Eltern, die Kinder der gegnerischen Mannschaft beschimpfen, Drohungen gegen Schiedsrichter oder sich prügelnde Väter wegen eines gefoulten Sprösslings – Das ausfallende Benehmen von ehrgeizigen Müttern und Vätern von Juniorspielern nimmt zunehmend härtere Züge an. Schaden tut dieses Verhalten den Kindern und deren Freude am Spiel.

 Der Innerschweizer Fussballverband (IFV) machte heute seine Massnahmen gegen aufgebrachte Eltern am Spielfeldrand publik. Demnach sollen Zuschauer mit drei Metern Abstand zum Spielfeldrand stehen, damit sich ihre Zwischenrufe nicht negativ auf die Junioren auswirken.

Auch beim Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) sind auffällige Eltern am Spielrand schon seit Jahren ein Thema, weshalb er ab der startenden Saison ebenfalls Massnahmen ergreift. Er hat Richtlinien erlassen, die allen Zuschauern einen fünf-Meter-Abstand zur Spielfeldlinie auferlegt.

Aggressive Eltern schon lange ein Problem

Eltern, die ihre Kinder nicht nur anfeuern, sondern auch aggressive Töne an die Adresse der Gegenmannschaft und den Schiedsrichter anstimmen, habe es schon immer gegeben, erklärt FVRZ-Präsident Reinhard Zweifel. In den letzten drei bis vier Jahren sei dieses Verhalten jedoch immer mehr ausgeartet und würde nicht selten Handgreiflichkeiten einbeziehen.

«Eigentlich sind es nur 20 bis 25 Prozent der Eltern, welche durch negative Rufe oder gar Handgreiflichkeiten auffallen. Deren Verhalten ist jedoch derart dominierend, dass sie den ganzen Spielverlauf stören», so Reinhard Zweifel.

Die Kinder würden durch die Aggressivität der Eltern eingeschüchtert, die von der Seitenlinie mit Ausdrücke um sich werfen, die keineswegs jugendfrei sind. Ausserdem würden die Junioren mit der Zeit Sprache und Attitüde kopieren und die Unarten in ihr eigenes Verhalten einbauen, sagt Reinhard Zweifel. «Weil sie ihre Eltern Woche für Woche so erleben, denken sie, dass es OK ist, sich auf dem Fussballplatz so zu benehmen.»

Der FVRZ schickt regelmässig Schreiben an Eltern, in welchen diese ermuntert werden, sich zum Erhalt der Spielfreude auf das Anfeuern ihrer Kinder zu beschränken. Wenn einem Trainer aggressive Eltern auffallen, würde dieser das Gespräch mit ihnen suchen.

Leider wirken die präventiven Massnahmen nicht bei allen ehrgeizigen Vätern und Müttern. Gerade kürzlich musste in der Region Zürich ein Spiel der E-Junioren abgebrochen werden, weil die Eltern gegenüber dem Schiedsrichter handgreiflich wurden. Bei einem C-Junioren-Spiel schimpfte ein Vater so lange vom Spielrand auf den Schiedsrichter ein, dass dieser drohte, das Spiel abzubrechen, würde der Erboste nicht augenblicklich zusammennehmen. Auf die Mahnung kam der Verband die Antwort zu hören, solange er die Jahresbeiträge bezahle, könne er rufen, was er wolle.

Regeln gelten ab kommender Saison

Gemäss Präsident Zweifel ist diese eine falsche Annahme: «Es gibt im FVRZ Verhaltensregeln, die für alle gelten». Ab der kommenden Saison gehören wie beim Innerschweizer Fussballverband auch Abstands-Regeln der Zuschauer dazu.

Die Richtlinien verweisen einerseits den Eltern von E-Junioren hinter die Linie des Elfer-Spielfelds. Wie Theo Widmer, Leiter der Abteilung Technik, erklärt, würden beim geteilten Feld, auf dem diese Kategorie spielt, aufgrund fehlender Linien gar keine Abstände mehr eingehalten. Für die Juniorenspiele im herkömmlichen Feld würde ein Abstand von fünf Metern gelten.

Auf die drastische Massnahme eines extra-Raums für Eltern, wie er in Deutschland schon anzutreffen ist, möchte Theo Widmer aber verzichten. Beim FVRZ habe es schon Fälle gegeben, bei denen Eltern zweier Juniorenspieler aufeinander los seien. Solche Szenen würden durch ein Einpferchen der Zuschauer noch verstärkt.

Im November werden alle Leiter von Junioren-Mannschaften in einer Tagung zusammenkommen und ein erstes Fazit aus den neu eingeführten Weisungen ziehen. Falls dieses nicht zufriedenstellend ausfallen sollte, würden als nächster Schritt ab Frühling 2016 Bänder den stolzen Eltern weisen, von welcher Entfernung sie ihre Kommentare einwerfen dürfen.