Der Radklassiker Züri-Metzgete war für Peter Blattmann von klein auf Thema am Mittagstisch: Sein Vater und zwei Onkel waren Radprofis. Onkel Albert gewann das Rennen 1926, Vater Walter Blattmann 1933. Sie engagierten sich auch nach ihrer aktiven Zeit noch lange für das Rennen, das am Sonntagmorgen zum 100. Mal stattfindet.

Peter Blattmann (71) war nie Radrennfahrer. Doch als passionierter Velofahrer und Mitglied des Radfahrer-Vereins Zürich (RVZ), dessen Ehrenpräsident er ist, setzt er die Familientradition fort. Heute ist er eine der treibenden Kräfte, die dafür verantwortlich sind, dass es die Züri-Metzgete überhaupt noch gibt; wenn auch die Zeiten, als sich die Weltspitze des Radsports dazu einfand, vorerst vorbei sind.

«Kaum ein Sportanlass blickt auf eine derart lange Tradition zurück», sagt Blattmann, als wir uns zum Gespräch treffen. Mitgebracht hat er ein druckfrisches Exemplar des von ihm zusammen mit den Journalisten Martin Born und Walter Leibundgut herausgegebenen Buchs «Züri-Metzgete. 100 x Meisterschaft von Zürich – der Radklassiker». Im Vorwort schreibt Bundesrat Ueli Maurer, selbst passionierter «Gümmeler»: «Die Züri-Metzgete, das älteste Radrennen der Schweiz, wurde 1910 noch vor dem 1. Weltkrieg erstmals ausgetragen. Sie hat Höhen und Tiefen erlebt, aber sie hat immer überlebt. Die heutigen Organisatoren können stolz sein, dass sie die 100. Austragung feiern können.» Doch wieder einmal ist die Zukunft des Zürcher Radklassikers ungewiss.

2006 fand die Züri-Metzgete zum bislang letzten Mal als Profirennen statt. Nach dem Skandal um Floyd Landis, der die Tour de France gewonnen hatte und des Dopings überführt wurde, sprang damals der Hauptsponsor der Züri-Metzgete ab. Er hatte eigentlich für die nächsten drei Jahre Gelder zugesagt. «Wir standen vor dem Nichts», erinnert sich Blattmann. «Das Rennen wurde abgesagt.»

EKZ-Sponsoring-Vertrag läuft aus

2008 erfolgte der Neustart als Amateurrennen: Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) hatten das Sponsoring übernommen. Das Budget, das zuvor bei einer Million Franken lag, schrumpfte auf rund ein Fünftel dieser Summe. Doch der Vertrag mit den EKZ läuft 2014 aus. Und noch ist offen, ob er verlängert wird. «Wir hoffen, dass wir weiter existieren können», sagt Blattmann. Die über 800 Anmeldungen für den Start der 100. Ausgabe am Sonntag in Buchs sind ihm Motivation genug, um weiterzukämpfen. Allerdings weiss auch Blattmann, dass der Radsport schon bessere Zeiten gesehen hat.

Zwar fand mit dem Aufkommen von Mountainbikes, BMX- und Trialvelos eine Diversifizierung statt. Doch dem ältesten Strassenrennen der Schweiz fehlt es an Nachwuchs: «Die jüngste Kategorie der unter Elfjährigen mussten wir mangels Anmeldungen absagen», sagt Blattmann. Auch bei den Kategorien U15, U17 und U23 hapere es mit den Anmeldungen. Zudem habe das Publikumsinteresse an Radrennen seit dem Aufkommen des Fernsehens stark nachgelassen.

Vorbei sind auch die Zeiten, als die Züri-Metzgete durch die Stadt Zürich führte und Live-Aufnahmen davon um die Welt gingen. Die Gebühren, die die Stadt verlangt, kann sich der Amateuranlass nicht leisten. «Andere europäische Städte führen selbst Velorennen durch, Zürich schickt einem Rechnungen», sagt Blattmann.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Um das Interesse an der Züri-Metzgete neu anzufachen, wird am Sonntag ein vielseitiges Rahmenprogramm geboten: Eine Gumpiburg für die Kinder, die neusten Velomodelle zum Bestaunen für die Radfreaks, 35 Feststände und ein Swimming Pool zur Abkühlung sind geplant. Zum Rahmenprogramm gehört auch ein Schülerrennen.

Blattmann gibt die Hoffnung nicht auf, dass die Züri-Metzgete, die schon viele Existenznöte überstanden hat, eine Zukunft hat. «Oberstes Ziel ist immer noch ein Profirennen», sagt der RVZ-Ehrenpräsident – und fügt an: «Aber nur mit gesicherten Finanzen.»

Das Buch «Züri-Metzgete. 100 x Meisterschaft von Zürich – der Radklassiker» von Martin Born, Walter Leibundgut und Peter Blattmann kann per Mail (buch@zueri-metzgete.ch) oder im Buchhandel bezogen werden.