Der wenige Tage alte Säugling schreit, kaum will die Mutter ihn ins Bettchen legen. Der Hunger kann es kaum sein, der ihn plagt, ebenso wenig eine volle Windel. Doch was fehlt ihm? Zudem verspürt die junge Mutter ein Ziehen in der Bauchgegend. Ist das nach einer Geburt normal oder sollte ein Arzt aufgesucht werden? In den ersten Tagen und Wochen tauchen unzählige Fragen auf und fordern die jungen Eltern. Da tut es gut, wenn man eine Anlaufstelle hat, die einem auch nach den Bürozeiten mit Rat und Tat zur Seite steht – die Hebamme.

Doch wer sich nicht rechtzeitig vor der Geburt kümmert, hat oft Mühe, eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung zu finden. Denn die sind im Kanton Zürich nach wie vor Mangelware. Von der einen Hebamme erhält die Wöchnerin eine Absage, weil sie zu weit entfernt wohnt und zu viel Zeit für An- und Rückfahrt verloren geht, die nächste hat keine freie Kapazität mehr.

Positive Bilanz nach einem Jahr

Hier kommt der Verein FamilyStart Zürich zum Zug: Er vermittelt Kundinnen an Hebammen und hilft diesen, durch ihre Koordination möglichst effizient arbeiten zu können. Der Verein wurde vor etwas mehr als einem Jahr, am Tag der Hebamme am 5. Mai 2015, gegründet. Nun zieht er eine erste, positive Bilanz: Im ersten Jahr vermittelte die gemeinnützige Organisation fast 3500 Hebammeneinsätze im Kanton Zürich. «Wir haben den Eindruck, dass unser Angebot gerade deshalb so gut funktioniert, weil es auf niederschwellige Art zugänglich ist», sagt Mia Meyer, Vorstandsmitglied beim Verein. Denn eine Anfrage auf der Vereinshomepage oder über eines der drei Vertragsspitäler genügt, und die werdende Mutter erhält wenige Tage darauf einen Anruf einer Hebamme. Für Frauen, die in einem der drei Vertragsspitäler Stadtspital Triemli, Universitätsspital Zürich oder Spital Zollikerberg gebären, ist dieser Service kostenlos, alle anderen zahlen 50 Franken.

«Über genaue Zahlen, ob durch unsere Vermittlungen mehr Wöchnerinnen zu einer Hebammenbetreuung kommen, verfügen wir nicht», sagt Meyer. Doch gerade bei weniger informierten, sozial schlechter gestellten Familien fehle oft das Wissen über die Möglichkeit von Hebammenbesuchen und dass diese von der Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt werden. «Da hilft das Beratungsgespräch, das unsere Partnerspitäler beim Austritt führen.» Die Dunkelziffer von Frauen, die nach Verlassen des Spitals nicht durch eine Hebamme betreut werden, sei wohl hoch.

Besserer Informationsfluss

Doch was bringt dieser Service den Spitälern, die für diese Dienstleistung, die eigentlich nicht zu ihrem Leistungsauftrag gehört, ebenfalls bezahlen müssen? «Die zentrale Organisation ist für uns eine Vereinfachung», sagt Brigitte Mercado, Co-Klinikleiterin der Frauenklinik am Spital Zollikerberg. Ihnen sei es schon immer ein Anliegen gewesen, den Frauen zu vermitteln, wie wichtig die Betreuung durch eine Hebamme im Wochenbett sei. «Ist früher eine Frau zur Geburt gekommen, die noch keine Hebamme zur Betreuung im Wochenbett hatte, mussten unsere Pflegenden manchmal mehrere Telefonate machen, um der Wöchnerin eine Hebamme zu organisieren – heute reicht ein Kontakt», sagt Mercado. Ausserdem seien die Hebammen nun besser organisiert und der Informationsfluss sei einfacher geworden. «Es gibt durch die Gründung des Vereins nicht mehr Hebammen in der Region, doch die Einteilung und Auslastung funktioniert besser.»