Zürich

«Die SVP ist in einer schwierigen Phase» — Benjamin Fischer übernimmt die Partei

Benjamin Fischer möchte unvoreingenommen an seine neue Aufgabe herangehen.

Benjamin Fischer möchte unvoreingenommen an seine neue Aufgabe herangehen.

Benjamin Fischer ist am Dienstag an der Delegiertenversammlung zum neuen Präsidenten der SVP des Kantons Zürich gewählt worden. Der 28-Jährige übernimmt die Partei nach einem turbulenten Jahr. Sie müsse wieder besser mobilisieren, sagt er.

Sie sind neuer Präsident der SVP des Kantons Zürich. Weshalb tun Sie sich das an?

Benjamin Fischer: Warum tut man sich Politik überhaupt an? Ich mache dies aus Überzeugung. Ich bin dankbar für die Privilegien, die wir hier in der Schweiz und im Kanton Zürich haben. Da empfinde ich es als Pflicht, etwas zurückzugeben. Es soll jeder das tun, wozu er sich fähig fühlt. Und ich will meinen Beitrag hier leisten, auch für diese Partei, die mir am Herzen liegt.

Lassen Sie sich von dieser nicht verheizen? Der Job ist Knochenarbeit. Und Sie sind berufstätig, verheiratet und Vater eines Kindes.

Diese Frage haben mir auch in meinem persönlichen Umfeld viele gestellt. Aber die Sorge ist unberechtigt. Natürlich ist die zeitliche Belastung gross, aber die habe ich jetzt schon als Präsident der Jungen SVP Schweiz und mit anderen Parteiämtern. Und von diesen Funktionen werde ich zurücktreten.

Trotzdem ist vieles anders. Die Zürcher SVP hat ein unruhiges Jahr hinter sich: Verluste bei den Wahlen, Rücktritt des Präsidenten, ein Interims-Präsident und schliesslich der Parteiaustritt von Ex-Präsident Konrad Langhart – da haben Sie doch alle Hände voll zu tun.

Das stimmt, und das ist auch der Grund, weshalb sich nicht viele um das Amt gerissen haben. Andererseits macht dies die Arbeit auch interessant. Die SVP des Kantons Zürich steckt in einer wichtigen Phase. Es ist nach den Wahlverlusten auch eine schwierige Phase. Wobei: Es ging jahrelang bergauf und es ist normal, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Die Geschichte um Koni Langhart hingegen würde ich nicht überbewerten. Das ist ein persönlicher Entscheid von ihm. Daraus kann man keine Krise der Partei konstruieren. Ich sehe auch keine Flügelkämpfe innerhalb der SVP. In den Kernthemen steht die SVP geschlossen da.

Anders beim Umweltthema: Konrad Langhart kritisiert, dass diesbezüglich in der SVP zu wenig gehe. Vergisst die Partei die Mitglieder und Sympathisanten, die selber Landwirte sind?

Ich finde es schade, dass er den Vorwurf erst mit seinem Rücktritt geäussert hat. Ich hätte mir gewünscht, dass er als Parteipräsident oder als einfaches Mitglied konkrete Vorschläge eingebracht hätte, wie er sich die Umweltpolitik der SVP vorstellt. Selbstverständlich müssen wir unserer Umwelt Sorge tragen. Wir vergessen die Basis nicht. Die SVP ist die Bauernpartei. Und Bauern sind Leute, die der Natur sehr nahe sind. Ich selber weiss dies, ich bin Sohn eines Kleinbauern. Und mein Vater hat eine sehr ökologische Landwirtschaft betrieben.

Das allein reicht doch nicht gegen den Klimawandel. Es sind ganz andere Rezepte gefragt. Hat die SVP das Thema verschlafen?

Wir sprechen hier von einem globalen Thema. Die Schweiz kann mit ein bisschen Verzicht und etwas weniger Fliegen und Verboten nichts zur Lösung des Problems beitragen.

So redet, wer nichts ändern will.

Die Schweiz kann sehr wohl viel ändern, aber anders: Sie kann im Bereich der Technologie und der Forschung etwas beitragen. Wir werden nur über den technologischen Weg Lösungen für den Klimawandel finden, nicht über die Politik. Die SVP ist auf keinen Fall dazu bereit, die Bevölkerung mit höheren Preisen und noch mehr Verboten zu belasten. Das wäre nur Symbolik. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Die Wähler sahen es offenbar anders: Die SVP hat an den Wahlen stark eingebüsst.

Es ist ja nicht so, dass die SVP-Basis in Scharen grün gewählt hätte. Vielmehr haben wir unsere Basis nicht gut genug mobilisiert. Dies zu ändern ist jetzt eine der grossen Aufgaben für uns. Der Erfolg hängt aber natürlich auch von den Themen ab, die gerade aktuell sind.

Braucht Ihre Partei also neue Themen?

Nein. Die SVP bleibt die SVP. Die wichtigen Themen für uns sind weiterhin weniger Steuern, Gebühren und Abgaben, die Begrenzung der Zuwanderung sowie der Kampf gegen das Rahmenabkommen. Hinzu kommen weitere Themen wie der Erhalt der freien Marktwirtschaft, die Gesundheitskosten, die aus dem Ruder laufen, und die Sicherung der Sozialwerke. Inhaltlich braucht es keine Neuausrichtung.

Braucht es dafür einen anderen Stil? Ihre Vorgänger waren moderat im Ton, damit aber nicht erfolgreich. Sie selber treten auch gemässigt auf – oder haben Sie doch eine provokative Ader?

Das ist eine häufig gestellte Frage von Journalisten und ich verstehe sie zwar, da man einen Politiker einordnen möchte. Ich bin aber nicht so leicht zu schubladisieren – den Gefallen kann ich Ihnen nicht tun.

Sie müssen mir keinen Gefallen tun.

Wenn es nötig ist, um ein Thema aufs Tapet zu bringen, werde ich provozieren. Auch als Präsident der Jungen SVP habe ich hin und wieder zu Provokation gegriffen. Provokation nur um der Provokation Willen bringt jedoch nichts. Es muss immer um die Sache gehen. Die Frage des Stils wird überschätzt. Am Schluss werden wir daran gemessen, was wir in der Sache erreichen. Nur das zählt.

Man wird Sie auch daran messen, was Sie anders machen. Was bringen Sie von der Jungpartei mit, das Ihnen im neuen Amt nützt?

Eine gewisse Lockerheit im Umgang, aber Härte in der Sache. Ich möchte unvoreingenommen an die Aufgabe herangehen. Ich bin auch bereit, alte Strukturen zu überdenken. Die sozialen Medien sind wichtig. Die Zusammenarbeit mit anderen Parteien wird wohl offener sein. Junge Politiker sind hier vielleicht unbelasteter als ältere, die es nach all den Jahren womöglich nicht mehr so gut miteinander können.

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