Baumsterben

Diese Holzverpackungen sind wie eine Einladung an importierte Schädlinge

Chinesische Granitsteine standen wochenlang herum. Mit der Holzverpackung können Schädlinge wie der Asiatische Laubholzbockkäfer eingeschleppt werden, der in Winterthur ganze Alleen vernichtet hat. fotos: zvg

Chinesische Granitsteine standen wochenlang herum. Mit der Holzverpackung können Schädlinge wie der Asiatische Laubholzbockkäfer eingeschleppt werden, der in Winterthur ganze Alleen vernichtet hat. fotos: zvg

In Illnau standen heikle chinesische Holzverpackungen wochenlang auf der Strasse – der Laubholzbockkäfer aus Winterthur lässt grüssen.Dieser hatte in einer Allee jungen Ahornbäumen derart zugesetzt, dass sie allesamt gefällt werden mussten.

Unübersehbar standen die verpackten Granitsteine wochenlang am Strassenrand in Illnau, einem Ortsteil in der Gemeinde Illnau-Effretikon, bevor sie als Randsteine einer sanierten Strasse verlegt wurden. Auf den ersten Blick wirken die Stapel harmlos. Doch der Schein trügt.

Denn solche Fracht birgt mitunter blinde Passagiere: Mit den Holzverpackungen können schädliche Insekten eingeschleppt werden. Zwar trug die Lieferung in Illnau das Siegel der internationalen Pflanzenschutzkonvention IPPC – doch dieses bietet alles andere als echte Sicherheit.

Wertlose Zertifikate

Genau die in Illnau-Effretikon vorgefundene IPPC-Kennungsnummer «CN-049-HT 37», die für eine Lieferung aus Nordchina steht, gehört zu denjenigen, vor denen der österreichische Pflanzenschutzdienst warnt. Er hatte vergangenes Jahr mithilfe von Spürhunden in solchen Lieferungen zahlreiche Organismen gefunden – sowohl den berüchtigten Asiatischen Laubholzbockkäfer als auch andere Arten wie den Maulbeerbaum-Bockkäfer. Alle Proben, in denen Schädlinge festgestellt wurden, trugen offenbar gültige IPPC-Siegel.

Deshalb wird in Österreich den Bauunternehmen empfohlen, Verpackungsholz gründlich auf Schädlinge zu untersuchen, die Ware nicht in der Nähe von Wäldern zu lagern und die Verpackungen möglichst schnell zu vernichten.

«Mehrere Wochen» herumgelegen

Doch Vorkehrungen wie diese scheint die Baufirma in Illnau nicht getroffen zu haben. «Die Steine lagen in der Verpackung mehrere Wochen herum», schimpft ein Anwohner.

Seinen Ärger teilen die örtlichen Jungliberalen. Sie reichten gemeinsam mit ihrer Mutterpartei zu den Randsteinen am 10. August eine Interpellation im Gemeindeparlament ein. Unter anderem wollen die Parteien wissen, ob die Stadt dem Bauunternehmer den Auftrag gegeben hat, die Verpackung aus China möglichst rasch zu entsorgen. Und sie fragen, wer für den Schaden haftet, sollten tatsächlich Schädlinge aus der Lieferung den Baumbestand befallen.

Kostspielige Käferjagd

Dass ein solcher Befall teuer wird, dafür lieferte die Stadt Winterthur ein eindrückliches Beispiel. Dort hatte der Asiatische Laubholzbockkäfer in einer Allee jungen Ahornbäumen derart zugesetzt, dass sie allesamt gefällt werden mussten. Seit nunmehr einem Jahr befindet sich die Stadt im Krieg gegen den Käfer. Die Kosten für die Bekämpfung des Tiers dürften bald eine Million Franken überschreiten – und die Überwachung geht weiter.

Bei der Baudirektion des Kantons Zürich herrscht gegenüber den IPPC-Zertifikaten Skepsis. Wie Sprecher Thomas Maag ausführt, werden für den Kanton tätige Unternehmen darauf aufmerksam gemacht, Verpackungen möglichst schnell von den Baustellen zu entfernen. «Wir werden auch anlässlich einer alljährlich stattfindenden Informationsveranstaltung im September unsere Auftragnehmer daraufhin sensibilisieren», so Maag.

Neue Empfehlungen geplant

Derzeit beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Kantons sowie der Städte Zürich und Winterthur mit Empfehlungen für den Umgang mit möglicherweise befallenem Transportholz. Darin soll es auch um haftungsrechtliche Fragen gehen. Denn wie der Fall Winterthur zeigt, kann der Schaden gross werden.

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