Die geistigen Bedürfnisse von Schwerkranken und Sterbenden: Sie sind thematischer Schwerpunkt des neuen Lehrstuhls für Spiritual Care an der Uni Zürich.

Simon Peng-Keller heisst der Inhaber des neuen Lehrstuhls Spiritual Care an der Uni Zürich, der von den beiden grossen Zürcher Landeskirchen finanziert wird. Die offizielle Ernennung des 54-jährigen, verheirateten Theologieprofessors durch den Universitätsrat steht zwar noch aus, gilt aber als reine Formalität. Peng-Keller stammt aus Chur, studierte katholische Theologie, arbeitete in Zürich als Pastoralassistent und unterrichtete an der Theologischen Universität Chur. Zu seiner neuen Professur an der Uni Zürich will er sich erst nach seiner offiziellen Ernennung äussern. Diese ist auf den 21. September anberaumt. Berufen wird Peng-Keller laut dem Hochschulamt auf den 1. Oktober.

Lehre ab Herbst

Details zum Auftrag von Peng-Keller will Thomas Schlag, Dekan der Theologischen Fakultät, wo der Lehrstuhl angesiedelt ist, noch keine bekannt geben. Nur so viel: Bereits ab diesem Herbstsemester sollen Lehrveranstaltungen in Spiritual Care angeboten werden. Sie richten sich an angehende Ärzte und Pfarrer. Ob obligatorisch oder fakultativ, liess sich gestern nicht in Erfahrung bringen.

Spiritual Care ist ein Teilgebiet der Palliative Care, der schmerzlindernden Behandlung von Todkranken und Sterbenden. Vereinfacht gesagt geht es bei Spiritual Care um die spirituelle Begleitung solcher Menschen – unabhängig von einem bestimmten Glaubensbekenntnis. Peng-Keller gilt als Koryphäe seines Faches. Er forschte über Nahtoderlebnisse, begleitet Sterbende und schrieb Bücher über Spiritualität, Mystik und Gottvertrauen.

Einzigartig

Der neue Lehrstuhl für Spiritual Care ist derzeit der einzige seiner Art, nicht nur in der Schweiz, sondern, soweit bekannt, in Europa. Seit 2010 bis im Frühling dieses Jahres gab es eine Professur in München. Sie war ökumenisch konzipiert und zu je 50 Prozent besetzt durch den evangelischen Theologen Traugott Roser und den katholischen Theologen und Jesuiten Eckhard Frick.

Der Zürcher Lehrstuhl ist als 50-Prozent-Pensum geplant, das vorerst auf sechs Jahre befristet ist, wie es für Professuren ad personam üblich ist. Den Impuls für das Projekt gaben ursprünglich die Katholiken im Kanton Zürich. Die Reformierten stiegen später ebenfalls ein. Die Finanzierung des Lehrstuhls teilen sich die beiden Landeskirchen. Wie Benno Schnüriger, Präsident des katholischen Synodalrates, auf Anfrage sagte, hat das katholische Parlament die von der Uni verlangte Vorfinanzierung der Professur übernommen: 1,2 Millionen Franken für sechs Jahre. Die Reformierten haben sich verpflichtet, insgesamt 480 000 Franken beizusteuern.