Altstetten

Diese Drehscheibe in Zürich Altstetten ist weltweit einzigartig

Nach dem Umbau zeigt sich das Reparaturcenter in Zürich Altstetten von seiner modernen Seite.

Es hornt zwei Mal. Dann setzt sich die Drehverschiebeeinrichtung im Reparaturcenter der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) in Altstetten in Gang. In ihrem Bauch transportiert die 90 Tonnen schwere und fünfeinhalb Meter breite Vorrichtung einen rund 30 Meter langen Zugwagen. Zuvor hat eine Maschine diesen in die Dreheinrichtung gezogen. Nach einer 90 Grad Wende wird der Zugwaggon direkt vor dem Tor 1 der Reparaturhalle positioniert. Dass eine Drehscheibe drehen als auch schieben könne, sei weltweit einzigartig, sagt ein Sprecher der SBB. Dann schiebt die Maschine den Wagen in das denkmalgeschützte Gebäude.

Drehscheibe und starke Wägeli: Eindrücke aus dem neuen SBB-Reparaturzentrum in Altstetten

Drehscheibe und starke Wägeli: Eindrücke aus dem neuen SBB-Reparaturzentrum in Altstetten

Dieses existiert in seinen Grundfesten seit 1908. Damals waren hier die Hauptwerkstätten der SBB stationiert. Seit 2002 aber werden hier nur noch Reparaturen an Zügen durchgeführt. Rund 200 Techniker setzen Lokomotiven, Personenwagen und Triebzüge wieder in Stand. Nach dem rund einjährigen Umbau des Areals beginnt nun ein neues Kapitels.

Gleich viel Personal wie vorher

Im Zuge des Umbaus für 37 Millionen Franken haben die SBB ihre Reparaturfläche auf der Werkstadt im Zürcher Kreis 9 halbiert. So gibt es dort heute noch 13 Reparaturgleise. «Der Personalbedarf hat sich trotz der kleineren Fläche nicht verändert. Neu arbeiten wir hier im Zweischichtbetrieb von 6 bis 23 Uhr», sagt Martin Fischer, Leiter des Reparaturcenters der SBB. Täglich würden durchschnittlich zehn Fahrzeuge repariert. Eine Ausnahme bildet der Zeitraum während des Genfer Automobilsalons. «Dann herrscht hier Flaute, weil alle Fahrzeuge im Einsatz sind», so Fischer. Dafür gebe es aber vor und nach der Autoausstellung umso mehr zu reparieren.

Am Häufigsten müssten Radsätze ausgetauscht, Klimaanlagen, Fenster oder Türen repariert und die Fäkalientanks entkalkt werden. Im Zuge des Umbaus wurden auch die Arbeitsstände in der Halle modernisiert. Jedes Reparaturgleis verfügt über eine Hochdruckeinrichtung sowie eine elektronische Hebebühne. Während die Techniker bis anhin unter den Zug kriechen mussten, können sie diesen heute im Stehen reparieren. Mit einem Kran werden die Züge in die Höhe gehoben.

Die einzigartige Drehverschiebeeinrichtung für Waggons in Altstetten.

Die einzigartige Drehverschiebeeinrichtung für Waggons in Altstetten.

Fischer erklärt, man wolle Reparaturen effizienter erledigen können und bereite sich mit den neuen Technologien auch auf die künftigen Fahrzeug-Flotten vor. Auch das Dach und die Fassade der Halle wurden saniert. Lediglich die Nordseite wurde mit Glas komplett neu gestaltet. Zugreisende, die über die Letzigrabenbrücke fahren, haben freie Sicht auf die Züge und die arbeitenden Techniker in der Halle.

Der restliche Teil des Areals in Richtung Bahnhof Altstetten – rund 40 000 Quadratmeter – liegt nun brach und soll bis 2026 saniert werden. Die SBB planen gemeinsam mit der Stadt Zürich eine Umnutzung des Gebietes. Künftig sollen hier Start-ups und die Kreativwirtschaft ein Zuhause finden. Die nun leerstehenden und denkmalgeschützten Werkhallen sollen auch kulturell genutzt werden. Bereits im Verlaufe diesen Jahres sollen erste Neunutzungen des westlichen Teils des Areals möglich sein.

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