Am Zürcher Stadtspital Triemli ist es schon vorgekommen, dass Frauen, die dort gebären wollten, abgewiesen worden sind, weil kein freies Bett mehr zur Verfügung stand. Sie fanden dann im Universitätsspital Aufnahme. «Wir machen es immer möglich, dass aufgenommen wird, wer an unsere Türen klopft», erklärt Regula Jenzer Bürcher. Das gelte generell, aber natürlich auch für die Geburtenabteilung, die gerade in letzter Zeit etwas erweitert worden sei, weil die Zahl der Geburten steige.

«Es gibt Zeiten mit sehr starker Belastung», sagt sie, das zeige sich schon daran, dass die durchschnittliche Bettenbelegung bei 90 Prozent liege. Dazu gehöre, dass die Anzahl der Patienten, die als Notfall Aufnahme finden, nicht gross gesteuert werden könne.

Was der Ende Januar kommunizierte Abbau von 130 bis 150 Stellen am Universitätsspital für die Pflege bedeute, konnte Regula Jenzer noch nicht beantworten. «Die Gespräche sind im Gang», war das Einzige, das ihr zu entlocken war.

Guter Ruf

Das Universitätsspital konnte bisher die offenen Stellen jeweils besetzen, das Spital hat an sich einen guten Ruf. «Wer hier arbeitet, ist stolz, an einem Spital tätig zu sein, das ein gutes Renommee hat», erklärt Regula Jenzer Bürcher. Man unternehme ja auch viel, damit das Unispital in möglichst allen Bereichen nicht nur schweizweit, sondern darüber hinaus eine Spitzenstellung einnehme. Das gelte auch für die Pflege. «Wir wollen ein Magnetspital sein», sagt sie, «das ist unsere Vision.» Magnetspital heisse, dass man die Leute anziehe, denen die exzellente Pflege ebenfalls ein Anliegen sei.

Man wolle attraktiv sein für die Jungen, damit sie hier ihre Ausbildung absolvierten, und dann möchte man sie möglichst bei der Stange halten, etwa mit dem Angebot von Weiterbildungen. Schon den frisch Diplomierten kann man ein Karrieremodell zeigen, aus dem ersichtlich ist, in welche Richtung sie sich spezialisieren und weiterentwickeln können.

«Wenn wir die Verweildauer des Personals um zwei Jahre steigern können, wäre schon viel gewonnen», erklärt die Pflegedirektorin. Was unternimmt denn das Spital, damit das Personal nicht anderswohin abwandert? Die Löhne seien nun zum grossen Teil auf einem guten Stand, findet Regula Jenzer, aber für die Zufriedenheit seien andere Kriterien beinahe noch wichtiger, etwa ein gutes Team, die Übertragung von Verantwortung, die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Ärzten und den andern Mitarbeitenden. Und ganz wichtig sei die Wertschätzung, die man den Mitarbeitenden entgegenbringe.

Hohe Zufriedenheit

Aus den USA kennt Regula Jenzer Bürcher verschiedene Arbeiten, in denen untersucht wurde, warum die einen Spitäler immer auf Personalsuche waren, weil ihnen die Leute davonliefen, während andere eine Warteliste führten mit interessierten Personen, die sich gerne hätten anstellen lassen. «Aus den Ergebnissen dieser Studie haben wir gelernt», hält sie fest.

Die Personalzufriedenheit, die man vor etwa einem Jahr evaluiert habe, sei recht gut. Und wo man Verbesserungsbedarf festgestellt habe, sei entsprechend reagiert worden. Es habe sich gezeigt, dass die Zufriedenheit des Personals direkt etwas zu tun habe mit der Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten, und die wird ja auch laufend erhoben. Die Patientenzufriedenheit stehe natürlich für ein Spital an oberster Stelle. Regula Jenzer Bürcher verhehlt nicht, dass auf die Spitalangestellten nicht zuletzt mit der Einführung der Fallpauschalen auf Anfang 2012 noch einige Herausforderungen zukommen werden.

Eine wissenschaftliche Begleitstudie, welche von Professor Dr. Rebecca Spirig als Leiterin des Zentrums Klinische Pflegewissenschaft am Universitätsspital geleitet wird, soll Aufschluss darüber geben, welche Auswirkungen die Neuerungen haben und wie man darauf reagieren kann. «Wir können diese Neuerungen auch als Chance sehen», erklärt die Pflegedirektorin. Sie erklärt denn auch, sie sei recht zuversichtlich, dass man am Unispital auch in zehn oder zwanzig Jahren noch genügend Personal habe, um eine gute Pflege zu garantieren.

Nicht nur das Universitätsspital Zürich, auch andere Spitäler unternähmen bedeutende Anstrengungen, um eine Laufbahn in den Gesundheitsberufen attraktiv zu machen. Das sei auch darum nötig, weil es schwieriger werde, in den Nachbarländern Personal anzuwerben, weil diese mit einem ähnlichen Verlauf bei der Bevölkerungsentwicklung konfrontiert seien, auch dort würden die Leute tendenziell älter und damit auch vermehrt pflegebedürftig.

Keine Stellungnahme

Und wie wirken sich die aktuellen Irritationen zwischen einem Teil der Ärzteschaft und der Spitalleitung auf die Pflegenden aus? Dazu nimmt die Pflegedirektorin nicht öffentlich Stellung. Aber auch ihr ist es ein grosses Anliegen, dass sich die Wogen glätten lassen.