Uni Zürich
Diese Studenten sind nicht nur an der Uni fleissig

Ob als Jungunternehmer, Unihockey-Nationalspielerin oder Mode-Bloggerin: Drei Studierende der Universität Zürich zeigen auch neben ihrer Lehre viel Engagement.

Anina Gepp (Text und Bilder)
Merken
Drucken
Teilen
Alessandra Pommer hat es im Unihockey bis in die italienische Nationalmannschaft gebracht.
3 Bilder
Studenten Uni Zürich
Jonathan Isenring hat neben dem Studium schon viele Projekte mit auf die Beine gestellt.

Alessandra Pommer hat es im Unihockey bis in die italienische Nationalmannschaft gebracht.

Anina Gepp

Unihockey auf höchstem Niveau

Drei Mal pro Woche Training und am Wochenende bis zu zwei Pflichtspiele: Alessandra Pommer hält ihren knallroten Unihockey-Stock fast in jeder freien Minute in den Händen. Seit 10 Jahren übt die 25-Jährige den Teamsport aus. Ihr Wirtschaftsstudium an der Universität Zürich und die Leidenschaft für das Unihockey kamen sich dabei in den letzten Jahren oftmals in die Quere. «Aufgrund des Sports habe ich einige Vorlesungen verpasst. Das Studium hatte aber dennoch immer Vorrang», sagt Pommer.

Im kommenden Mai wird sie voraussichtlich ihren Master abschliessen. In der Schweiz spielt Pommer für den Unihockeyclub Zug, in Italien für die Nationalmannschaft. Sobald sie sich nicht ausreichend bewege, werde sie unerträglich. Neben dem Unihockey hat Pommer deshalb noch zwei Pflegepferde, die ebenfalls beide genügend Bewegung brauchen.

Auch Basketball spielt die Studentin gerne oder legt beim Joggen längere Strecken zurück. «Unter der Woche komme ich selten dazu, etwas mit Freunden zu unternehmen», so die Studentin. Die Zeit vor den Semesterprüfungen sei jeweils besonders intensiv, wenn das Sportprogramm mit allen Vorbereitungen für die Universität zusammenkomme. Ihr Glück sei es, relativ ring zu lernen, so Pommer.

Nach ihrem Studium möchte sie im Business Development oder Consulting Fuss fassen. Wie es dann mit dem Sport weitergehen soll, weiss sie derzeit noch nicht genau. «Wenn es kein Job ist, bei dem ich normale Bürozeiten habe, wird es schwierig mit den Trainings», sagt sie. Ganz aufzuhören könne sie sich aber nicht vorstellen. Ob sie weiterhin Unihockey spielen oder eine andere Sportart ausüben will, hat die Studentin allerdings noch nicht fest entschieden.

Als Jungunternehmer fast schon ein alter Hase

Eine Einladung bei der Schweizer US-Botschafterin Suzi LeVine oder ein Aufenthalt in Dublin mit Firmenbesuchen bei Google, Facebook und Twitter – der Terminkalender von Jonathan Isenring unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von denjenigen seiner Kommilitonen an der Universität Zürich. In den Genuss solcher Ereignisse zu kommen, ist dem Wirtschaftsstudenten aber nicht einfach in den Schoss gefallen. Sie sind der Lohn für unzählige Stunden Arbeit, erklärt der 24-Jährige.

Das Studium hat jedoch nach wie vor Priorität, Semesterprüfungen, Seminararbeiten und Vorträge sind fester Bestandteil seiner Agenda. Aber «nur» zu studieren, das kam für Isenring nie infrage. Schon auf dem Weg zur Matura hat der Student regelmässig in seiner Wohngemeinde Wädenswil bei der Stadtverwaltung gearbeitet. Im zweiten Jahr an der Universität baute er mit anderen Studierenden den Jungunternehmerverein der Universität Zürich auf. Denn anders als an der ETH, wo die Kultur des Jungunternehmertums stärker gelebt wird, war diese an der Universität Zürich kaum vorhanden.

«Die Idee war es, Leute zusammenzubringen, die Interesse daran haben, etwas Eigenes aufzubauen und Studierende für das Thema zu sensibilisieren.», so Isenring. Der Aufbau und das schnelle Wachstum des Jungunternehmer-Vereins war für ihn die Tür in eine neue Welt. Der Student vernetzte sich schnell und lernte das Start-up-Ökosystem immer besser kennen. Er unterstützte diverse Start-ups mit Tipps und Erfahrungen aus der Business-Perspektive. «Meine Motivation war es stets, die Bedingungen für junge Menschen mit innovativen Ideen in Zürich zu verbessern.»

