Als die Stadt Zürich 1847 am Bauschänzli ein «Badhaus für Frauenzimmer» errichtete, hätte es für einen ordentlichen Aufruhr gesorgt, was dort 150 Jahre später geschehen sollte. Seit 1997 ist das gleichsam über dem Fluss schwebende denkmalgeschützte Badehaus nämlich nicht mehr durchgehend nur den Frauen vorbehalten. Am Mittwoch, Donnerstag und Sonntagabend tummeln sich hier jeweils Vertreter beiderlei Geschlechts. Es wird getanzt und getrunken, und es ist anzunehmen, dass in den letzten bald 20 Jahren auch so manche Romanze dort ihren Anfang nahm. Den Rahmen für solch frivole Szenen bildet die legendäre Barfussbar, gegründet von Jonas Thiel und Kerstin Kurer. Ende letzter Saison übernahmen drei neue Leute das Ruder. Am 8. Mai beginnt nun die erste Saison unter dem neuen Team.

Die drei erfahrenen Gastro-Profis Anna Müller, Dany Pfyl und Glen Müller wissen um die Bedeutung ihrer Bar für die Stadt. Es ist ein Ort, der bisher noch von keiner Szene vereinnahmt worden ist. Hier treffen sich von Mai bis Mitte September die unterschiedlichsten Leute, der Altersdurchschnitt liegt näher bei 40 als bei 20. Die Open-Air-Disco «La Balera», die jeweils am Sonntagabend stattfindet, nutzen jeweils über 100 Stammgäste, um das Wochenende tanzend ausklingen zu lassen – barfuss selbstverständlich. Und immer am Mittwoch finden unter dem Label «Frische Fische» gratis Kulturveranstaltungen statt, an denen junge Musiker oder Literaten eine Bühne erhalten.

Plötzlich liefen die Kameras

Letzten Sommer erlangte die Bar gar internationale Bekanntheit. An einem schönen Sommerabend kamen Leute vom japanischen Staatsfernsehen in die Badi, um Aufnahmen für einen Beitrag zu machen. Anna Müller, damals noch unter Thiel und Kurer als Geschäftsleitungsassistentin angestellt, war dabei: «Das war verrückt. Aber es zeigt, dass die Anlage und damit auch die Bar eine touristische Attraktion ist», sagt Müller.

Die Stadtzürcherin ging schon als junges Mädchen mit ihrer Mutter in die Frauenbadi schwimmen. Auch die Barfussbar habe heute weitherum einen guten Ruf und einen grossen Kreis von Stammgästen, sagt sie: «Viele kommen selbst, wenn es regnet.» Dieses Erbe ihrer Vorgänger gilt es zu erhalten.

Am bestehenden Konzept wollen die drei neuen Barbetreiber daher nur wenig ändern. Kulinarisch setzt Glenn Müller, der ehemalige Koch der «Idaburg» im Zürcher Stadtkreis 3, weiterhin auf Sandwiches, Salate und Plättli – die Rezepturen der Snacks hat er jedoch nach seinem Gusto angepasst. Neu wird zudem an schönen Abenden eine zweite Bar im westlichen Teil des Bades aufgebaut. «Bisher gab es sonst oft eine lange Schlange, die wir an der Hauptbar kaum bewältigen konnten», sagt Anna Müller. Es dürfe nicht sein, dass die Gäste eine halbe Stunde anstehen müssen, bis sie etwas zu trinken in den Händen halten.

Teamsitzung ist vor der Tür

Herausfordernd ist auch das Nebeneinander mit dem Badebetrieb. Da Männer bis 19.30 Uhr im Bad strikte keinen Zugang haben, findet die Teamsitzung am Abend jeweils vor der Eingangstür statt. Sobald die Bademeisterin das Okay gibt, stürzen die Angestellten los, um Stühle, die Musikanlage, allenfalls Pavillons und anderes Mobiliar aufzubauen.

Diese Arbeit muss schnell gehen: Um 20 Uhr beginnt der offizielle Barbetrieb. Und um Mitternacht, wenn die letzten Gäste gegangen sind, richten Müller, Müller, Pfyl und ihr Personal alles wieder so her, dass am nächsten Morgen die Frauenbadi eröffnen kann. «Wir sind als Bar hier zu Gast. Und es ist uns wichtig, dass wir den Badebetrieb möglichst wenig stören», sagt Anna Müller.

Auch wenn dieser Grundsatz einigen Aufwand mit sich bringt, die Geschäftsleiter der Barfussbar können sich keinen besseren Arbeitsort vorstellen. «Es ist ein Traumjob», sagt Glenn Müller. Namensvetterin Anna nickt und fügt an: «Nach getaner Arbeit springen wir immer noch kurz in den Fluss. Und ein Tag kann noch so hektisch gewesen sein – in diesem Moment ist alles vergessen.»