Sie haben seit vielen Jahren denselben Feind: den Fluglärm. Untereinander sind sie oft zerstritten, weil ihre Interessen regional verschieden sind: Die Fluglärmorganisationen. Ein Dutzend von ihnen, haben einen neuen Anlauf genommen, um wenigstens in einigen Fragen am gleichen Strick ziehen zu können. Angeführt vom überregional agierenden Flughafen Schutzverband, veröffentlichten sie gestern drei gemeinsame Positionen:

  • Nachtruhe einhalten: Der Luftfahrtbetrieb sei so zu planen, dass die Nachtruhe künftig eingehalten werden könne. Gemäss Flughafen-Betriebsreglement dauert diese von 23 bis 6 Uhr, wobei vor Mitternacht Verspätungen bis 23.30 Uhr abgebaut werden dürfen. Vor allem die letzte halbe Stunde ist den Organisationen ein Dorn im Auge. Heute verkehren Flugzeuge nicht ausnahmsweise, sondern regelmässig bis 23.30 Uhr.
  • Lenkungswirksame Lärmgebühren: Die Organisationen finden, der Entwurf für eine Gebührenordnung keine genügende Lenkungswirkung habe. Man müsse die Tarife so ansetzen, dass die Fluggesellschaften nur die wirklich nötigen Flüge frühmorgens und spätabends ansetzten. Dazu möglichst leise Maschinen einsetzten. «Je später am Abend der Flug, desto teurer muss er sein», sagt Thomas Hardegger, Präsident des Schutzverbandes und SP-Nationalrat. Der Entwurf stammt aus der Feder der Flughafen Zürich AG. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat ihn Anfang Mai in die Vernehmlassung bis zum 7. Juni gegeben.
  • Lärm reduzieren: Laut den Organisationen ist die Lärmbelastung durch startende und landende Flugzeuge heute höher als es das Betriebsregelement erlaubt. «Die Verantwortlichen haben dafür zu sorgen, dass der rechtsgültige Zustand wieder hergestellt wird», heisst es im Communiqué. Die Beobachtung stützt sich auf den Zürcher Fluglärm Index.

Schwieriges ausgeklammert

Laut Hardegger haben sich die Organisationen auf Einladung des Schutzverbandes am 11. Mai getroffen und die Beschlüsse einstimmig gefasst. «Ja, man hat sich bisher gegenseitig misstraut – die einen mehr, die andern weniger», räumt Hardegger ein. Dabei habe man die gemeinsamen Interessen übersehen. Ein weiteres Treffen sei geplant, sobald die Themen reif seien. Beim ersten Gespräch habe man schwierige Probleme bewusst ausgeklammert. Dazu gehören die Südstarts geradeaus im Sil 2. Der Bundesrat dürfte sie demnächst genehmigen, aber nur bei Bise und Nebel. Organisationen im Norden, Osten und Westen verlangen Südstarts auch über Mittag, weil sie sich davon den Abbau von Verspätungen am Abend versprechen. Organisationen im Süden hingegen bekämpfen Südstarts. Die Zürcher Regierung will sie nur bei Bise zulassen.