Bildungsdirektorin Regine Aeppli leitet daraus ab, dass vor allem der sprachlichen Förderung benachteiligter Kinder ein noch grösserer Stellenwert zukommen soll. «Es muss uns gelingen, alle Kinder ihren Potenzialen gemäss zu fördern», sagte sie.

«Zwischen der vierten und sechsten Klasse öffnet sich die Schere zwischen den Leistungsstarken und den Leistungsschwachen», hielt Urs Moser, Leiter des Instituts für Bildungsevaluation der Universität Zürich, bei der Präsentation des Berichts fest.

Lehrplan 21 soll Lernziele klarer fassen

Regierungsrätin Aeppli meinte, einzelne Resultate der Studie seien recht ernüchternd. Positiv zu werten sei sicher, dass die grosse Mehrheit der Schülerinnen und Schüler am Ende der sechsten Klasse das vom Lehrplan vorgegebene Ziel erreiche. Anderseits sei es auch eine Tatsache, dass in Deutsch und in Mathematik je etwa ein Sechstel die Anforderungen nicht erfüllen. «Sowohl die leistungsstarken Kinder zu fordern als auch die leistungsschwächeren weiterzubringen, ist für Lehrpersonen eine grosse Herausforderung», meinte sie.

Bildungsdirektorin Regine Aeppli zur Lernstandserhebung

Regine Aeppli zur Lernstandserhebung

Ein weiteres Ergebnis aus der Studie ist, dass Schülerinnen und Schüler aus sozial schwächeren Familien sowie Kinder, die Deutsch als Zweitsprache gelernt haben, tendenziell weniger gut benotet werden als Kinder aus privilegierten Verhältnissen und mit Deutsch als Muttersprache. Um nicht gerechtfertigte Beurteilungen möglichst auszuschalten, wird nach Aepplis Worten der in Ausarbeitung begriffene Lehrplan 21 die Lernziele klarer fassen. Ausserdem würden darauf abgestimmte Instrumente entwickelt, mit denen die Leistungen der Schüler objektiver beurteilt werden könnten.

Wichtig beim Übertritt ins Gymi

Die objektive Beurteilung der Leistungen ist besonders beim Übertritt in die Sekundarstufe wichtig. Heute kommen bei gleicher Leistung Schülerinnen und Schüler aus privilegierten Verhältnissen deutlich öfter ins Gymnasium als solche aus weniger guten Verhältnissen. Moser interpretierte: «Wer über viel Bildung verfügt, setzt alles daran, dass auch seine Kinder über viel Bildung verfügen.» Nötigenfalls finanzieren diese Eltern privaten Zusatzunterricht. Wer einen solchen Vorbereitungskurs besucht hat, auch das zeigt die Erhebung, hat tatsächlich etwas bessere Chancen, um ins Gymnasium aufgenommen zu werden.

Um die Übertrittsproblematik zu entschärfen, lässt der Kanton Zürich einen standardisierten Vergleichstest entwickeln, der die Gesamtbeurteilung am Ende der sechsten Klasse ergänzen soll. Abgesehen davon studiert man auch an der Möglichkeit herum, von Staates wegen GymiVorbereitungskurse anzubieten. Wie Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamts, sagte, ist es möglich, die Vorbereitung auf die Gymiprüfung entweder in der normalen Schulzeit durchzuführen, sie als halbjähriges Freifach anzubieten oder als Zusatzkurs nach den normalen Schulstunden. Dann aber brauchte es eine neue gesetzliche Grundlage, um die Gemeinden dazu zu verpflichten, solche Kurse anzubieten.

Ausserdem stimmt Aeppli der Umstand zuversichtlich, dass in vermehrtem Mass Ausländer mit gutem Bildungshintergrund zugezogen seien. In gewissen Stadtzürcher Schulkreisen, aber auch in Regensdorf oder Schlieren stelle man fest, dass mit zunehmendem Bildungsgrad der Eltern auch die schulischen Leistungen der Klassen deutlich anstiegen.