Zürich
Die Volksinitiative «Freier Sechseläutenplatz» weckt viele Ansprüche

Bei einem Ja zur Volksinitiative «Freier Sechseläutenplatz» dürfte es vorbei sein mit Knie und Weihnachtsmarkt, sagt Stadtrat Filippo Leutenegger.

Von Thomas Marth
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Der neu gestaltete Sechseläutenplatz vor dem Opernhaus in Zürich.

Der neu gestaltete Sechseläutenplatz vor dem Opernhaus in Zürich.

Patrick Gutenberg

Der Vereinigung Bellevue-Stadelhofen läuft es gut, betonte ihr Präsident Rudolf Andres von der Apotheke Stadelhofen an der gestrigen Generalversammlung. Die Zahl der Mitglieder steigt. Anders als auch schon ist das Verhältnis zwischen Gewerbetreibenden und Behörden gut. Momentan mangelt es jedoch auch an Streitobjekten. 2016 sei nach acht Jahren wieder das erste Jahr ohne Grossbaustelle im Quartier gewesen, hielt Andres fest – um gleich auf kommende grosse Bauvorhaben hinzuweisen: den Abriss des Café Mandarin für einen Calatrava-Bau mit unterirdischer Velo-Station und Büros ab Januar 2018 sowie die dreijährige Sanierung der Bellerivestrasse ab 2019.

Eine der früheren Grossbaustellen war der Sechseläutenplatz. Er erhielt einen eleganten Belag aus Quarzitplatten, das Resultat stösst allseits auf Wohlgefallen. Mit den Stühlen, welche die Stadt aufstellen liess, ist er ein beliebter Aufenthaltsort geworden – so sehr, dass die Zahl der Stühle nun auf den Sommer hin erhöht wird. Dies teilte gestern Stadtrat Filippo Leutenegger mit, der als Gast an der GV teilnahm. Nebenbei erwähnte er, dass man auch den renovierten Münsterhof mit Stühlen versehen werde.

Zu viele Veranstaltungen

Beliebt ist der Sechseläutenplatz auch bei Veranstaltern. Die Vermietung regelt die Stadt. 2014, als der Platz pünktlich aufs Sechseläuten hin eröffnet worden ist, war er an 163 der verbleibenden Tage dieses Jahres für Veranstaltungen und Events gebucht. Das sei viel zu viel gewesen und der Stadtrat habe das auch eingesehen, sagte Leutenegger. 2015 habe es noch Belegungen an 135 Tagen, 2016 an 138 Tagen gegeben. 2017 bewege sich im selben Rahmen.

Politisch wirkt 2014 gleichwohl nach – in Form der Volksinitiative «Freier Sechseläutenplatz». Sie war als Reaktion auf den damals oft verstellten Platz eingereicht worden und verlangt eine Reduktion der Belegungen auf 65 Tage im Jahr. Ausserdem sollen die Veranstaltungen gratis sein (ausser bei Zirkus-Gastspielen).

Heute Abend findet die Knie-Premiere in Rapperswil statt - vom 4. Mai bis 5. Juni kann man die Vorstellung auch auf dem Sechseläutenplatz geniessen. Hier ein paar Impressionen vom letzten Jahr:

Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung
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Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung
Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung
Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung
Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung
Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung
Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung
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Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung
Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung
Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung

Impressionen von der neuen Knie-Vorstellung

KEYSTONE/WALTER BIERI

Präsident des Initiativkomitees ist Samuel Hug, Sozialwissenschaftler, Berufsschullehrer Psychiatriepflege und SP-Mitglied. Er erklärte den GV-Teilnehmern, was ihm wichtig ist: «Ein Ort, an dem sich Leute freundlich begegnen. Ein Ort, an dem man sich trifft.» In kürzester Zeit habe sich der neue Sechseläutenplatz genau dazu entwickelt – wenn er nicht gerade anderweitig belegt sei. Der offene Raum und die Weite seien einmalig für Zürich. Der Sechseläutenplatz biete die Kulisse für ein Zürcher Lebensgefühl. Mit Bildern von ihm lasse sich werben für die Stadt. Daher liessen sich Zürcher Politiker auch gerne auf ihm ablichten – stets dann, wenn er nicht verstellt sei.

Wenig hält Hug vom Gegenvorschlag des Stadtrats, der gerade im Gemeinderat vorberaten wird. Er schlägt ein Maximum von 125 Tagen vor. Unentgeltlichkeit soll gemäss ihm kein Muss sein. Zudem sollen Belegungen, die lediglich den halben Platz betreffen, nur als halber Tag zählen. Darunter würde etwa das Filmfestival fallen, das jeweils 19 Tage lang den vorderen Teil des Platzes beansprucht.

Filippo Leutenegger.

Filippo Leutenegger.

desiree good

Aber auch so müsste der Veranstaltungskalender ausgedünnt werden gegenüber dem geltenden Stadtratsreglement. Dieses legt 185 Tage pro Jahr fest, worin auch 10 Tage für das nur alle drei Jahre stattfindende Züri Fäscht enthalten sind, zudem 30 Tage für einen Herbstzirkus. Ein solcher hat in den letzten Jahren aber nicht angeklopft. Der Grund dafür dürfte die hohe Platzmiete sein.

Um auf 125 Tage zu kommen, skizzierte Leutenegger mögliche Kürzungen: Knie 34 Tage (bisher 36 Tage), Weihnachtsmarkt 44 (48), wechselnde Veranstaltungen 10 (20); auf einen Herbstzirkus wäre zu verzichten. Das wäre wohl knapp machbar, sagte Leutenegger. Bei einem Ja zur Initiative sagte er voraus, dass es dann vorbei sein dürfte mit Knie und Weihnachtsmarkt. Zumal ja auch die Auf- und Abbautage zählten.

Verbandspräsident Andres sagte, man sei zufrieden mit der geltenden Regelung. Für den Fall, dass Nutzungen gegeneinander abzuwägen sind, hielt er fest, dass ein Zirkus als abgeschlossene Veranstaltung für das Gewerbe am wenigsten interessant sei. Am Weihnachtmarkt hingegen hat man grosse Freude. Er habe sich erfreulich entwickelt, wurde in mehreren Voten festgehalten. Die Frequenz sei gut, sehr schöne Fotos hätten ihren Weg in die Medien gefunden.