Mehr als 20 Jahre lang wurde über die Autobahn-Einhausung in Zürich Schwamendingen diskutiert, abgestimmt, geplant, zigfach Einsprache erhoben und beigelegt. Nun naht der Spatenstich im kommenden März. Entlang der Autobahn beim Schöneichtunnel-Portal wurden in den letzten Monaten bereits diverse Häuser abgerissen.

Es galt, Platz für die Grossbaustelle zu schaffen, die Schwamendingen aufwerten soll. Neue Genossenschaftssiedlungen werden anstelle der alten entstehen, mit denen der Stadtteil Schwamendingen einst aus dem Boden gestampft wurde. Und zwischen den Siedlungen wird statt dem Autobahn-Einschnitt ein Park entstehen, unter dem täglich 120 000 Autos hindurchfahren. Noch eine Etage tiefer liegt der Schwamendinger Tramtunnel.

Das Grossprojekt lässt sich im neuen Besucherpavillon oberhalb der Baustelle in allen Facetten begutachten: Schautafeln, Multimediapräsentationen und Modelle sind zu sehen. Durchs Fenster fällt der Blick auf die Autobahn, die das Quartier noch zerschneidet.

Gestern fand die offizielle Eröffnung des Besucherzentrums mit Vertretern des Bundes, des Kantons, der Stadt und des Quartiers statt. Ab Ende Januar gibts hier für die Öffentlichkeit Führungen – nach online erfolgter Anmeldung unter www.einhausung.ch/besucherzentrum.

Gebaut wird «das längste Haus der Schweiz», wie der Zürcher Stadtrat Richard Wolff (AL) bei der Einweihung des Besucherzentrums sagte. Die Einhausung erstreckt sich über einen Kilometer. Gleichzeitig verschwinden alte Häuser – und mit ihnen deren Bewohnerinnen und Bewohner. Ob sie zurückkämen, sei fraglich.

«Es wird eine attraktivere Wohnlage, ein Mehrwert für die Stadt», sagte Wolff. Und: Die Genossenschaften, die nun ihre Altbauten durch Neubauten ersetzen, würden dafür sorgen, dass die Mieten nicht explodieren. Er freue sich auf den Park über der Autobahn, sagte Wolff.

Damit werde eine städtebauliche Wunde im Quartier verarztet. Die Geldgeber für die Einhausung Schwamendingen sind der Bund, der Kanton und die Stadt Zürich. Gleichzeitig erfolgt die Sanierung des angrenzenden Schöneichtunnels. Alles zusammen kostet laut Projektleiter Rolf Eberle 608 Millionen Franken.

Den Löwenanteil davon übernimmt der Bund, der die Federführung innehat. Es sei ein Projekt «zum Wohl der Region», sagte Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra). Für die Stadtentwicklung bedeute es eine Aufwertung – eine «Gentrifizierung», so der Astra-Chef.

Damit setzt sich ein Trend fort, der Schwamendingen schon seit rund zehn Jahren verändert, wie Maya Burri, Quartiervereinspräsidentin von Schwamendingen, am Rande der Eröffnung sagte. «Es gibt eine Umschichtung der Bevölkerung.» Burri wertet dies positiv.

Sie war während 30 Jahren Lehrerin im Quartier. «Schon jetzt ziehen in Ersatzneubauten vermehrt wieder Deutschsprachige ein.» Früher habe in manchen Schwamendinger Schulklassen oft kaum ein Kind von Haus aus Deutsch gesprochen.

Die kantonale Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) zog eine Parallele zwischen der Einhausung Schwamendingen und dem Projekt Rosengartentunnel, das sie in Zürich seit Jahren vorantreibt. Hier wie dort zerschneide eine viel befahrene Strasse ein Quartier. Immissions-Grenzwerte würden deutlich überschritten.

Der Spatenstich für die Einhausung der Autobahn in Zürich Schwamendingen ist im März 2019. Dem Quartier steht ein markanter Wandel bevor.

«Wir reparieren eine frühere Bausünde», sagt Regierungsrätin Walker Späh.

Der Spatenstich für die Einhausung der Autobahn in Zürich Schwamendingen ist im März 2019. Dem Quartier steht ein markanter Wandel bevor.

«Die Lösung, die wir hier haben, ist das Optimum», lobte sie die Einhausung Schwamendingen. Andere Lösungen wie einen Stahldeckel oder eine Absenkung der Strasse habe man verworfen.Stattdessen entsteht nun sieben Meter über der Autobahn ein Park. Die Seitenwände der Einhausung werden mit Kletterpflanzen begrünt, ihre Oberfläche mit Nagelfluh-Steinen gestaltet.

300 Baunächte

Die Bauarbeiten sind auf gut fünf Jahre angelegt. Der Spatenstich erfolgt am 4. März 2019. Fertig soll die Einhausung im zweiten Quartal 2024 werden. Zuerst gilt es, die Seitenwände aufzustellen.

Ab 2023 werden dann die 30 Meter langen und bis zu 70 Tonnen schweren Betonträger quer über die Autobahn gelegt. Diese Arbeiten müssen nachts erfolgen, da dafür die Autobahn sicherheitshalber gesperrt wird. Laut Projektleiter Eberle sind dafür maximal 300 Nachtschichten eingeplant. Pro Nacht sollen bis zu drei Träger eingesetzt werden.

Die Bauphase wird intensiv und auch fürs Quartier belastend. Doch Regierungsrätin Walker Späh zeigte sich überzeugt, dass es sich lohne: «Wir reparieren eine frühere Bausünde, und das Quartier kann wieder zusammenwachsen.»

Das Ende sei absehbar. Wenn es plangemäss 2024 soweit ist, wird seit der Lancierung der städtischen Volksinitiative für die Einhausung Schwamendingen ein Vierteljahrhundert vergangen sein.