Plötzlich durchbricht stürmischer Applaus die Stille im Medienzentrum in Zürich. Im Beisein von Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) wurden soeben «Die Guten» an 17. Stelle gezogen. Die junge Mitte-Links-Partei verfolgt die Auslosung der Listennummern mit einer kleinen Delegation und feiert den an sich unspektakulären Akt. Erst nachdem alle blauen Los-Kugeln geöffnet und die 32 Platzierungen bekannt sind, weicht die Euphorie unter den jungen Politikern ein wenig. Einer der «Guten» sagt: «Na ja, mit der 17 sind wir praktisch in der Mitte des Bündels, ob das so gut ist?»

32 Listen sind im Kanton Zürich für die Nationalratswahlen gemeldet worden. Die ersten acht Listennummern waren gesetzt. Sie wurden jenen Parteien zugeteilt, die bereits im Nationalrat vertreten sind, und zwar gemäss ihrer Stärke. Die SVP erhält demnach die 1, die EVP die 8 (siehe Kasten). Die hinteren Listennummern werden im Kanton Zürich zugelost. Manche Kantone kennen diese Unterscheidung nicht oder vergeben die Nummern nach Eingang der Liste.

35 Sitze stehen dem Kanton Zürich im Nationalrat zu, gleich viele wie vor vier Jahren. Ob eine Partei Sitze gewinnt oder verliert, hängt laut Stephan Ziegler vom kantonalen Statistischen Amt kaum von der jeweiligen Listennummer ab. «Es gibt jedenfalls keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine hohe Nummer Nachteile respektive eine tiefe Nummer Vorteile bringt.»

Debora Zahn freut sich dennoch, dass ihre Jungen Grünen mit der Nummer 9 gleich hinter den Hauptlisten rangieren. «Eine einstellige Nummer, das ist ein zusätzlicher Ansporn im Wahlkampf», sagt sie. Aber es werde natürlich trotzdem schwierig, einen Sitz im Nationalrat zu erobern. «Wenn es unsere Spitzenkandidatin Selina Walgis schaffen würde, wäre das ein Traum.»

Eine Partei führt die Männerquote ein

Die 32 Listen sind zwar drei weniger als bei den letzten Nationalratswahlen. Dafür sind sie gut gefüllt. Das Feld ist mit 966 Kandidierenden so gross wie noch nie seit der Einführung des Frauenstimmrechts im Jahr 1971. Gegenüber 2015 (873) stieg die Teilnehmerzahl um 10 Prozent.

Auf 22 Listen sind alle 35 möglichen Felder mit Kandidierenden besetzt. «Vor vier Jahren war das nur bei 15 Listen der Fall», sagt Peter Moser vom Statistischen Amt. Es ist für die Durchführung der Wahlen zuständig. Moser verkündete noch einen weiteren Spitzenwert: Den Frauenanteil von 43 Prozent. 2015 lag er noch bei 35 Prozent.

Die CVP und die EVP haben Frauen-Listen eingereicht. Auch auf der Liste von Chrisoula Sarantidis beträgt der Frauenanteil 100 Prozent. Die Büroangestellte, die 2015 noch auf der Liste der EDU antrat, hat diesmal eine eigene eingereicht und tritt dort solo auf. Die Frauenquote hätte noch höher ausfallen können, wenn die «Guten» nicht auf die Bremse getreten wären. «Bei den Kantonsratswahlen betrug unser Frauenanteil 67 Prozent», sagt einer der Kandidierenden: «Wir haben deshalb eine Männerquote eingeführt.»

Die älteste Kandidatin ist 81 Jahre

Laut Peter Moser ist der Frauenanteil nicht nur bei den Unterlisten gestiegen, sondern auch bei den Hauptlisten der Nationalratsparteien. Auffallend sei, dass dort auch mehr Kandidatinnen auf den vorderen Plätzen aufgeführt sind. Im Durchschnitt seien diesmal auf den ersten fünf Listenplätzen gleich viele Frauen wie Männer anzutreffen. 2015 kamen die Frauen in dieser Statistik nur auf 40 Prozent.

Nur leicht gestiegen ist der Altersdurchschnitt, von 42 auf 43 Jahre. «Die Altersstruktur ist seit 1999 stabil», sagt Peter Moser. «Vor 1999 gab es ab und zu noch Kandidierende mit 90 Jahren und älter, das ist seit längerem nicht mehr der Fall.» Die älteste Kandidatin ist mit Jahrgang 1938 Helga Hetzer. Sie tritt für die Christlichsoziale Vereinigung an – wie Kathy Riklin, die amtierende CVP-Nationalrätin. Ihren Sitz will die CVP neu mit Kantonsrat Josef Wiederkehr besetzen.

Die GLP und die SVP gehen mit einer Seniorenliste ins Rennen. Bei der SVP führt der Anwalt und neue Kantonsrat Valentin Landmann die Liste 55plus an. Fast alle Nationalratsparteien treten zudem mit einer Liste ihres Nachwuchses an. 16 Kandidierende sind erst 18 Jahre alt. Das sind 11 mehr als 2015.

Ausgewertet hat das Team um Peter Moser auch die Herkunft der Kandidierenden. Dabei zeigt sich, dass ein Drittel aus Zürich kommt. Mit einem Anteil an Stimmberechtigten von 28 Prozent ist die Stadt damit eigentlich übervertreten. 8 Prozent der Kandidierenden sind aus Winterthur, das entspricht auch etwa dem Anteil der Stimmberechtigten. 58 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten wohnen ausserhalb von Zürich und Winterthur. Dieser Wert ist seit 20 Jahren konstant.

Unzählige Varianten stehen zur Verfügung

Das Statistische Amt hatte sogar berechnet, dass es undezillionen Möglichkeiten gibt, einen gültigen Wahlzettel auszufüllen. Das ist eine 67-stellige Zahl. «Gut, muss man nur einen ausfüllen», sagt Moser. Noch offen sind die Listenverbindungen. Die SVP wird sie wahrscheinlich mit der EDU eingehen, die SP mit den Grünen und der AL. Zudem werden wohl die Mitteparteien GLP, CVP, BDP und EVP ihre Listen verbinden. Verbindungen sind auch mit den jeweiligen Jung- und Seniorenlisten zu erwarten. Und die «Guten»? Die liebäugeln mit SP, Grünen, AL und den Piraten. Bis 26. August müssen die Verbindungen gemeldet werden. Zwischen dem 23. und dem 28. September sollten die Stimmberechtigten die Wahllisten erhalten.