Wolkenwerk
Diese Überbauung weckt das Interesse der Feierabendvermieter

Mit der neuen Überbauung in Zürich Oerlikon fördert die Stadt das verdichtete Wohnen. Wer in die drei Türme ziehen will, muss aber kaufen, und das zu überdurchschnittlichen Quadratmeterpreisen.

Lina Giusto
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Vier neue Türme sollen bis 2021 in Zürich Oerlikon zwischen der Leutschenbach- und Hagenholzstrasse gebaut werden.

Vier neue Türme sollen bis 2021 in Zürich Oerlikon zwischen der Leutschenbach- und Hagenholzstrasse gebaut werden.

Zur Verfügung gestellt

Auf dem Areal zwischen der Leutschenbach- und der Hagenholzstrasse stehen Fabrikationsgebäude, Werk- und Lagerhallen. Sogar ein Auto-Occasionshändler gibt es auf dem Gelände. Ab Anfang Oktober werden diese Gebäude aber nun abgebrochen. Sie weichen für eine Überbauung mit illustrem Namen: Wolkenwerk. Baustart ist im Mai 2017.

Verdichtetes Wohnen

In der Nähe der Messe in Oerlikon entstehen in den nächsten zwei Jahren drei Türme mit den Namen B, C und D. Wolkenwerk ist ein Projekt der Bauherrschaft Nyffenegger Immobilien AG und der Leutschenbach AG. Sie rechnen mit einer Bauzeit von zwei Jahren für die Türme. Diese bieten Platz für 314 Eigentumswohnungen auf bis zu 23 Stockwerken und Laden-, wie Gewerbeflächen im Erdgeschoss. Im ersten Turm sind bereits 73 von 88 Wohnungen reserviert. Und das heisst: Verkauft ist hier offiziell noch nichts. «Die Ausschreibung für die beiden anderen Türme hat noch nicht begonnen», teilt Henrik Stump von der Leutschenbach AG auf Anfrage mit. Die Wohntürme sollten planmässig 2019 bezugsbereit sein. In einer zweiten Bauetappe ab 2019 wird dann der Messeturm als höchster der vier Türme gebaut. Dieser wird ausschliesslich als Büro- und Gewerbefläche genutzt. Die planmässige Einweihung ist auf 2021 festgesetzt. Insgesamt sollen im Wolkenwerk 1000 Personen leben und etwa genauso viele dort arbeiten. Zur Erholung bietet das Gelände einen 5000 Quadratmeter grossen Garten mit See. Der Baustandard entspricht den Minergie-Vorgaben.

Wie das Freilager ist auch dieses Bauprojekt in Kooperation mit der Stadt Zürich entwickelt worden. So beriet das Hochbaudepartement die Bauherrschaft in architektonischen und städtebaulichen Fragen im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens. In diesem Falle wurde dies durch ein Baukollegium sichergestellt. Zudem wirken hier die Hochhaus-Vorschriften. Das Wolkenwerk muss dem «Leitbild Leutschenbach», das im Jahr 2012 definiert wurde, entsprechen.

Wohnungsbau senkt Mieten

Das Wolkenwerk aber unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt vom Freilager. Die Wohnungen in Oerlikon können lediglich gekauft, aber nicht gemietet werden. Und die Preise der Wohnflächen haben es in sich. Von 8649 Franken pro Quadratmeter für eine 2,5 Zimmer-Wohnung in den unteren Stockwerken des Turms bis über 14 000 Franken pro Quadratmeter für das 4,5 Zimmer grosse Penthouse in der obersten Etage des Wolkenwerks. Diese Quadratmeterpreise liegen klar über dem schweizerischen Durchschnitt. Gemäss Swiss Real Estate Offer Index lag der Quadratmeterpreis im August bei etwas über 7000 Franken.
Das Fördern von teurem Eigentum in einer Zeit, in der gerade in Zürich hohe Knappheit an Mietwohnungen herrscht, überrascht dennoch. Das Hochbaudepartement der Stadt Zürich sagt auf Anfrage: «Es entzieht sich bei privaten Bauvorhaben dem Einfluss der Stadt, der Bauträgerschaft Vorschriften über Wohnungsmix und Art der Vermietung respektive des Verkaufs der Wohnungen zu machen.» Hingegen sei das Anliegen der Stadt, auch Gewerbeflächen sicherzustellen, von der Bauträgerschaft unterstützt worden.

Feierabendvermieter wägen ab

Peter Meier, Immobilienexperte bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), dagegen sagt: «Jede neu gebaute Wohnung in der Stadt hilft die Wohnungsknappheit zu vermindern.» Auch die Eigentumswohnungen im Wolkenwerk würden helfen, den Mietanstieg zu bremsen. Und weiter: «Auch wenn wir überall Baukrane sehen; die nur leicht erhöhte Wohnbautätigkeit konnte die grosse Nachfrage nicht kompensieren. Dies führte zu den Preissteigerungen, welche sich aber in den letzten Quartalen deutlich abgeschwächt haben.» Die Preise für Eigentum sind in den vergangenen Quartalen gestiegen, aber nicht mehr so stark wie in den Boomjahren, schrieb die ZKB in ihrem Immobilienbarometer im Juli.

Indes zeichnet sich beim Eigentum ein anderer Trend ab: Wer eine Wohnung besitzt, lebt nicht zwangsläufig darin. Wie Schätzungen von UBS-Ökonomen ergeben haben, werden Eigentumswohnungen in neuen Überbauungen bis zu einem Drittel vermietet. Sie dienen als Geldanlage, Altersvorsorge oder als mögliches Erbe für die Kinder. Diese Besitzer nennt man im Jargon denn auch «Feierabendvermieter». Diese müssen dabei vor allem auf die Standortwahl des Eigenheims achten. Touristenregionen, aber auch städtische Agglomerationen sind interessante Investitionsgebiete, weil über die Zeit Immobilienpreise und der Wert des Bodens eher steigen als sinken. Aber gemäss dem UBS Real Estate Focus Bericht stagnierten seit 2015 die Preise für Eigentum in Zürich. Entsprechend sind die Nutzungskosten der Immobilie oft höher als die Mieteinnahmen. Immobilienexperten raten zu Vorsicht bei der Weitervermietung von Eigentum.