«Es war ein schwieriges, enttäuschendes Wahljahr», stellte Nicole Barandun, Präsidentin der kantonalen CVP, am Freitag am traditionellen «Dreikönigspressegespräch» fest. So habe die Partei bei den Wahlen im vergangenen Frühjahr drei Kantonsratsmandate und die Abwahl von Regierungsrat Hans Hollenstein einstecken müssen.

Ganz offensichtlich falle es der CVP schwer, jüngere Wähler anzusprechen. Zwar liege man inhaltlich meist richtig, doch gelinge es nicht, das Image als christliche Partei abzustreifen, sagte Barandun. Die Partei müsse deshalb ihr Profil und ihre Inhalte schärfen.

Eine Fusion mit einer anderen Partei sei kein Thema. «Wir wollen durch eigene Kraft wachsen», betonte die Parteipräsidentin. Einer inhaltlichen Zusammenarbeit mit anderen Parteien stehe die CVP offen gegenüber. Eine Fusion, die aus der Not heraus geboren werde, könne nicht erfolgreich verlaufen.

Die BDP Schweiz beispielsweise müsse erst noch unter Beweis stellen, dass sie das sich selber zugelegte Label «Mittepartei» wirklich verdiene. Aber auch eine institutionalisierte Zusammenarbeit mit den Grünliberalen steht laut Barandun nicht zur Debatte. Grundsätzlich gelte: «Wer eine klare Botschaft hat, ist ein verlässlicher Partner.»

«Neue Freiheiten»

«Dass wir nicht mehr Regierungspartei sind, ist bedauerlich», sagte auch Fraktionspräsident Philipp Kutter (Wädenswil). «Dies gibt uns aber auch neue Freiheiten, die wir nutzen wollen.» Man werde künftig nicht mehr für die anderen Parteien «die Kohlen aus dem Feuer holen». Um Mehrheiten zu finden, werde sich deshalb künftig auch eine SVP oder eine SP auf die CVP zubewegen müssen.

Eines der CVP-Kernthemen bleibt die Familie, die man entlasten, aber keineswegs aus der Verantwortung entlassen wolle. Dies unterscheide die Partei von der Linken, die den Familien misstraue und deshalb rasch intervenieren wolle.

Stärker profilieren will sich die Partei in den Bereichen Umwelt, Siedlung, Energie und Verkehr. Dies sei eine grosse Herausforderung, räumte Kantonsrat Patrick Hächler (Gossau) ein. Mit gutem Grund: Die CVP ist aufgrund ihrer Wahlverluste in der zuständigen Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt (KEVU) nämlich gar nicht mehr vertreten.

Auch die Bildungspolitik soll nicht zu kurz kommen. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem dualen Bildungssystem, wie Kantonsrat Josef Wiederkehr (Dietikon) ausführte.

So gelte es unter anderem, das Interesse an einer Berufsausbildung zu stärken und die hohe Quote der Lehrabbrüche zu verringern. Um den in vielen Branchen herrschenden Fachkräftemangel zu mildern, schlägt Wiederkehr zudem vor, das hiesige Arbeitskräftepotenzial besser zu nutzen. Dazu gehöre auch die bessere Integration von Frauen - auch von Müttern - in den Arbeitsmarkt. (sda)