Zürich
Die Zürcher Wohnbaugenossenschaften übernehmen das Wort

Sie erhielten Subventionen und würden zudem auch noch fast gratis zu Bauland kommen, heisst es oft. Doch das ist in der Regel falsch, sagen die Zürcher Wohnbaugenossenschaften. Fünf Fragen und Antworten zu ihrer Tätigkeit.

Oliver Graf
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Der neuste Genossenschaftsbau in der Stadt Zürich: Die Überbauung Kalkbreite, deren Innenhof als Quartiertreffpunkt öffentlich zugänglich ist.

Der neuste Genossenschaftsbau in der Stadt Zürich: Die Überbauung Kalkbreite, deren Innenhof als Quartiertreffpunkt öffentlich zugänglich ist.

MTS

1 Erhalten die Wohnbaugenossenschaften Subventionen von der öffentlichen Hand?

In der Regel erhalten sie keine direkte finanzielle Unterstützung: Beim Genossenschaftswesen handle es sich «nicht um eine staatsgesteuerte Subvention», sagt Peter Schmid, Präsident der Wohnbaugenossenschaften Zürich. «Es basiert auf einer privaten, freiwilligen Initiative.» Die Genossenschaften werden aber dennoch vielfältig gefördert. Etwa über den «Fonds de roulement» des Bundes, der günstige Restfinanzierungsdarlehen vergibt.

2 Gelangen Genossenschaften praktisch gratis zu Bauland ?

Wohnbaugenossenschaften erhalten Areale auch im sogenannten Baurecht. Die Grundstücke für den gemeinnützigen Wohnungsbau werden dabei in den entsprechenden Verträgen zu einem gegenüber dem Marktpreis reduzierten Landwert abgegeben. Das seien keine versteckten Subventionen, sagt Martin Wenger, Co-Präsident der Bau- und Wohngenossenschaft «Kraftwerk1». «Die Genossenschaften gehen durch den Baurechtsvertrag gewisse Eigentumsbeschränkungen ein und erbringen gemeinnützige Leistungen, dadurch reduziert sich auch der Landwert.» Als typische Auflage, die die Stadt Zürich unter anderem macht, nennt Wenger den Umstand, dass die Genossenschaften ein Prozent ihrer erstellten Nutzfläche der Stadt unentgeltlich für die Quartierversorgung zur Verfügung zu stellen haben. Laut Peter Schmid sind Baurechtsverträge aber eher die Ausnahme als die Regel: «In der Stadt Zürich stehen nur etwa 15 Prozent der Genossenschaftswohnungen auf Baurechtsland der Stadt Zürich.»

3 Lebt nur die ärmste Schicht in Genossenschaftsbauten?

Unter anderem der Hauseigentümerverband hatte kürzlich die Genossenschaften kritisiert, da diese ihre günstigen Wohnungen nicht an die Ärmsten vermieten würden. Die Wohnbaugenossenschaften seien private Eigentümer, hält dem Peter Schmid entgegen. «Sie entscheiden frei, wer in ihren Wohnungen wohnt.» Es gebe keine «falschen» Mieter. Mark Jäggi, Präsident der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Limmattal, weist darauf hin, dass «Genossenschaften nicht explizit Sozialwohnungen fördern, sondern für eine gute Durchmischung der Bevölkerung sorgen». Dazu gehöre auch der Mittelstand. «Ein guter Mix führt zu einem gesunden sozialen Klima in unseren Quartieren.»

4 Wer lebt in einer Genossenschaftswohnung?

Genossenschafter verfügen über ein Einkommen, das im Vergleich zum Durchschnitt (erwartungsgemäss) tiefer liegt. In der Stadt Winterthur weist eine Person, die in einer Genossenschaftswohnung lebt, beispielsweise ein steuerbares Einkommen von 32 000 Franken aus. Der «normale» Mieter kommt auf 40 000 Franken. «Genossenschaften vergeben ihre Wohnungen bevorzugt an Personen und Familien, die tiefere Einkommen haben», sagt Doris Sutter von der Gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Winterthur. «Damit nehmen sie ihre soziale Verantwortung auf dem Wohnungsmarkt aus freiwilligen Stücken wahr.»

5 Was ist der Unterschied von gemeinnützigem und sozialem Wohnungsbau?

Nur wenn Wohnungen subventioniert werden, spricht man vom «sozialen Wohnungsbau». Für die Vermietung dieses durch die öffentliche Hand vergünstigten Wohnraums gelten strenge Einkommenslimiten und Belegungsvorschriften (etwa ein Prozent aller Mietwohnungen im Kanton). Beim gemeinnützigen Wohnungsbau legen die Genossenschaften fest, welche Ziele sie erreichen wollen (14 Prozent aller Mietwohnungen). Die Ziele sind unterschiedlich. Gemein ist ihnen, dass genossenschaftliches Wohnen «mehr als das Bauen und Verwalten von Immobilien» umfasst, sagt Daniel Märki, Geschäftsführer der Wohnbaugenossenschaften Zürich. «Es ist das Ergebnis des Zusammenwirkens von Mitbestimmung, Partizipation und Mitgestaltung.»