Der Börsengang des Schweizer Rohstoff-Giganten Glencore hatte Millionen in die Gemeindekasse von Rüschlikon gespült, wo der Firmenchef wohnt. Die Zürichseegemeinde musste praktisch die gesamte Summe in den Topf des kantonalen Finanzausgleichs abliefern. Etliche Gemeinden profitierten so indirekt vom Börsengang des Unternehmens.

Zürcher Gemeinden als Vorbild

Fünf Gemeinden im Zürcher Säuliamt entschieden, einen Teil dieser Zusatzannahmen an Hilfswerke weiterzuleiten, die sich um die Folgeschäden des Rohstoffabbaus kümmern («Die Nordwestschweiz» berichtete). Insgesamt kamen so rund 400 000 Franken zusammen.

Nun erfasst die Bewegung auch den Kanton Zug, wo Glencore ihren Hauptsitz hat. Jolanda Spiess-Hegglin, Co-Präsidentin der Alternativen Zug (wie die Grüne Partei dort heisst), reichte gestern eine Einzelinitiative beim Grossen Gemeinderat der Stadt Zug ein. Das Begehren nimmt direkt Bezug auf die Entscheide in den Säuliämtler Gemeinden.

Glencore selber hat ihren Sitz nicht in der Stadt Zug, sondern im benachbarten Baar. Das mittlerweile mit Glencore zusammengelegte Rohstoff-Unternehmen Xstrata hatte seinen Sitz vor der Fusion in der Stadt Zug. «Seit Jahren finanzieren wir mit diesen Steuergeldern unseren Reichtum», schreibt Initiantin Spiess-Hegglin.

Symbolische 100 000 Franken

Geht es nach der in Oberwil bei Zug wohnhaften Initiantin, soll auch die Stadt Zug «ein Zeichen der Solidarität» setzen. Sie will, dass die Stadt einen «symbolischen Betrag» von 100 000 Franken an Hilfswerke spendet, die sich in den Rohstoff-Abbauländern für die Rechte der betroffenen Bevölkerung einsetzen.

In Ihrer Begründung für die Initiative schreibt Spiess-Hegglin, dass Glencore Xstrata, wie sich die Firma derzeit nennt, wegen Umweltbelastungen und der Missachtung von Menschenrechten kritisiert werde und trotz mehr als 200 Milliarden Franken Jahresumsatz kaum Steuern bezahle.

«Unsere Partei übt seit 30 Jahren Kritik an Glencore», sagt Spiess-Hegglin. Dass die eher konservativen Landgemeinden ennet der Kantonsgrenze sich für eine Solidaritätsabgabe entschieden haben, gebe auch der Kritik in Zug wieder Aufwind: «Was im Säuliamt möglich ist, sollte in Zug erst recht möglich sein», so Spiess-Hegglin. «Wir sind die wahren Profiteure.»

Ob dem Begehren Erfolg beschienen sein wird, ist fraglich. Denn damit sie an die Urne kommt, müsste aber der Zuger Gemeinderat der Initiative erst zustimmen. Die dominierenden bürgerlichen Kräfte haben es bis anhin tunlichst vermieden, sich gegen die Rohstofffirmen zu stellen. «Wir füttern die Reichen und haben Angst, dass sie weggehen», sagt Spiess-Hegglin. Das sei ein falsches Denken, denn der Wohlstand habe auch Schattenseiten: «Zug sollte darauf achten, dass sein Ruf keinen Schaden nimmt.»