Stadtpolizei Zürich
Die Zürcher Stadtpolizei zwitschert live

Während 24 Stunden gewährte die Stadtpolizei Zürich einen Einblick in ihren Arbeitsalltag: Über Twitter berichtete sie in Echtzeit direkt von der Front. Es gab zwar wenig Spektakuläres, aber viel Kurioses.

Sophie Rüesch
Merken
Drucken
Teilen
Das Medienteam der Stadtpolizei twitterte unermüdlich aus der Zentrale. zvg

Das Medienteam der Stadtpolizei twitterte unermüdlich aus der Zentrale. zvg

Limmattaler Zeitung

Es ist ein ganz normaler Arbeitstag für die Stadtpolizei Zürich – mit der kleinen Ausnahme, dass die Einsätze der Polizisten für einmal nicht still und von der Bevölkerung unbemerkt über die Bühne gehen, sondern via Twitter der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wer schon immer einmal wissen wollte, was unsere Freunde und Helfer während ihrer Schichten genau treiben, konnte auf der Kurznachrichtenplattform während 24 Stunden die Tätigkeit der Stadtpolizisten mitverfolgen. Unermüdlich fütterte die Medienstelle der Stadtpolizei vom Freitagmorgen um 6.30 Uhr bis Samstagmorgen um dieselbe Zeit unter dem Stichwort #stapo24 ihre Profilseite.

Der Tag fing ruhig an: Einige Einbruchsmeldungen müssen abgeklärt werden, ein technischer Alarm geht los, ein Container brennt, Autos versperren die Durchfahrt oder verursachen kleinere Unfälle. Doch bereits gegen Mittag wird klar: Die Stadtpolizei muss sich mit einigen Kuriositäten herumschlagen. So muss eine tote Krähe aufgelesen, ein Blumentopf aus der Limmat gefischt und ein vermeintlicher Enkeltrickbetrüger geprüft werden. Auch scheinen seltsame Funde in Waldstücken nichts Aussergewöhnliches zu sein: Ein Tresor und ein defekter Billettautomat wurden dort entdeckt und der Polizei gemeldet.

Einbrüche, Deibstähle, Verkehrsunfälle

Am Ende der 24-stündigen Live-Berichterstattung sind es aber Einbrüche, Diebstähle, Verkehrsunfälle, falsch parkierte Fahrzeuge, Lärmklagen und Auseinandersetzungen, wegen denen die Stadtpolizei am häufigsten ausrücken muss. Mit Abstand die meisten Delikte wurden in den Kreisen 1 und 4 begangen: Je etwa 30 Vorfälle ereigneten sich dort. Die wenigsten Verstösse konnten die Kreise 7, 8 und 10 registrieren. In den ruhigeren Kreisen waren denn auch die Einsätze etwas unspektakulärer: Ein Tweet um die Mittagszeit berichtet: «Ein Mann mit Laubbläser stört die Mittagsruhe am Züriberg. Ein Quartierpolizist schaut zum Rechten.»

Gegen Abend häufen sich die Einsätze – und die Polizisten sehen sich mit anderen Aufgaben konfrontiert als noch am Tag. Wie in einer Freitagnacht zu erwarten, muss die Polizei hauptsächlich wegen Lärmklagen, Betrunkenen und teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen ausrücken. Während der Kreis 4 am Tag noch verhältnismässig ruhig war, konzentrieren sich die Einsätze zu später Stunde um dieses Gebiet.

Am Samstagmorgen war Schluss

Am Samstagmorgen um 6.30 ist Schluss. «Unsere Berichterstattung neigt sich nach 250 Einsätzen und rund 400 Tweets dem Ende zu», heisst es. Nach einer langen Nacht sind die Verantwortlichen zufrieden: «Das grosse Echo freut uns riesig.» Die Twitter-Leser zeigten sich tatsächlich auch ausgesprochen neugierig: Etwa die Hälfte der Einträge stellte Antworten auf Fragen von interessierten Twitter-Benutzern dar. Diese wollten beispielsweise wissen, wie die Koordination der Einsatzwagen funktioniert, welche Aufgaben die verschiedenen Einheiten wahrnehmen oder wie lange die Schichten dauern. Viele Fragen wurden auch zum Betäubungsmittelgesetz gestellt – und dazu, wie streng die Polizei dieses durchsetzt. So wollte zum Beispiel Patrick Stadler wissen: «Drückt ihr oft ein Auge zu?» Die Antwort: «Wir haben einen Grundauftrag – eine Belehrung anstelle einer Busse ist aber bei ‹kleineren› Delikten manchmal möglich.»

Das Medienteam hat die Gelegenheit auch gleich wahrgenommen, um allgemeine Informationen rund ums Stadtpolizeiwesen in den Twitter-Feed einfliessen zu lassen. Ein Beispiel: «Nice to know: Die Stadtpolizei Zürich musste im Jahr 2010 rund 3600 Personen in Polizeihaft setzen.»

Gegen Ende der Twitter-Tages will Benutzerin «Hevosia» noch wissen, was mit dem herrenlosen Tresor passiert ist; ob er geöffnet wurde, oder sein Besitzer mittlerweile aufgetaucht sei. Die Stadtpolizei antwortet: «Das geht in der Realität nicht so schnell wie im TV.»