«In Europa gibt es etwa hundert Bahnhofstrassen», hält die Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse fest und fährt selbstbewusst fort: «Weltberühmt geworden ist nur eine – die Zürcher Bahnhofstrasse.» Hier konzentrierten sich «Finanz und Wirtschaft, Eleganz und Exklusivität, Qualität und Vielfalt». Kaum ein Besucher Zürichs, der es versäume, an die Bahnhofstrasse zu gehen. Und Zürich Tourismus bestätigt: Die Bahnhofstrasse sei eine «weltbekannte Shopping-Meile».

Tatsächlich sind die Fussgängerströme hinauf und hinunter beachtlich, man hört viel Englisch, aber auch Araber und andere Touristen fallen auf. Die Bahnhofstrasse scheint ein Must zu sein.

Baustelle mit hohem Anspruch

Und nun wird sie auch noch schöner, wie die Stadt bekannt gibt. Zunächst freilich ist es bloss eine Baustelle mehr, die hier vor einem Juwelierladen, einem Geschäft für Bademode und einer amerikanischen Cafeteria für etwas Lärm sorgt: Arbeiter sind dabei, den Strassenbelag aufzufräsen, damit er ein Stück weit entfernt werden kann. Wie das Tiefbauamt mitteilt, ist diese Baustelle aber anders als alle anderen: Es geht nicht einfach um eine kommune Reparatur am Strassenbelag, sondern es handelt sich hier um ein Teststück für eine Aufwertung, die für die ganze Bahnhofstrasse vorgesehen ist.

Die Stadt will nämlich, wie der Sprecher des Tiefbauamts, Stefan Hackh, mitteilt, im Zuge der für 2014 terminierten Erneuerung der abgefahrenen Tramgleise auch gleich die Möglichkeit benutzen, die Attraktivität der Bahnhofstrasse zu steigern. Und zwar, indem man zum Beispiel die heutige Strassenentwässerung etwas eleganter gestaltet. Vorgesehen ist, dass das Wasser in Rinnen gesammelt wird, wo es ablaufen kann. Allerdings muss zunächst getestet werden, ob die Rinnen die Erwartungen erfüllen, ob sie das Wasser auch aufnehmen können und ob sie sich gut reinigen lassen.

Im gleichen Zug will die Stadt auch dafür sorgen, dass die Bäume entlang der Bahnhofstrasse wieder etwas bessere Lebensbedingungen erhalten. Die Pflanzflächen für die Bäume erhalten eine Abdeckung, die den Wurzelbereich vor starken Belastungen schützt und stabil genug ist, um von Lastwagen befahren zu werden.

Und drittens erhält die Bahnhofstrasse eine neue Beleuchtung, welche den höheren Erwartungen bezüglich Ästhetik und Energie entspricht. In einer Vorselektion hat sich die Stadt zunächst einmal für 3,7 Meter hohe Kandelaber mit einer modern anmutenden kreisförmigen Scheibe entschieden, wobei das reflektierte Licht gewisse Muster auf den Boden werfen wird. Experimentiert wird noch, welche Leuchtmittel sich als die energieeffizientesten entpuppen.

Sollten sich die in den nächsten vier Wochen entlang der Teststrecke vor den Häusern Bahnhofstrasse 33 bis 39 eingerichteten Elemente bewähren, ist vorgesehen, die ganze Bahnhofstrasse damit zu versehen. «Sie soll eine Ausstrahlung erhalten, die ihrer Bedeutung entspricht», betont Stefan Hackh.

Ohne Ausbau der Fussgängerzonen

Nicht vorgesehen ist, dass auch jetzt schon die mit dem Verkehrskonzept Innenstadt im Januar 2011 skizzierten Neuerungen, welche an der Bahnhofstrasse eine Ausdehnung der Fussgängerzonen vorsieht, umgesetzt werden. «Die Umsetzung des Verkehrskonzepts hat mit diesen Neuerungen jetzt nichts zu tun», hielt Hackh fest.

Ferner ist vorgesehen, dass mit der Auswechslung der Tramgleise auch die drei Tramhaltestellen Bahnhofstrasse, Rennweg und Börsenstrasse mit höheren Haltekanten versehen werden, damit man mit dem Rollstuhl ohne Mühe in das Niederflurtram gelangen kann. Die Stadt hat sich mit der Behindertenkonferenz auf einen Kompromiss geeinigt. Dieser lautet, dass die Haltestellen Bahnhofstrasse und Börsenstrasse auf der ganzen Länge auf 30 Zentimeter erhöht werden, beim Rennweg hingegen gibt es ein erhöhtes Kissen, welches auf ein paar Metern das behindertengerechte Ein- und Aussteigen durch die drittvorderste Tür des Cobratrams erlaubt. Die Stadt hatte sich gegen eine Erhöhung des Trottoirbereichs auf der ganzen Länge der Haltestelle gewandt, um das Queren der Bahnhofstrasse in diesem Bereich nicht zu erschweren.