Imbissstände 
Die Wurst geht in die Verlängerung

Aufschub für die beiden Wurststandpächter am Bellevue. Sie müssen ihre Buden nicht schon dieses Jahr schliessen, sondern dürfen bis 2019 bleiben. Der Kanton hat das Konzessionsgesuch der Stadt bewilligt

Thomas Schraner
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Er hat über die Region Zürich hinaus Schlagzeilen gemacht: der 72-jährige Gaetano Prati und seine Familie, die schon seit 33 Jahren den Wurststand «Imbiss Riviera» an der Limmat bei der Quaibrücke betreiben. Weil solche Wurststände nicht unbedingt ins Bild eines durchgestylten Seebeckens passen, wollte die Stadt den Stand ursprünglich schon Ende September dieses Jahres weghaben. Doch die Familie sammelte Unterschriften dagegen und stiess auf erstaunlich viel Sympathien. Sogar die zerstrittenen Stadtparteien stellten sich mit einem gemeinsamen Vorstoss schützend vor sie.

Schliesslich gab die Stadt nach und zeigte sich Ende 2015 bereit, Prati drei Jahre Aufschub bis Ende September 2019 zu gewähren. Dazu benötigte sie die Zustimmung des Kantons, denn die kantonale Konzession läuft Ende 2016 aus (Kasten). Unterdessen liegt die beantragte Verlängerung vor, wie Dominik Bonderer, Sprecher der Baudirektion, auf Anfrage sagt. Prati darf nun seinen Imbissstand an der Riviera mindestens drei weitere Jahre betreiben. Wie es dann weitergeht, ist allerdings offen. Der Aufschub gilt übrigens auch für einen zweiten Pächter, der gleich neben der Quaibrücke am rechten Seeufer ebenfalls einen Wurststand betreibt. Auch er ist langjähriger Pächter, beteiligte sich aber nicht an Pratis Unterschriftensammlung. Pächter Nummer zwei hat einen weiteren Wurststand bei der Schiffsstation am Bürkliplatz.

Die Familie Prati zeigt sich natürlich erleichtert über die Verlängerung. Vom Stadtrat ist sie aber ermahnt worden, am Standplatz keine grossen Investitionen mehr zu tätigen, denn sie könnten für die Katz sein. Dennoch hoffen die Pratis, dass 2019 nicht definitiv Schluss ist. «Die Stadt hat uns mitgeteilt, dass wir uns wieder als Pächter bewerben können, sollte es hier doch wieder einen Verpflegungsstand geben», sagt Claudia Prati. Die 28-jährige Tochter des Gründers fungiert mittlerweile als Geschäftsführerin des Standes. Sie kommt besser zurecht mit den Behörden als ihr Vater, der noch immer Mühe mit Deutsch hat. Dass sie sich zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Vater dereinst wieder bewerben will, ist für sie keine Frage.

Kein Bonus für Bisherige

Kuno Gurtner, Sprecher der städtischen Liegenschaftenverwaltung, bestätigt den Sachverhalt auf Anfrage. Käme es zur Neuausschreibung, habe Prati als Bisheriger allerdings nicht à priori einen Bonus. Alle Bewerber würden gleich behandelt. Falls er aber bei einer allfälligen Bewerbung sein Know-how und seine speziellen Ortskenntnise in die Waagschale legen könne, sei dies sicher kein Nachteil.

Die Familie Prati betreibt ihren Stand ganzjährig und steht nun vor ihrer 34. Sommersaison. Tochter Claudia, die eine kaufmännische Ausbildung mit Weiterbildung im Personalwesen absolviert hat, ist seit 15 Jahren intensiv im Geschäft. Schon als Baby sei sie im Wurststand ein- und ausgegangen. Wie ihr Vater steht sie fast täglich hinter der Theke, grilliert Würste und verkauft. Die Passantenlage in Seenähe sei zwar hervorragend, «aber reich wird man mit einem Imbissstand trotzdem nicht», sagt sie lachend. Ist ihr das Wurstbraten nicht langsam verleidet? «Der Job ist streng, aber ich mache ihn gern», versichert sie. Jeder Tag sei anders, sie schätze den Kontakt mit Kunden, darunter Familienfreunde und Stammkunden. Wurst esse sie selber allerdings nicht mehr: «Ich bin Veganerin geworden», sagt sie leicht verlegen. Gegen Fleischesser habe sie aber nichts. Sie habe mit Fleisch vor allem aus Solidarität zu ihrer letztes Jahr verstorbenen Mama aufgehört, die krankheitsbedingt kein Fleisch mehr habe essen wollen.

Mit Veganismus kann ihr Vater, der aus Sizilien stammt, nicht viel anfangen. Er schwört auf die Spezialität des Hauses: Ein Salsiccia mit Fenchel, die er nach eigenem Rezept von der Hausmetzgerei herstellen lässt. «Das Rezept stammt von meiner Grossmutter» erklärt Prati stolz. Er ist überzeugt, die beste Wurst der ganzen Stadt im Angebot zu haben.