Thur

Die Thur kann wieder frei fliessen

Nach der ersten Etappe der Renaturierung können vom Thurspitz aus wieder seltene Pflanzen und Tiere beobachtet werden. Foto: Melanie Duchene

Nach der ersten Etappe der Renaturierung können vom Thurspitz aus wieder seltene Pflanzen und Tiere beobachtet werden. Foto: Melanie Duchene

Die Thur darf sich breitmachen: Die erste Etappe der Renaturierung ist geschafft. Doris Leuthard und Markus Kägi lobten bei der Eröffnung des Naturzentrums die Resultate.

Bundesrätin Doris Leuthard und der Zürcher Regierungsrat Markus Kägi haben am Samstag in Flaach das neue Naturzentrum Thurauen eröffnet. Gleichzeitig wurde der Abschluss der ersten Etappe des Grossprojektes «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» gefeiert.

Leuthard würdigte das Thurauen-Projekt als «Musterbeispiel für Konsenspolitik». Alle hätten sich zusammengerauft und nach einer Lösung gesucht, «die für Mensch und Natur stimmt», sagte die Vorsteherin des Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Das Projekt vereine beispielhaft die Anforderungen an den Hochwasserschutz mit den Bedürfnissen der Natur und der Nutzung der Thurauen als Erholungsgebiet. Es sei zu hoffen, dass dem Raumkonzept Schweiz, das unlängst von Gemeinden, Städten, Kantonen und Bund erarbeitet wurde, ein ebenso nachhaltiger Erfolg beschieden sein werde.

Für die Renaturierung der Thurmündung bewilligte der Kantonsrat Ende 2006 knapp 54 Millionen Franken. Das Ziel: Die Thur kann auf den untersten fünf Kilometern – mehr oder weniger – selber bestimmen, wo sie durchfliessen will. Dazu muss die Kanalisierung aus dem 19. Jahrhundert rückgängig gemacht werden.

Vor drei Jahren starteten die Bauarbeiten. Es wurden rund 27 Millionen Franken verbaut, wie Gerhard Stutz vom Amt für Abfall, Wasser, Energie­ und Luft (Awel) sagt. Die Arbeiter haben Altläufe ausgebaggert und Tümpel angelegt; sie schufen Ausbuchtungen und Kiesbänke. Es gab neue Hochwasserschutz-Massnahmen für Ellikon am Rhein und das Flaacherfeld, und an Rhein und Thur wurden alte Uferverbauungen entfernt. Allerdings nicht ganz alle: Am Thurspitz bei der Flussmündung bleiben Beton und Steinblöcke einstweilen im Wasser. Ursprünglich hätten auch sie der befreiten Thur Platz machen müssen. Viele Menschen verbinden aber starke Erinnerungen mit dem romantischen Ort, wo sich Rhein und Thur vereinigen. So manch verliebtes Paar sass dort stundenlang am Ufer. «Es gab diesen vielseitigen Wunsch aus der Bevölkerung», sagt Stutz, und dem habe man entsprochen.

Insgesamt sollen die Thurauen – die grösste Auenlandschaft der Schweiz – ökologisch aufgewertet werden. Dank der Revitalisierung kehrte zum Beispiel der Flussregenpfeifer zurück, der auf Kiesinseln brütet. Mit dem Abschluss der ersten Etappe des Thurauenprojektes seien die wichtigsten Massnahmen realisiert und die Natur könne jetzt das Werk fortsetzen, sagte Regierungsrat Markus Kägi (SVP). «Wir haben hier der Freiheit buchstäblich zum Durchbruch verholfen». Das heisse aber nicht, dass sich Mensch und Natur in den Thurauen hemmungslos austoben könnten. Grundsätzlich geht es um ein Nebeneinander von Mensch und Natur: So haben bei der Elliker Brücke oder im Bereich Forspitz die Menschen Vorrang. Gewisse Altläufe, Buchten oder der unterste Flussabschnitt sind für Flora und Fauna reserviert.

«Wir wollen jetzt ein paar Jahre warten und beobachten, wie die Flussdynamik sich entwickelt», sagt Gerhard Stutz vom Awel. Wichtig sei beispielsweise zu wissen, ob die Erosion wie gewünscht funktioniere. Später werde entschieden, welche weiteren Massnahmen für die Aufweitung in der nächsten Etappe erforderlich seien. Der vorläufige Plan für die zweite Etappe, die zwischen 2015 und 2020 realisiert werden soll, sieht vor, dass eine dritte Ausbuchtung geschaffen, die letzten Verbauungen an der Thur entfernt und weitere Landwirtschaftsflächen vor Hochwasser geschützt werden. Geplant ist zudem der Bau eines Badestrandes.

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