Dietikon/Schlieren

Diese Massnahme ergreifen die Städte, um gegen den Klimawandel vorzugehen

Im August 2016 wurde auf dem Stadtplatz ein Wasserspiel organisiert, das von Musik begleitet wurde. Solche Brunnen sind auch gut für das Stadtklima, wie es im Richtplanentwurf der Stadt Schlieren heisst.

Im August 2016 wurde auf dem Stadtplatz ein Wasserspiel organisiert, das von Musik begleitet wurde. Solche Brunnen sind auch gut für das Stadtklima, wie es im Richtplanentwurf der Stadt Schlieren heisst.

Mit einfachen Mitteln wollen Schlieren und Dietikon die Auswirkungen des Klimawandels abdämpfen.

Im Limmattal wurden in diesem Sommer Hitzerekorde verbucht. Dass solche extremen Temperaturen künftig öfter vorkommen werden, darüber sind sich Experten einig. Besonders in Städten, die dicht bebaut sind, wird es heiss. Wie man mit den Auswirkungen von Hitze und Trockenheit auf kreative Weise umgehen kann, darüber machen sich Stadtplaner weltweit Gedanken. So wurde im niederländischen Rotterdam etwa ein fortschrittliches Rückhaltebecken erstellt, das leer als Spielplatz dient. Auch Limmattaler Städte bedienen sich interessanter Instrumente, damit ihre Einwohner einen kühlen Kopf behalten können.

Im kommunalen Richtplan der Stadt Schlieren, der bis vor kurzem öffentlich auflag, finden sich mehrere Massnahmen dazu. «Der Stadtrat hat sich entschieden, dass er solche Klimaanpassungen vornehmen will», sagt Barbara Meyer, Projektleiterin Stadtentwicklung. Die Stadt will «ein wirksames Zusammenspiel zwischen der Verdichtung der Siedlungsgebiete und der ökologischen und klimatischen Aufwertung» durch eine ganzheitliche Planung erreichen, wie es im Richtplan heisst. Meyer betont: «Im Gegensatz zum Klimaschutz, eine Aufgabe der internationalen Politik, geht es bei der Klimaanpassung darum, die Entwicklung von sommerlichen Hitzeinseln und die Aufheizung der Gebäude lokal zu mindern, damit die Stadt für die Bewohner weiterhin lebenswert ist», sagt sie. Dabei können Unterschiede von ein paar Grad erzielt werden. Ganz besonders relevant sei dies für Senioren, die oftmals nicht mehr gut mit Hitze umgehen können, so Meyer.

«Eine weitere Aufheizung des Stadtgebiets ist zu verhindern und die Siedlungsstruktur auf die Durchlässigkeit für natürliche Kaltluftströme entlang der Limmat und von den Hängen herab zu optimieren», heisst es im Richtplan.

Wie beabsichtigt die Stadt dies zu erreichen? Die einzelnen Massnahmen seien sehr simpel, erklärt Meyer. So werde die Stadt künftig wohl bei Bauherren auf das Belassen eines Anteils an nicht unterkellerten, versickerbaren Flächen pochen. Einerseits hätten diese eine kühlende Wirkung, andererseits können auf ihnen allenfalls grosse, schattenspendende Bäume wachsen. Zudem dienen sie bei Starkregen als wertvoller Puffer für schnell anfallende Wassermassen, sagt Meyer. «Auch Brunnen und Wasserspiele – seien sie auch noch so klein – haben eine kühlende Wirkung auf das Mikroklima.» Generell seien Pflanzen im öffentlichen Raum gut, da sie im Gegensatz zu Gebäuden, die Hitze grundsätzlich speichern und eine kühlende Wirkung haben. «Ist der Richtplan verabschiedet, wird die Stadt vermehrt begrünte Dächer und Fassaden fordern können», so Meyer. Doch sind nicht nur private Bauherren in der Verantwortung: «Natürlich muss auch die Stadt möglichst viele Grünflächen und Bäume im öffentlichen Raum erstellen, um die Entstehung von Hitzeinseln zu verringern», sagt sie. Gerade entlang von Strassen seien Bäume eine wichtige Massnahme.

Luftstrom leicht gestört

Auch die geplanten Verbindungen zwischen Limmat und Schlieremer Wald, die Stadt nennt sie Querspangen für den Langsamverkehr, sollen gut fürs Klima sein. «Die Kaltluftströme können dann entlang dieser Korridore fliessen», so Meyer. Messungen haben ergeben, dass dieser Luftstrom leicht gestört ist, da das Trassee der S-Bahn am Hang des Schlieremer Bergs diese Zirkulation beeinträchtigt.

Und wie reagiert die Bevölkerung auf diese Massnahmen? «Bei der ersten Sichtung der Einwendungen lässt sich sagen, dass solche Klimaanpassungen gut ankommen und die Menschen mehr davon wollen, als im aktuellen Richtplan-Entwurf vorgesehen ist», so Meyer.

Dietikon schützt Grünbereiche

Auch in Dietikon macht man sich Gedanken zu diesem Thema und ist bestrebt das Klima in der Stadt zu verbessern. «Gegenüber anderen grösseren Städten wie Zürich oder Genf sind wir jedoch in einer besseren Ausgangslage», sagt Jürg Bösch, Leiter des Stadtplanungsamtes, auf Anfrage. Dies liege an der verhältnismässig lockeren und weitgehend durchgrünten Bebauung als Gartenstadt. Dennoch sollen im Richtplan, der in einem öffentlichen Beteiligungsverfahren im kommenden Jahr erarbeitet wird, mehrere Massnahmen vorkommen, die eine positive Wirkung auf das Stadtklima haben.

Neben dem Schutz der wichtigen Grünbereiche sowie Freiräume an Fluss und Wald, erwähnt Bösch auch das Hochhauskonzept. «Wir beschränken uns auf wenige Hochhaus-Standorte. Eine ungeordnete Bebauung könnte die Firschluftzirkulation verhindern», so Bösch. Auch achte man bei der Innenentwicklung darauf, dass Dietikon mit hochwertigem Grünraum ausgestattet werde. Das Paradebeispiel hierfür dürfte der rund sechs Hektaren grosse Park sein, der im Quartier Niderfeld geschaffen werden soll. Doch auch entlang des Trassees der Limmattalbahn und beim neu gestalteten Pausenplatz des Zentralschulhauses wurden neue Bäume gepflanzt.

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