Eine der grössten und langlebigsten Hausbesetzungen Zürichs ist Geschichte: Die rund 50 Binz-Besetzer haben das Fabrikareal an der Üetlibergstrasse Ende letzter Woche fristgerecht verlassen. Einige hatten seit 2006 dort gewohnt, gearbeitet und mit Hunderten Besuchern Feste gefeiert. Am Montag gab die Polizei das Areal für Aufräumarbeiten frei. Das Nachspiel hat begonnen.

Kanton prüft rechtliche Schritte

Sechs Arbeiter einer Rückbau-Firma sind damit beschäftigt, Sperrmüll und Unrat fein säuberlich getrennt zu entsorgen. Das Areal gehört dem Kanton Zürich. Die Kosten für die Aufräumarbeiten dürften die Kaution von 20 000 Franken, die die Besetzer hinterlegten, um ein Mehrfaches übersteigen, wie Thomas Maag, Sprecher der kantonalen Baudirektion, bei einer Arealbegehung am Mittwoch sagte. Nach Einschätzung des Bauleiters wird der Betrag aber deutlich unter 100 000 Franken liegen. Der Kanton prüft laut Maag rechtliche Schritte, um zu vermeiden, dass die Kosten zulasten der Steuerzahler gehen.

Thomas Maag von der Zücher Baudirektion überwältigt vom Ausmass des Abfalls auf dem Binz-Areal

Thomas Maag von der Zücher Baudirektion überwältigt vom Ausmass des Abfalls auf dem Binz-Areal

«Die Aufräumarbeiten brauchen mehr Zeit, als wir geplant hatten», so Maag. Er rechnet mit zwei bis drei Wochen. Die Besetzer hinterliessen Barrikaden aus Sperrmüll. Bei manchen Treppen trennten sie die untersten Stufen ab. In der Küche stehen noch Essensreste von der letzten Party. In der Haupthalle der ehemaligen Metallgiesserei platzierten sie einen kunstvoll gestalteten Früchtekorb nebst einer rund zwei Meter hohen Weinflasche mit der Aufschrift: «Auf einen prickelnden Abriss auf Vorrat.» Einige Schlaf- und Atelierräume sind leergeräumt. Die Besetzer sind weitergezogen in das Koch-Areal in Zürich Altstetten, das schon vor der Binz-Räumung besetzt war. Es gehört der UBS.

Auf dem Binz-Areal sollen ab nächstem Frühling 330 günstige Studios für Studenten und Unispitalpersonal entstehen. Von einem «Abriss auf Vorrat» kann aber laut Maag keine Rede sein. Bis die alten Fabrikgebäude abgerissen werden können, sei nämlich noch viel zu tun.

Nach den Aufräumarbeiten folgt eine Asbestsanierung. Sie dürfte laut Maag einen Monat dauern. Anschliessend müssten 3500 Tonnen Erdreich gesäubert werden, da das Areal mit Schwermetallen belastet sei. «Um unnötige Lastwagenfahrten zu vermeiden, sind diese Arbeiten vor Ort geplant», so Maag. Dazu brauche es aufwändige Installationen auf dem Areal. Die Altlastensanierung dürfte ein halbes Jahr dauern. Danach übergebe der Kanton das Areal an die Stiftung Abendrot, die dort bauen will.

Dass die Besetzer das Areal kampflos verliessen, war nicht unbedingt zu erwarten. Im März hatten sie noch mit einer nächtlichen Grosskundgebung, die in Randale ausartete, gegen die drohende Räumung protestiert. Dass die Stadt respektive Zürichs neuer Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) hinter den Kulissen den Umzug ins Koch-Areal vermittelt hätte, bestreitet Polizeidepartements-Sprecher Reto Casanova. Auch der Kanton vermittelte laut Maag nicht. «Aber wir sind sehr froh, dass es friedlich abgelaufen ist», so der Baudirektionssprecher. Der Müll, den die Besetzer hinterliessen, sei jedoch «ein grosses Ärgernis».