Zürich
Die Schwamendinger Stadtreparatur beginnt

Vor dem Spatenstich zur Autobahn-Einhausung in Zürich-Schwamendingen trafen sich die Verantwortlichen im neuen Besucherzentrum. Ab Januar steht es der Bevölkerung offen.

Matthias Scharrer
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Autobahn Einhausung Schwamendingen
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Der Verkehr wird dreistöckig: Oben Fussgänger und Velofahrer, in der Mitte Autos, unten Trams.
Der Autobahndeckel wird zur kilometerlangen Stadtreparatur.
Blick vom Schöneichtunnel-Portal stadtauswärts.
Blick vom Besucherzentrum über die Autobahn.
Täglich passieren 120000 Fahrzeuge den Schöneichtunnel.
Pinkelverbot an einem Haus neben der Autobahn.
Im Januar wird das Besucherzentrum neben der Baustelle zur Einhausung Schwamendingen eröffnet.
Noch durchschneidet die Autobahn das Quartier Schwamendingen.
Auf dem Autobahndeckel ist ein Park geplant.
Zukunftsmodell und Gegenwart: Im Besucherzentrum erhält man einen guten Überblick über das Projekt Einhausung Schwamendingen.
Wo heute das Besucherzentrum steht, standen unlängst noch Wohnhäuser.

Autobahn Einhausung Schwamendingen

Matthias Scharrer

Mehr als 20 Jahre lang wurde über die Autobahn-Einhausung in Zürich Schwamendingen diskutiert, abgestimmt, geplant, zigfach Einsprache erhoben und beigelegt. Nun naht der Spatenstich im kommenden März. Entlang der Autobahn beim Schöneichtunnel-Portal wurden in den letzten Monaten bereits diverse Häuser abgerissen.

Es galt, Platz für die Grossbaustelle zu schaffen, die Schwamendingen aufwerten soll. Neue Genossenschaftssiedlungen werden anstelle der alten entstehen, mit denen der Stadtteil Schwamendingen einst aus dem Boden gestampft wurde. Und zwischen den Siedlungen wird statt dem Autobahn-Einschnitt ein Park entstehen, unter dem täglich 120 000 Autos hindurchfahren. Noch eine Etage tiefer liegt der Schwamendinger Tramtunnel.

Das Grossprojekt lässt sich im neuen Besucherpavillon oberhalb der Baustelle in allen Facetten begutachten: Schautafeln, Multimediapräsentationen und Modelle sind zu sehen. Durchs Fenster fällt der Blick auf die Autobahn, die das Quartier noch zerschneidet.

Gestern fand die offizielle Eröffnung des Besucherzentrums mit Vertretern des Bundes, des Kantons, der Stadt und des Quartiers statt. Ab Ende Januar gibts hier für die Öffentlichkeit Führungen – nach online erfolgter Anmeldung unter www.einhausung.ch/besucherzentrum.

Gebaut wird «das längste Haus der Schweiz», wie der Zürcher Stadtrat Richard Wolff (AL) bei der Einweihung des Besucherzentrums sagte. Die Einhausung erstreckt sich über einen Kilometer. Gleichzeitig verschwinden alte Häuser – und mit ihnen deren Bewohnerinnen und Bewohner. Ob sie zurückkämen, sei fraglich.

«Es wird eine attraktivere Wohnlage, ein Mehrwert für die Stadt», sagte Wolff. Und: Die Genossenschaften, die nun ihre Altbauten durch Neubauten ersetzen, würden dafür sorgen, dass die Mieten nicht explodieren. Er freue sich auf den Park über der Autobahn, sagte Wolff.

Damit werde eine städtebauliche Wunde im Quartier verarztet. Die Geldgeber für die Einhausung Schwamendingen sind der Bund, der Kanton und die Stadt Zürich. Gleichzeitig erfolgt die Sanierung des angrenzenden Schöneichtunnels. Alles zusammen kostet laut Projektleiter Rolf Eberle 608 Millionen Franken.

Den Löwenanteil davon übernimmt der Bund, der die Federführung innehat. Es sei ein Projekt «zum Wohl der Region», sagte Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra). Für die Stadtentwicklung bedeute es eine Aufwertung – eine «Gentrifizierung», so der Astra-Chef.

Damit setzt sich ein Trend fort, der Schwamendingen schon seit rund zehn Jahren verändert, wie Maya Burri, Quartiervereinspräsidentin von Schwamendingen, am Rande der Eröffnung sagte. «Es gibt eine Umschichtung der Bevölkerung.» Burri wertet dies positiv.

