Kunstmärkte sind dazu da, eher unbekannten Künstlern, die erschwingliche Kunst anbieten, eine Verkaufsplattform zu bieten. Aber nicht nur für die Demokratisierung der Kunstszene sind sie gut, sie ermöglichen Kunstinteressierten auch ein persönlicheres Kauferlebnisses.

Die Nischenform im Kunsthandel erlebt gerade einen Aufschwung. Diese Woche lanciert der Zürcher Kulturmarkt, ein Veranstaltungshaus mit Restaurant im Kreis 3, seinen zweiten Kunstmarkt «Schauwerk».

Der Veranstalter konzentriert sich dabei auf zweidimensionale Kunst: Lithografien, Bilder, Fotografien. Vor allem aber muss die Kunst erschwinglich sein, wie Dieter Sinniger, Geschäftsleiter des Kulturmarkts, sagt: «Deshalb setzen wir eine Preisobergrenze von 600 Franken pro Kunstwerk.» An der ersten Ausgabe des Markts im vergangenen Jahr wurde dieser Preis sehr selten gefordert, deshalb erscheine die Marke als sinnvoll.

Und weil der letztjährige Kunstmarkt von Besuchern «quasi überrannt wurde», wie Sinniger sagt, startet die Plattform kommende Woche in die zweite Runde. «Kunstwerke in ihrer Echtheit anschauen und den Künstler kennenlernen zu können, scheint einen Nerv zu treffen», so Sinniger. Dieser Auffassung ist auch Alexandra Scherrer, Mitgründerin des Schlieremer Start-ups Artiazza, einer Kunst-Onlineplattform, die Kunst von Newcomer-Künstlern zu erschwinglichen Preisen anbietet.

0815-Bilder? Nein, danke

Dass sich diese noch unbekannten Künstler auf diversen Kanälen, sei es auf der Online-Plattform oder auf den Social-Media-Kanälen präsentieren könnten, sei eine grosse Chance für sie, genauso wichtig sei aber auch, die Offline-Präsenz nicht zu vernachlässigen, sagt sie.

So hat die Jungfirma im Frühling mit ausgewählten Künstlern am Pop-up-Market deren Kunst unter die Leute gebracht. Auch an der kürzlich durchgeführten Art Talents im Zürcher Tanzwerk waren Künstler vertreten, die über Artiazza ihre Kunst vertreiben. Solche Kunstmärkte seien für Verkäufer wie Käufer gleichermassen attraktiv, sagt Scherrer: «Der Individualisierungs-Trend in der Gesellschaft führt dazu, dass kaum noch jemand 0815-Bilder von Ikea zu Hause an der Wand hängen haben will.»

Der persönliche Kontakt zum Künstler komme bei den Kunstinteressierten besonders gut an. Zudem eignen sich Kunstmärkte auch für weniger internetaffine Käufer, da insbesondere diese die Kunstwerke vor dem Kauf noch in echt sehen möchten.

Zudem zeichnen sich laut Sinniger die Besucher von Kunstmärkten durch eine grosse gestalterische und ästhetische Affinität aus: «Bei uns wird aber nicht nur herumgestöbert. Die Künstler konnten im letzten Jahr einige Verkäufe verbuchen.» Zudem würden Kunstmärkte wie temporäre Galerien fungieren: «Künstler benötigen dadurch keinen dauerhaften Ausstellungsort und sparen so teure Lokalmieten», sagt Scherrer.

Genau dies ersparen sich Künstler auch, wenn sie auf der im Frühling lancierte Plattform von Artiazza ihre Fotografien und Malereien vertreiben. Sinniger sieht in beiden Kanälen – dem Internet und dem Greifbaren – für den Kunstbereich einen Bedarf: «Die Echtheit und Wirkung eines Kunstwerkes aber erfährt man immer erst, wenn man davor steht. Ein Bildschirm erzielt niemals die gleiche Wirkung», sagt er.

Laut Scherrer gibt es bei der Durchführung von Kunstmärkten aber auch Tücken: «Ausstellende Künstler für einen solchen Anlass sind meist einfacher zu gewinnen als Besucher.» Zwar machten die teilnehmenden Künstler Werbung für solche Ausstellungen, doch das reiche nicht aus: «Damit solche Märkte auch in Zukunft bestehen, müssen sie intensiv sowohl online als auch offline beworben werden.»

Kunstmarkt Schauwerk: Samstag, 11. November, 13 bis 20 Uhr, Kulturmarkt, Aemtlerstrasse 23, 8003 Zürich