Chilbi

«Die verkleinerte Chilbi hilft, um wenigstens die Fixkosten zu decken»

Schaustellerverbands-Präsident Peter Howald auf dem Albisgüetli: «Wir werden uns umstellen müssen.»

Schaustellerverbands-Präsident Peter Howald auf dem Albisgüetli: «Wir werden uns umstellen müssen.»

Peter Howald hat nach der Mini-Knabenschiessen-Chilbi noch weitere Chilbis für die Coronazeit organisiert.

Als Präsident des Schaustellerverbands Schweiz hat Peter Howald es mit ermöglicht, dass auf dem Zürcher Albisgüetli trotz Corona eine Mini-Chilbi stattfindet. Am Donnerstag, 13 Uhr, beginnt deren drittes und letztes Wochenende. Am Samstagvormittag dürfen traditionsgemäss vor der Chilbi-Öffnung Menschen mit Behinderung auf Anmeldung beim Lions-Club Zürich gratis auf die Bahnen. Die Mini-Knabenschiessen-Chilbi ohne Knabenschiessen wird nun zum Vorbild für weitere Chilbis im Raum Zürich, wie Howald im Interview verrät.

Herr Howald, wie lautet Ihre Zwischenbilanz zur verkleinerten Knabenschiessen-Chilbi vor dem dritten und letzten Wochenende?

Peter Howald: Das erste Wochenende war total verregnet. Am Sonntag hatten wir wegen des Dauerregens gar nicht aufgemacht. Mit dem zweiten Wochenende sind wir zufrieden; es waren bis zu 650 Besucherinnen und Besucher auf dem Platz. Wenn es dieses Wochenende wieder gut läuft, können wir insgesamt zufrieden sein.

Welche Reaktionen kamen aus der Bevölkerung?

Wir bekamen viele Komplimente, dass endlich jemand wieder Chilbi macht, dass die Kinder sich vergnügen können, dass man wieder mal raus kann. Geschätzt wurde auch, dass es nicht so ein Gedränge gab und die Musik nicht so laut war.

Wird die Mini-Knabenschiessen-Chilbi zum Vorbild für künftige Chilbis in Corona-Zeiten?

Es sieht so aus, als gehe es nächstes Jahr in diesem Stil weiter. Wir müssen uns umstellen und nicht mehr so viel Lärm machen, sodass es für die Besucher angenehm ist.

Sie haben auch mit anderen Gemeinden über mögliche Mini-Chilbis verhandelt. Was ist dabei herausgekommen?

Zwei, drei Gemeinden haben inzwischen zugesagt. Wetzikon hat eine Chilbi ab 19. September für drei Wochenenden bewilligt: am ersten Wochenende für Samstag und Sonntag, danach zweimal für Mittwoch bis Sonntag. In Siebnen siehts auch gut aus für zwei Wochenenden anfangs Oktober. Zug hat ebenfalls zugesagt für zwei Wochenenden ab 24. Oktober. Mit St. Gallen laufen noch Verhandlungen über einen Kostenerlass.

Die Stadt Zürich verlangt wegen der Coronakrise für den verkleinerten Chilbiplatz beim Albisgüetli keine Standplatz-Gebühren. Machen andere Gemeinden das auch?

Zum Teil gibt es Gebührenerlass, zum Teil reduzierte Tarife.

Wie sieht das Corona-Schutzkonzept für die kommenden verkleinerten Chilbis aus?

In Wetzikon ähnlich wie an der Knabenschiessen-Chilbi: Es gibt einen Markt mit 25 Ständen, dann einen Eingang zur Chilbi mit Zählsystem, wobei maximal 1000 Personen gleichzeitig aufs Chilbi-Areal dürfen. Wir mussten auch dort genug Freiflächen einplanen.

Und wie hat sich das Schutzkonzept in Zürich bislang bewährt?

Gut. Beim Albisgüetli gab es auch beim bisher grössten Andrang mit 650 Leuten noch genug Platz. Und die Leute halten sich an die Regeln: Sie desinfizieren ihre Hände und schauen, dass sie genug Abstand gewähren. Auch mit 1000 Besucherinnen und Besuchern gäbe es noch genug Platz.

Wie sehr hilft eine verkleinerte Chilbi wie jetzt beim Albisgüetli den Schaustellern, trotz der Coronakrise über die Runden zu kommen?

Das ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber es hilft, um wenigstens die Fixkosten zu decken. Und: Gott sei Dank können wir jetzt etwas machen. Nur daheim zu sitzen, ist auch nicht lustig.

Wie sieht es ansonsten mit Unterstützung für die Schausteller aus?

Wir warten immer noch auf den Bund. Wenn keine Unterstützung kommt, werden 80 Prozent der Schausteller nicht überleben. Die Situation ist jetzt schon kritisch.

Welche Unterstützung erhoffen Sie sich für die Branche?

In Österreich hat die Regierung entschieden, dass der Staat die Fixkosten der Schausteller zu 100 Prozent abdeckt. Wir hoffen auf eine Lösung in diese Richtung.

Was hat mehr zum mässigen Publikumsaufkommen an der Mini-Knabenschiessen-Chilbi beigetragen: Corona oder der Regen?

Es ist beides. Wenns regnet, ginge ich auch nicht hinaus. Aber Corona hat auch einen Einfluss. Die Leute sind vorsichtig. Viele haben Angst.                                                                                                                                                                         

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