Luftfahrt
Die Swissair lebt im Alltag weiter

Schon zu Lebzeiten war sie nicht nur eine Fluglinie, sondern auch ein nationales Symbol: Di Swissair Als solches lebt sie heute in der Alltagskultur weiter – in diversen Facetten.

Matthias Scharrer
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Mit der «Wings»-Bar traf Ex-Swissair-Pilot Marc Schröder einen Nerv der Zeit. Bild: Matthias Scharrer

Mit der «Wings»-Bar traf Ex-Swissair-Pilot Marc Schröder einen Nerv der Zeit. Bild: Matthias Scharrer

Limmattaler Zeitung

Wer sich zehn Jahre nach dem Niedergang der Swissair der Erinnerung an die Schweizer Airline hingeben will, ist am Zürcher Limmatquai an der richtigen Adresse: Im Zunfthaus zur Safran, gleich gegenüber vom Rathaus, befindet sich die «Wings Airline Bar und Lounge».

In echten First-Class-Sesseln aus Swissair-Fliegern lässt sich hier ein «Grounding»-Drink schlürfen oder der Salat «Captain’s Choice» geniessen (mit Speck, Croutons und Dörrpflaumen). Rot gepolsterte Sitzbänke, weisse Lounge-Tischchen und MD-11-Fenster an der Wand, an der ein Flugkapitän aus Karton lehnt, bieten das passende Ambiente für Swissair-Nostalgie.

Eröffnet wurde das «Wings» im Frühling 2002, wenige Monate nach dem Grounding. Die Gründer waren ehemalige Swissair-Angestellte um den Piloten Marc Schröder, der das «Wings» nach wie vor besitzt.

Auch Swissair-Souvernirs im Verkauf

Offenbar traf er den Geschmack von vielen: Anders als die Swissair hat seine Bar das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts jedenfalls unbeschadet überstanden – was in der Zürcher Gastroszene nicht selbstverständlich ist. Zum Angebot gehört übrigens auch der Verkauf von Luftfahrt-Souvenirs wie «Fasten your seatbelt»-Gurten und «Original Service Trolleys».

Das Geschäft mit der Swissair-Nostalgie-Artikeln läuft auch andernorts: Auf Flohmärkten gehören sie inzwischen zum Standard-Angebot – und in vielen Haushalten sind Besteck und Geschirr aus Swissair-Beständen in Gebrauch, die der Nachlass-Verwalter nach dem Grounding verscherbeln liess.

Die Swissair ist auch ein Theater

Dass die Swissair ihren Platz in der Alltags- und Volkskultur gefunden hat, zeigt auch das Beispiel der Theatergruppe Take Off. Mit ihr lebt die ehemalige Theatergruppe der Swissair weiter. Allerdings reduzierte sich die Zahl ihrer Mitglieder nach dem Grounding um die Hälfte, wie die Präsidentin der Theatergruppe, die Geroldswilerin Liliane Dick, im Gespräch mit der az Limmattaler Zeitung sagte. Viele Swissair-Angestellte wechselten mit dem Arbeits- auch den Wohnort und gaben deshalb ihr Engagement in der Theatergruppe auf.

Den Namen «Theatergruppe Swissair» gab das Ensemble nach dem Ende der Airline zunächst auf und benannte sich in «Take Off» um. Doch irgendetwas fehlte daraufhin offenbar: «Irgendwann mussten wir den Namen erweitern», so Dick. «Als Ergänzung zu Take Off steht auf unseren Plakaten jetzt auch ‹ex Theatergruppe Swissair›. So können wir vom einstigen Namen profitieren.»

ETH arbeitet Bildarchiv auf

Neben Nostalgikern beschäftigt das Phänomen Swissair inzwischen auch die Wissenschaft: So ist die Bibliothek der ETH Zürich derzeit damit beschäftigt, das Bildarchiv der einstigen Airline aufzuarbeiten. Es umfasst rund 300000 Bilder von den Anfängen der Schweizer Luftfahrt bis zum Ende der Swissair. Nach und nach werden sie nun seit Dezember 2009 archiviert und im Internet unter www.e-pics-ethz.ch öffentlich zugänglich gemacht.

Dabei arbeiten über eine Online-Plattform auch ehemalige Swissair-Angestellte mit. Sie sorgen dafür, dass die Erläuterungen zu den Bildern so akkurat wie möglich sind. Die Gesamtkosten des Projekts sind laut «Tages-Anzeiger» auf 1,5 Millionen Franken veranschlagt. Eine halbe Million Franken steuerte der Kanton Zürich aus dem Lotteriefonds bei.

Das Nachleben der Swissair hat viele Facetten. So bezog diesen Sommer die IT-Firma T-Systems Schweiz den ehemaligen Swissair-Hauptsitz am Klotener Balsberg. Sie gehört zu 100 Prozent der T-Systems International mit Sitz in Frankfurt am Main, die für die Grosskunden der Deutschen Telekom zuständig ist. Während die Swissair allmählich zur nationalen Folklore wird, schreitet die Globalisierung der Wirtschaft weiter voran.