«Fashion Days»
Die Zürcher «Fashion Days» sind vorbei – was tut die Szene jetzt?

Vier Tage lang drehte sich im Zürcher Schiffbau alles um die neuesten Modetrends. Ein Stelldichein der Kreativen, Schönen und schön Hergerichteten: Am Samstag ging die vierte Ausgabe der «Fashion Days» zu Ende. Was tut die Szene jetzt?

Adrian Portmann
Merken
Drucken
Teilen
Nach vier Tagen ist der Mode-Anlass ist vorbei – was aber tut die Szene, wenn der Alltag wieder einkehrt?

Nach vier Tagen ist der Mode-Anlass ist vorbei – was aber tut die Szene, wenn der Alltag wieder einkehrt?

Keystone

Angereist war neben vielen anderen auch das Londoner Zwillings-Design-Duo «Felder Felder» - mit Karli Kloss gab es zudem ein waschechtes Victoria-Secret-Model auf dem Laufsteg zu sehen. Tickets für die Veranstaltung konnten im Internet bestellt werden, was im Vergleich zu den «Fashion Weeks» in New York oder Paris, eher ungewöhnlich anmutet - dort sind jeweils nur geladene Gäste willkommen.

Doch was bleibt, wenn die roten Teppiche eingerollt sind, die Prominenz im Flieger sitzt und der Modezirkus weiterzieht? «Sehr viel Arbeit», sagen die Zürcher Jungdesignerinnen Ruza Rajcic und Hana Schärer übereinstimmend. Vergangenen Oktober erhielten die beiden Frauen für ihre zweite Kollektion den «Prix Lily» vom Westschweizer Modemagazin «Edelweiss» verliehen. Bereits seit zwei Jahren arbeiten sie zusammen, davor studierten die Frauen an der «Mode Design Schule» in Zürich. Den Stil ihres Labels «RS HADER» bezeichnet Schärer als «schlicht und gradlinig».

Für die «Fashion Days» blieb keine Zeit. Gerade eben sind Rajcic und Schärer aus dem Tessin zurückgekehrt, wo sie nach einem geeigneten Fabrikationsbetrieb für ihre zweite Kollektion Ausschau hielten. «Künftig wollen wir unsere Kleider nicht nur in der Schweiz entwerfen, sondern sie auch hier herstellen lassen», sagt Rajcic. Die ersten Teile wurden noch in Bulgarien angefertigt. Nicht die Preisfrage habe sie dazu bewogen, künftig im Inland zu produzieren, sondern die räumliche Nähe. Bisher kümmern sich die Frauen um alles selber - vom Marketing über den Vertrieb bis zur Buchhaltung. Manchmal sei es schwierig, noch Zeit für das Zeichnen von neuen Entwürfen zu finden, sagt Schärer. Da ergibt es Sinn, dass sie ihren Laden im Kreis 3 mit vier anderen Jungdesignern teilen.

Das Leben eines Modeschöpfers stellen sich viele glamourös vor. «Nicht wenige Jugendliche träumen von einer Karriere, wie sie in unzähligen Fernsehformaten vorgelebt wird», sagt Bernadette Epprecht, Direktorin der Fachschule für Mode und Gestaltung (Modeco) im Zürcher Seefeld. Rund 90 junge Frauen und einige wenige Männer lassen sich dort zu Bekleidungsgestalterinnen und -gestaltern ausbilden. Der Grossteil besucht nicht nur die Schule im Seefeld, sondern arbeitet daneben in einem der sechs schuleigenen Lernateliers und stellt Kleider für Kundschaft her. Viele ehemalige Lehrbetriebe im Kanton Zürich sind heute geschlossen. Nur noch etwa zehn Berufsschülerinnen sind bei externen Lehrbetrieben beschäftigt.

«Grundsätzlich lernt man bei uns, wie ein Kleid konstruiert wird, also die technische, handwerkliche Seite», sagt Epprecht. Vergleichbar mit dem Bau eines Hauses, bei dem zuerst das Fundament gelegt werden muss, bevor das Design zum Tragen kommt. «Wenn jemand neben der technischen Fertigkeit auch noch Kreativität mitbringt, fördern wir das natürlich.» Ein kleiner Teil entscheidet sich nach der Lehre dann auch für ein Designstudium an einer höheren Fachschule. Die Mehrheit spezialisiert sich jedoch auf die Theaterschneiderei, einen Bereich, in dem Fachkräfte gefragt sind. «Ausserdem sind auch bekannte Designergrössen wie Karl Lagerfeld für die Umsetzung ihrer Ideen auf gut ausgebildete Schneiderinnen angewiesen», sagt Epprecht.

Nach Lagerfeld sucht man bei Kathrin Dieng vergeblich. Seit 13 Jahren bringt sie in ihrem Geschäft unweit des Hauptbahnhofs Designermode an die Frau. «Angefangen hat alles mit Schrankräumungen, als ich gemerkt habe, dass viele Frauen zwar eine Menge Kleider haben, aber trotzdem nicht wissen, was sie anziehen sollen», sagt Dieng. Heute helfe sie ihren Kundinnen, den eigenen Stil zu finden. «Damit der Kopf für andere Dinge frei wird.»

Neben deutschen und belgischen, finden sich auch einige Schweizer Designer im Sortiment. «Es sind Leute, die darauf achten, unter welchen Bedingungen produziert wird und ihre Kleider in Europa herstellen lassen.» Zu ihren Kundinnen zählt Dieng vorwiegend Frauen über dreissig. Gerade Magazine wie die «Vogue» würden nur Mode für die ganz jungen Frauen zeigen. «Dass man sich heute mit 50 noch nicht zum alten Eisen zählt, soll aber nicht heissen, dass eine Mutter dasselbe Outfit wie ihre Tochter tragen muss», sagt Dieng. Ein Phänomen, das sie in Zürich immer wieder beobachtet.

Damit die Limmatstadt als Modemetropole wahrgenommen wird, braucht es wohl mehr als vier Tage Glanz und Gloria im Schiffbau. Karli Kloss kannte die Schweiz bisher nur aus dem Fernsehen, wie sie dem «Blick» verriet. Was aber nicht bedeutet, dass ein Mangel an Designern, Schneiderinnen und Boutiquen herrschen würde. Vielleicht liegt es an der Grösse der Stadt - möglicherweise ist es aber auch einfach schweizerische Bescheidenheit, die verhindert, sich mit Paris oder London messen zu wollen.