Geld verdient hat Isenring bei diesen Projekten so gut wie keines. Motivation für sein Tun waren Leidenschaft und Freude. Er ging weiterhin seinem Studium nach und arbeitete immer noch nebenbei bei der Stadtverwaltung und später an einem Lehrstuhl der Universität Zürich. Gegen Ende 2013 wurde Isenring vom «Pioneers Club PCU», einem Netzwerk für den Erfahrungsaustausch zwischen Jungunternehmern, für die Mitarbeit im Vorstand angefragt. Er gab die Aufgaben in seinem bisherigen Verein weiter und trat dem Vorstand des PCU bei.

Auch der Grossevent «HackZurich», ein Programmiermarathon mit internationaler Ausstrahlung, den er anfangs 2014 mitgegründet hat, öffnete ihm Türen zu interessanten Projekten von Firmen. Mittlerweile finanziert sich der Student nebst Studium und Arbeitsstelle an der Universität Zürich einen Teil seines Lebensunterhalts mit der Begleitung von Projekten. Die Idee, sein eigener Chef zu sein, gefällt Isenring. «Es ist attraktiv, selbst etwas bewegen zu können und an Projekten zu arbeiten, die interessant sind.»

Wohin ihn sein Weg letztlich führen wird, weiss der Student heute noch nicht genau. Wichtiger Bestandteil sei es auf jeden Fall, seinen Master abzuschliessen. «Das gibt mir Sicherheit, falls es mit einem eigenen Unternehmen doch nicht klappen sollte.» Seine Arbeit sei eine ideale Ergänzung zu seinem Wirtschaftsstudium. «Viele Themen sind etwas trocken und zahlenbasiert. Die Realisation von Projekten in der Start-up- und Innovationsszene hingegen ist sehr kreativ, abwechslungsreich und erweitert meinen Horizont.»

Bloggen über Mode

Wie man seine Haut auch bei kaltem Wetter im Winter ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt oder welcher Lippenstift am geeignetsten ist, damit die Lippen nicht austrocknen, verrät Sabine Neuhaus auf ihrem Mode- und Beautyblog. Die Idee, eine eigene Internetseite zu gestalten und andere junge Frauen zu inspirieren, kam der 26-jährigen Studentin gemeinsam mit ihrer 22-jährigen Schwester Patricia vor gut einem Jahr. Der erste Beitrag ging im August 2014 online.

Die beiden Frauen posten seither regelmässig alles zum Thema Mode, Schmuck und Kosmetik, was ihnen gerade gefällt. Zu Beginn sei es ihr schwer gefallen, selbst vor der Kamera zu stehen, sagt Neuhaus. Doch mittlerweile sei es ihr nicht mehr ganz so unangenehm. In ihrem Umfeld stösst der Blog auf Begeisterung. «Leute, von denen ich nie gedacht hätte, sie würden meine Internetseite besuchen, gaben mir positive Rückmeldungen.»

Es gebe aber natürlich auch Solche, die eher skeptisch seien. Gewissermassen betreibe man mit einem Blog ja auch immer Selbstdarstellung. Dass das nicht allen gefalle, könne sie verstehen. «Vor allem in der Schweiz ist die Bloggerszene noch nicht sehr gross», sagt sie. In anderen Ländern wie beispielsweise England seien Blogs schon weit verbreitet und sehr beliebt. Deshalb verfassen die beiden Schwestern ihre Beiträge jeweils auf Englisch. So können Leute auf der ganzen Welt die Posts lesen.

Geld verdient Neuhaus mit ihrem Blog noch keines, auch wenn sie und ihre Schwester bis zu drei Mal in der Woche einen neuen Beitrag verfassen. Sie dürfe aber ab und an mal Accessoires ausleihen, um sie auf ihrer Plattform vorzustellen. Die teuersten Gegenstände waren bisher zwei Ringe eines befreundeten Goldschmieds, die einen Wert von insgesamt 2000 Franken hatten. Den Blog hauptberuflich zu betreiben, bleibe bisher nur ein Traum, so Neuhaus.

Neben dem Masterstudium in Geschichte und Französisch habe sie auch gar keine Zeit, sich nur dem Verfassen neuer Beiträge zu widmen. Dennoch sei es für sie eine willkommene Abwechslung zum Lernen. «Ich geniesse es, meiner Kreativität freien Lauf lassen zu können.»