Bis zu sechs illegale Freiluftpartys fanden im letzten Sommer jedes Wochenende in der Stadt Zürich statt. Aufgrund diverser Zwischenfälle veranlasste Polizeistadtrat Daniel Leupi (Grüne) einen Kurswechsel:

Statt polizeilich gegen die feiernden Gruppen vorzugehen, rief er diesen Frühling die sogenannte Jugendbewilligung ins Leben. Auf diesem Weg können Partyveranstalter zwischen 18 und 25 Jahren ihre Outdoor-Feste unkompliziert von der Stadt bewilligen lassen. Sie entgehen damit Konflikten mit der Polizei.

Ausserhalb Zürichs ist nicht die Stadt zuständig

Seit sechs Wochen gibt es diese neue Möglichkeit – und sie wird von den Jugendlichen genutzt, wie Patrick Pons, Sprecher des städtischen Schul- und Sportdepartements auf Anfrage sagt. Pons ist einer von drei Verantwortlichen, die sich um die Jugendbewilligung kümmern. Seit Ende April haben sie neun Gesuche für eine Partybewilligung erhalten. Daneben gingen rund 20 unverbindliche Anfragen zu den genauen Modalitäten ein.

Zum Teil haben auch Personen aus anderen Gemeinden um eine Bewilligung gebeten. Diesen habe er jeweils erklären müssen, dass für Partys ausserhalb Zürichs nicht die Stadt zuständig sei, sagt Pons.

Zwei Gesuche abgelehnt

Von den neun Gesuchen haben die Verantwortlichen vier gutgeheissen, drei sind noch in Bearbeitung. Zwei Anträge wurden abgelehnt: Das eine war eine Party der Juso, die unter der Kornhausbrücke hätte stattfinden sollen. «Der Ort ist ungeeignet, weil dort Anwohner übermässig gestört würden», sagt Pons.

Den zweiten Negativentscheid gab es, weil für die betreffende Party entgegen der festgelegten Kriterien offen auf Facebook geworben wurde. Von den vier bewilligten Partys hat allerdings nur die Hälfte wirklich stattgefunden. Die anderen zwei fielen dem schlechten Wetter zum Opfer. Abzuwarten bleibt, wie sich die Zahl der Partys entwickelt, wenn die Nächte noch wärmer werden.

«Die Jugendbewilligung findet in der Szene Anklang», sagt Pons. Ihn freut auch, dass sich die Jugendlichen bisher an die Regeln gehalten haben. Beide durchgeführten Partys verliefen friedlich und auch das Aufräumen danach hat geklappt.

«Ich bin überzeugt, dass wir die Leute dazu motivieren können, mit uns zusammenzuarbeiten.» Wo genau die Feste gestiegen sind und künftig steigen werden, will er nicht verraten. Denn die Partys sollen im geschlossenen Rahmen stattfinden und keine Schaulustigen anlocken.

Keine Krawallanten

Auffällig ist, dass Pons seit der Einführung der Jugendbewilligung von keiner einzigen illegalen Freiluftparty mehr gehört hat. Ob das eine mit dem anderen zusammenhängt, kann er noch nicht sagen. Es ist aber eine Tatsache, dass die meisten der heutigen Gesuchsteller in anderen Jahren illegale Partys durchgeführt haben.

Sie ziehen nun offenbar den legalen Weg vor. «Die Jugendlichen, die Outdoor-Partys feiern, sind nicht zu vergleichen mit jenen, die im letzten Herbst am Central Krawall gemacht haben», erklärt Pons. Es handle sich nicht um eine gewaltbereite Szene, sondern um junge Menschen, die gerne unter freiem Himmel ein Fest veranstalteten. «Sie sind froh, wenn sie dank der Bewilligung keinen Stress mit der Polizei haben», sagt Pons.

Das Projekt Jugendbewilligung befindet sich noch in der Pilotphase. Ende Sommer wollen die Verantwortlichen entscheiden, ob sie den Versuch weiterführen oder wieder abbrechen.