Energie

Die Windkraft ist im Aufwind - Auch im Kanton Zürich

Mit der Revision des Energiegesetzes können Windparks an Orten entstehen, die bisher Tabu waren. (Archivbild)

Mit der Energiestrategie 2050 des Bundes wird auch in Zürich der Bau von grösseren Windkraftanlagen möglicher.

37 Grosswindenergieanlagen gibt es derzeit in der Schweiz – keine einzige davon steht im Kanton Zürich. Der Ausbau der Windenergie ist einer der Mosaiksteine der Energiestrategie 2050. Bis ins Jahr 2025 rechnet das Bundesamt für Energie mit rund 100 Anlagen, bis 2050 sollen es sogar 800 bis 900 werden. Die aussichtsreichsten Standorte für Schweizer Windparks liegen ausserhalb des Kantons Zürich, beispielsweise auf den Jurahöhen sowie in den Alpen und Voralpen. Aber auch innerhalb des Kantons gibt es Standorte, die sich für den Bau von grossen Windkraftanlagen eignen könnten.

«Gross» ist dabei wörtlich zu verstehen: Inklusive Rotorblätter sind aktuelle Anlagen teilweise über 200 Meter hoch. Tendenziell gilt: je höher, desto besser, da die durchschnittliche Windgeschwindigkeit mit der Höhe steigt. Bereits 2014 veröffentlichte der Kanton Zürich eine Windpotenzialstudie.

Trotz nicht idealer Windverhältnisse und zahlreicher einschränkender Faktoren kam die Studie zum Schluss, dass es im Kanton Zürich einige Standorte gibt, die für den Betrieb von Windkraftanlagen geeignet wären, beispielsweise der Cholfirst an der Grenze zu Schaffhausen, die Hügel um Madetswil, Gündisau, Hittnau und Bäretswil sowie den Hügelzug im Zürcher Oberland westlich der Flüsse Töss und Jona. Gemäss der Studie ist längerfristig mit etwa vier bis sechs Grosswindanlagen zu rechnen, die tatsächlich realisiert werden könnten.

An geschützten Orten bauen

Sowohl innerhalb wie ausserhalb des Kantons Zürich gibt es zahlreiche Standorte mit günstigen Windverhältnissen, die sich in Schutzzonen befinden. Die Revision des Energiegesetzes, die am vergangenen Sonntag mit deutlicher Mehrheit angenommen wurde, bringt in diesem Punkt eine Änderung: Der Bundesrat kann Windparkprojekten unter bestimmten Umständen ein «nationales Interesse» zuerkennen.

Dadurch würde der Bau von Anlagen an Orten möglich, die bisher Tabu waren, beispielsweise in einem BLN-Gebiet (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung). Laut Wolfgang Bollack, Mediensprecher der Zürcher Baudirektion, trifft dies beispielsweise auf das BLN-Gebiet Hörnli-Bergland zu. Das Schutzgebiet erstreckt sich östlich der Töss von Hofstetten bis Fischenthal. Gemäss der Windpotenzialstudie gibt es innerhalb des Schutzgebiets Standorte, welche die Voraussetzungen für grössere Anlagen erfüllen. Konkrete Absichten für die Planung eines Windparks in der Region sind derzeit keine bekannt.

Allerdings gab es in der Nähe des Schutzgebiets in den vergangenen Jahren Abklärungen für einen Windpark. Auf dem bei Bäretswil gelegenen Stüssel sollten drei bis fünf Windturbinen errichtet werden. Das Vorhaben stiess jedoch von Anfang an auf Widerstand. Bereits der Bau eines temporären, rund 90 Meter hohen Windmessmasts wurde juristisch bekämpft. Vor rund einem Jahr unterlag die Windparkfirma, die das Projekt vorantreiben wollte, vor Baurekursgericht.

Ebenfalls in einem sehr frühen Stadium befinden sich die Abklärungen auf dem Höhenzug Cholfirst ganz im Norden des Zürcher Weinlands. Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) haben dort in einer Waldlichtung auf dem Gebiet der Gemeinde Laufen-Uhwiesen eine sogenannte Lidar-Messung (light detection and ranging) durchführen lassen. Dabei werden die Windverhältnisse mittels Lichtwellen ausgewertet. Wie eine Sprecherin der EKZ auf Anfrage mitteilte, sei die Auswertung der Daten noch nicht abgeschlossen.

Bund sieht mehr Potenzial

Mit Blick auf die langwierigen Planungs- und Bewilligungsverfahren dürfte es also noch einige Jahre dauern, bis sich in Zürich die ersten grossen Windräder drehen. «Für den Kanton Zürich ist die Nutzung lokaler erneuerbarer Energien weiterhin erwünscht», sagt Bollack. Bei der Nutzung von Windenergie sei zu beachten, dass diese im Tages- und Jahresverlauf Schwankungen unterliege und daher nur bedingt zur Verbesserung der Versorgungssicherheit beitrage.

Beim längerfristigen Potenzial der Windenergie im Kanton Zürich gehen die Erwartungen des Kantons und des Bundes übrigens auseinander. Im Konzept Windenergie des Bundes wird ein Potenzial von 40 bis 180 Gigawattstunden pro Jahr genannt. Die kantonale Energieplanung hingegen geht von lediglich 20 Gigawattstunden aus. Laut Bollack «ein geringer Beitrag bei einem jährlichen Strombedarf von rund 9000 Gigawattstunden».

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