Sie war während 30 Jahren Lehrerin im Quartier. «Schon jetzt ziehen in Ersatzneubauten vermehrt wieder Deutschsprachige ein.» Früher habe in manchen Schwamendinger Schulklassen oft kaum ein Kind von Haus aus Deutsch gesprochen.

Die kantonale Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) zog eine Parallele zwischen der Einhausung Schwamendingen und dem Projekt Rosengartentunnel, das sie in Zürich seit Jahren vorantreibt. Hier wie dort zerschneide eine viel befahrene Strasse ein Quartier. Immissions-Grenzwerte würden deutlich überschritten.

«Wir reparieren eine frühere Bausünde», sagt Regierungsrätin Walker Späh. Der Spatenstich für die Einhausung der Autobahn in Zürich Schwamendingen ist im März 2019. Dem Quartier steht ein markanter Wandel bevor.

«Wir reparieren eine frühere Bausünde», sagt Regierungsrätin Walker Späh. Der Spatenstich für die Einhausung der Autobahn in Zürich Schwamendingen ist im März 2019. Dem Quartier steht ein markanter Wandel bevor.

Matthias Scharrer

«Die Lösung, die wir hier haben, ist das Optimum», lobte sie die Einhausung Schwamendingen. Andere Lösungen wie einen Stahldeckel oder eine Absenkung der Strasse habe man verworfen.Stattdessen entsteht nun sieben Meter über der Autobahn ein Park. Die Seitenwände der Einhausung werden mit Kletterpflanzen begrünt, ihre Oberfläche mit Nagelfluh-Steinen gestaltet.

300 Baunächte

Die Bauarbeiten sind auf gut fünf Jahre angelegt. Der Spatenstich erfolgt am 4. März 2019. Fertig soll die Einhausung im zweiten Quartal 2024 werden. Zuerst gilt es, die Seitenwände aufzustellen.

Ab 2023 werden dann die 30 Meter langen und bis zu 70 Tonnen schweren Betonträger quer über die Autobahn gelegt. Diese Arbeiten müssen nachts erfolgen, da dafür die Autobahn sicherheitshalber gesperrt wird. Laut Projektleiter Eberle sind dafür maximal 300 Nachtschichten eingeplant. Pro Nacht sollen bis zu drei Träger eingesetzt werden.

Die Bauphase wird intensiv und auch fürs Quartier belastend. Doch Regierungsrätin Walker Späh zeigte sich überzeugt, dass es sich lohne: «Wir reparieren eine frühere Bausünde, und das Quartier kann wieder zusammenwachsen.»

Das Ende sei absehbar. Wenn es plangemäss 2024 soweit ist, wird seit der Lancierung der städtischen Volksinitiative für die Einhausung Schwamendingen ein Vierteljahrhundert vergangen sein.

Umleitung erfolgt übers Limmattaler Kreuz

Die heikelste Phase beim Bau der Autobahn-Einhausung in Zürich-Schwamendingen beginnt Anfang 2023. Dann wird die Baustelle beim Schöneichtunnel nachts für den Autoverkehr gesperrt, um die Träger des geplanten Autobahndeckels einsetzen zu können.

Die Umleitung für von ausserhalb der Stadt Zürich kommende Autos erfolgt während der Autobahn-Sperrung ab dem Dreieck Zürich Ost via Gubristtunnel zum Limmattaler Kreuz. Von dort aus werden die Fahrzeuge weiter über die Autobahn Richtung Zürich-City geleitet und erreichen die Stadt beim Hardturm-Areal.

Umgekehrt führt die Umleitung für stadtauswärts vom Milchbuck kommende Autos über die grösseren Parallelstrassen in Zürich -Schwamendingen und -Oerlikon, wie Projektleiter Rolf Eberle vom Bundesamt für Strassen (Astra) beim gestrigen Medientermin sagte. Es seien maximal 300 Nachtsperrungen der Autobahn beim Schöneichtunnel geplant, der Grossteil davon im Jahr 2023, ein kleinerer Teil anschliessend bis Mitte 2024.

Das gleiche Umleitungs-Regime galt kürzlich, als in der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember zwei Fussgängerbrücken über die Autobahn in Schwamendingen gebaut wurden. Laut einer Medienmitteilung des Astra verlief die nächtliche Sperrung des A 1-Abschnitts zwischen dem Dreieck Zürich Ost und dem Milchbucktunnel ohne nennenswerte Staus. «Der Verkehr konnte ohne grössere Beeinträchtigungen fliessen», meldete das Astra. (mts)