Zweiter Weltkrieg

Diese Gedenkstätte ehrt einen abgeschossenen Solothurner Militärpiloten

1946 errichteten Studienkollegen einen Gedenkstein für den heute vor 72 Jahren abgeschossenen Solothurner Piloten Paul Treu. Jetzt wurde der Stein, der in Zürich-Affoltern steht, mit einer Informationstafel ergänzt.

1946 errichteten Studienkollegen einen Gedenkstein für den heute vor 72 Jahren abgeschossenen Solothurner Piloten Paul Treu. Jetzt wurde der Stein, der in Zürich-Affoltern steht, mit einer Informationstafel ergänzt.

An einer gut besuchten Feier in Zürich-Affoltern wurde des Abschusses des Solothurner Militärpiloten Paul Treu vor 72 Jahren gedacht. Gleichzeitig wurde die erneuerte und erweiterte Gedenkstätte der Öffentlichkeit übergeben.

Am 5. September 1944 überquerte ein US-Bomber des Typs Boeing B-17 «Fliegende Festung» die Grenze zur Schweiz. Er war bei einem Angriff auf die BMW-Werke von Stuttgart von der Fliegerabwehr beschädigt worden, worauf die Besatzung nicht mehr nach England zurückfliegen wollte, sondern in der nahen Schweiz Zuflucht suchte. In Dübendorf starteten vier Schweizer Messerschmitt-Jäger der Fliegerkompanie 7 zum Neutralitätsschutz. Mit dabei der Solothurner Milizpilot Paul Treu, der zusammen mit Robert Heiniger in einer Patrouille flog. In der Ostschweiz fingen sie den Bomber mit dem Beinamen «Blues in the Night» ab und geleiteten ihn Richtung Dübendorf, wo in den Monaten zuvor schon viele Flugzeuge der US-Streitkräfte auf neutralem Boden gelandet waren.

Nachdem die Mission in Sichtweite von Dübendorf beendet war, drehten Robert Heiniger und Paul Treu vom Bomber weg. In diesem Moment wurden die beiden unvermittelt von amerikanischen Jagdflugzeugen im Raum des heutigen Flughafens Zürich-Kloten angegriffen. Schon nach dem ersten Angriff stürzte die Me-109 von Paul Treu ab und schlug im Hürstwald in Zürich-Affoltern auf. Robert Heiniger wurde zwei Mal angegriffen, wobei er verletzt und sein Flugzeug schwer beschädigt wurde. Mit grosser Not konnte er auf dem Flugplatz Dübendorf eine Notlandung machen und kam mit dem Leben davon. Der Swissair-Pilot verstarb hochbetagt im Jahr 2010.

An der Absturzstelle wurde für Paul Treu von seinen Studienkollegen 1946 ein Gedenkstein errichtet und eine Linde gepflanzt. Auf Initiative des ehemaligen Luftwaffenmitarbeiters Hans Prisi wurde der Gedenkstein jetzt erneuert. Gleichzeitig wurde eine Informationstafel mit Text und Fotos aufgestellt, die über die Ereignisse des 5. September 1944 berichtet. An der gut besuchten Feier war Peter Treu anwesend, der Sohn des Piloten, der beim Tod seines Vaters erst fünf Monate alt gewesen war. Ebenso die Enkelin Rosa Treu und die Halbschwester des Piloten.

Paul Treu wurde 1913 geboren, war Bürger von Balsthal und stand bei seinem Tod im Dienste des Kantons Solothurn, wo er als Forstingenieur ETH im kantonalen Oberforstamt arbeitete. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war er ein halbes Jahr mit der Fliegerkompanie 12 in Grenchen stationiert gewesen. Dort lernte er seine zukünftige Ehefrau Doris Zemp kennen, deren Familie an der Centralstrasse ein Möbelgeschäft besass. Paul Treu lebte mit seiner jungen Familie in Solothurn an der Burgunderstrasse 8.

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