffee nie in die Hände eines Zwischenhändlers gelangt. Die Projektverantwortlichen vor Ort müssen den Kaffee Tag und Nacht bewachen, damit sie die Qualität sicherstellen können.

Deshalb ruft Ramon Schalch, Geschäftsführer der Vicafé Espressobar, das Sammelprojekt mit der Plattform 100-Days ins Leben. «Wir wollen unsere Kunden auf das Projekt aufmerksam machen. Sie haben eine Affinität für nachhaltig produzierten Spezialitäten-Kaffee und sind bereit, für Qualität zu bezahlen», sagt der 31-jährige. Mit den zwei Espressobars am Goldbrunnenplatz und am Bellevue in Zürich könnten sie ihre Sichtbarkeit zur Unterstützung des Projektes nützen. Zudem profitiert es von einem bekannten Schutzpatron: Kabarettist Viktor Giacobbo ist Botschafter für das Sumatra Orang-Utan Schutzprogamm SOCP. Der Kaffeeverkauf soll dem SOCP zu einer wirtschaftlich soliden Basis verhelfen. Von jedem exportierten Kilogramm Rohkaffee erhält das Programm eine Prämie.

Qualität mit Preis

Der Kaffee aus Sumatra ist ökologisch zertifiziert. Den Kleinbauern wird durchschnittlich drei Mal mehr pro Kilogramm bezahlt, als es die Grosshändler tun. Zudem werden sie für die ökologische Produktion mit einer Prämie von umgerechnet 50 Rappen pro Kilogramm Kaffee honoriert. Trotz dieser Kostenfaktoren ist der Orang-Utan-Kaffee aber erschwinglich. «Wir verrechnen den höheren Einkaufspreis nicht an unsere Kunden», sagt Schalch. Für ihn ist es wichtiger, die Konsumenten für nachhaltige Qualität zu begeistern, als nur zu verdienen. Da sie ohne Zwischenhändler operieren, bleibe der Kaffee bezahlbar. Und dennoch: es ist ein kommerzielles Geschäft, es wird Geld verdient, aber auch investiert.

Das macht die Rösterei in Eglisau nun seit fünf Jahren. «Wir haben seit Beginn den Rohkaffee des Orang-Utan Coffee-Projektes eingekauft und hier geröstet», sagt Jungunternehmer Schalch. Vicafé sei bestrebt nachhaltigen Kaffee mit einer authentischen Geschichte im Sortiment zu haben. Rund 10 Kaffeesorten aus unterschiedlichsten Ländern, wie Honduras, Kenia oder Peru, umfasst ihr Sortiment. «Wir besuchen alle unsere Produzenten persönlich. Wir bauen Beziehungen zu den Bauern auf. Wir kennen ihre Farm», sagt Schalch.

Der Erfolg stellt sich langsam ein. In diesem Jahr hat das Orang-Utan-Coffee-Projekt bereits fünf Container, also gut 90 Tonnen, des nachhaltigen Kaffees nach Europa transportiert. Für ein Unterstützungsprojekt sei das laut Frey eine vergleichsweise hohe Menge. Wenn die Herbsternte gut ist, rechnet die Biologin bis zum Ende des Jahres mit mindestens acht Containern Orang-Utan-Kaffee.

Vortrag von Regina Frey über das Orang-Utan-Coffee-Projekt heute Donnerstag, 22. September um 18 Uhr im Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, 8004 Zürich. Eintritt frei. Informationen unter www.orangutan.coffee.