Willy Spieler, der heute mit seiner Partnerin, einer Malerin, in Zürich wohnt, hat schon immer gerne politisiert. Das rote Parteibüchlein freilich war ihm nicht schon in die Wiege gelegt worden. Sein Grossvater war Gründer der Katholischen Volkspartei im Kanton Glarus und dort auch der erste Regierungsrat dieser Partei.

Zur SP kam er erst mit 28 Jahren, nachdem er zunächst noch im Schweizerischen Studentenverein mitgemacht und diese «Kaderschmiede des politischen Katholizismus» sogar ein Jahr lang, nämlich 1961/62, präsidiert hatte. Dass gewisse Leute den katholischen Glauben dafür einsetzten, um ihre Machtspielchen zu treiben, hatte ihn bewogen, sich der Linken anzuschliessen.

Später dann kam er mit den Ideen des Theologen Leonhard Ragaz in Kontakt, der 1906 die Zeitschrift «Neue Wege» gegründet hatte. Spieler leitete diese «Zeitschrift des religiösen Sozialismus» während 30 Jahren, von 1977 bis 2007, er verfasste selber eine grosse Anzahl Artikel.

In der «Goldküstengemeinde» Küsnacht wohnhaft, engagierte er sich zunächst in der Grossen Planungskommission und wurde – für einen linken SP-Politiker in dieser Gegend eher ungewöhnlich – in die Gemeindeexekutive gewählt, wo er den Bereich des Sozialen übernahm. «Man muss nicht in erster Linie darauf achten, was er schreibt, sondern was er tut», meinte der freisinnige Finanzvorstand Martin Neuenschwander.

Kompromisse für Mehrheiten

Was er tat, war offenbar mehrheitsfähig. «Mir war klar, dass man in Küsnacht nicht die Weltrevolution ausrufen konnte», gibt er lachend zu verstehen. Und selbstkritisch meint er: «Man kann sich natürlich immer fragen, ob man genug getan hat.» Doch der Bau einer Genossenschaftssiedlung, der Ausbau einer Kinderkrippe und zweier Altersheime, die massive Aufstockung der Gemeindezuschüsse zur Sozialversicherung und anderes mehr gehören zu seiner Leistungsbilanz.

1991 wurde er in den Kantonsrat gewählt, und fünf Jahre später wählten ihn die SP-Mitglieder zum Fraktionschef. «Ich bleibe bei klaren Positionen», hatte er damals erklärt. Man wisse ja, dass er dem linken Flügel zugehöre, aber wenn es darum ging, Mehrheiten zu finden, konnte er auch Kompromisse eingehen. Aus ideologischen Gründen mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, war nicht sein Ding.

So kam es denn auch, nachdem sich die SVP immer mehr zu einer Neinsager-Partei entwickelt hatte, zur so genannten Koalition der Vernunft mit der FDP, als sich die SP unter gewissen Bedingungen zur Rettung des Kantonsbudgets bereit erklärte und so zum Beispiel erreichte, dass die Verbilligung der Krankenkassenprämien über den vom Regierungsrat vorgeschlagenen Prozentsatz hinaus angehoben wurde.

Zusammen mit den Jusos

Schon bei seinem Rücktritt vom Amt des Fraktionschefs 2001 gab er zu verstehen, er wäre gerne bei der Ausarbeitung eines neuen Parteiprogramms für die SP dabei, und tatsächlich erhielt er vom damaligen Parteipräsidenten Hans-Jürg Fehr den Auftrag, den visionären Teil des Parteiprogramms in Angriff zu nehmen. Zur Gruppe, welche den Auftrag ausführte, gehörte auch der jetzige Juso-Chef Cédric Wermuth.

Dabei zeigte es sich bald, dass der altbewährte religiöse Sozialist Spieler und der Jungsozialist Wermuth erkannten, dass sie gleiche oder ähnliche Ziele vertraten. «Es bedeutet für mich eine Ermutigung, wenn ich sehe, dass die Jungen unabhängig von meinen Überlegungen zu denselben Schlüssen kommen», erklärt Spieler.

Keine Gefahr einer Spaltung

Und so freut es ihn natürlich, dass die Forderung nach einem garantierten Mindesteinkommen für alle, ob sie nun einer bezahlten Arbeit nachgehen oder eine andere Arbeit leisten, ins Parteiprogramm Eingang gefunden hat. Auf die konkrete Erwähnung des Ziels, der Kapitalismus müsse überwunden werden, hätte er auch verzichten können, wichtiger sei ja wohl, dass man positiv formuliere, die SP arbeite auf die Wirtschaftsdemokratie hin. Und dass die Armeeabschaffung ins Programm Eingang gefunden hat, ist ihm, dem erklärten Pazifisten, natürlich auch recht.

Eine Gefahr der Parteispaltung sieht er, was auch immer Parteiexponenten sagen, nicht. Er habe zwar gehört, dass es Parteiaustritte gegeben habe, aber auch, dass die Neueintritte zahlenmässig überwiegen.

Wenn es jetzt dazukommt, das Parteiprogramm umzusetzen, wird Willy Spieler gerne wieder vorne mit dabei sein.