Seilbahnen beschäftigen. Zumindest die Zürcher wie auch die Limmattaler Politik. Das zeigen diverse Vorstösse und Ideen. Die Seilbahn, die Stettbach mit dem Zoo Zürich verbinden soll, hat es am Dienstag nach langjähriger Debatte zur Planauflage geschafft. Neben dieser Gondel befasst sich derzeit auch der Regierungsrat mit einer, und zwar für die Erschliessung des Hochschulgebietes Zürich. Im Frühling hat der Kantonsrat mit 91 zu 70 Stimmen ein Postulat überwiesen, das den Regierungsrat beauftragt, zu prüfen, ob die Seilbahnerschliessung machbar sei.

Aber auch auf kommunaler Ebene werden Seilbahnen zwischen Altstetten und Höngg oder Wollishofen und Tiefenbrunnen als verkehrsentlastende Massnahmen zumindest angedacht. Ebenso gibt es in Dietikon Seilbahn-Ideen. So wurde 2016 die Verbindung der zukünftigen Haltestelle der Limmattalbahn im Niderfeld mit der möglichen S-Bahn-Haltestelle Silbern im Industriequartier durch eine Standseilbahn geprüft. Die Machbarkeitsstudie zeigte: Es ginge. Mehr noch würde eine Luftverbindung besser funktionieren als eine Busverbindung über die ohnehin schon verkehrsbelasteten Strassen, sagte damals der Dietiker Standortförderer Jürg Bösch.

Technisch aufwendig und teuer

Diese Ansicht teilt auch Boris Jäggi, Netzentwickler Güterverkehrsmarkt bei den SBB: «Seilbahnen können in schwierigem Gelände gut direkte Verbindungen herstellen.» Da sie grosse Höhenunterschiede überwinden könnten, verkürze dies auch die Reisezeiten. Weitere Vorteile von Seilbahnen sind ihr geringer Flächenverbrauch, die Möglichkeit, eine grössere Menge von Menschen zu transportieren, sowie ihre Energieeffizienz, da sie mit Strom betrieben werden. Zudem gelten sie als sicherstes Verkehrsmittel. Da Gondelsysteme technisch und im Unterhalt zu aufwendig seien, würde es Anna Schindler, Direktorin für Stadtentwicklung Zürich, dennoch nicht als Transportmittel der Zukunft bezeichnen: «Ob Seilbahnen das Verkehrssystem entlasten können, hängt von der Topografie und dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs in der jeweiligen Stadt ab.» In Gebirgsstädten dagegen, wo die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr zu teuer wäre, würde sich das System als Personentransportmittel hervorragend eignen.

Mit der Seilbahn soll der öffentliche Verkehr entlastet werden.

Mit der Seilbahn soll der öffentliche Verkehr entlastet werden.

Diesbezüglich verweist SBB-Netzentwickler Jäggi beispielhaft auf die Städte Medellín, Caracas, Rio de Janeiro und La Paz. Letztere hat laut dem Verkehrsexperten das grösste urbane Seilbahnsystem. Die Hauptstadt verfüge über Zehner-Gondeln, die pro Stunde und Richtung eine Kapazität von 3000 Sitzplätzen erreichen würden. Zum Vergleich: Ein Cobra-Tram schafft im 7,5-Minuten-Takt 770 Sitz- und 1140 Stehplätze.

Weil die Sicht aus einer Gondel über die Stadt etwas Aufregendes ist, kann sich das Transportmittel laut Jäggi schnell zu einer Touristenattraktion entwickeln. Diese Ansicht teilt Schindler und ortet deshalb Chancen für die Zooseilbahn: «Beispielsweise könnte sie zwei noch nicht miteinander verbundene Quartiere erschliessen und die Dolderbahn entlasten», so die Stadtentwicklungs-Direktorin. Dafür, dass sich Seilbahnen als Verkehrsentlastung in Zürich etablieren könnten, sieht Verkehrsexperte Jäggi allerdings mehr Hürden als Chancen: «Da eine Seilbahn im bebauten Gebiet zahlreiche Anlieger tangiert und den Passagieren ermöglicht, in private Gärten und Häuser zu blicken, ist das Risiko für Einsprachen sehr hoch», so Jäggi. Zudem beeinflusse eine Seilbahn das Stadtbild erheblich. Dass neben hohen Reisezeiten in normalem – eher flachen – Gelände auch aufwendige Zu- und Ausstiegsstationen gebaut werden müssten, dürfe nicht unterschätzt werden.