Küsnacht
Die Schule kämpft mit den Folgen der Tat

Die Schüler der Weiterbildungs- und Berufswahlschule (WBK) müssen die Konsequenzen aus dem Fall München mittragen.

Jacqueline Surer und Anna Moser
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Limmattaler Zeitung

Kurz vor Mittag ist es an diesem feuchtkalten Montag ruhig rund um die WBK. «Trakt Züri» heisst der Gebäudeteil, wo vor anderthalb Jahren die drei Jugendlichen zur Schule gingen, die am vergangenen Montag in München zu Haftstrafen verurteilt worden sind. Aus diesem Trakt stürmt Minuten später eine Gruppe Schülerinnen und Schüler, manche auf Kickboards, andere mit der anzündbereiten Zigarette in der Hand.

Erlebt ihre Schule nun eine Art Flashback? «Die Lehrerin hat gesagt, wir sollen nicht reden», erklärt ein Mädchen. Ein bisschen redet sie dann doch – darüber, wie gerne sie hier zur Schule gehe: «Die Lehrer sind lieb.» Ein Junge kennt Mittäter Ivan Z. aus Stäfa, ein anderer Benji D. aus Ebmatingen: «Der war gar nicht so schlimm, früher.» Dann plötzlich stellt sich ein Mädchen dazwischen: «Schauen Sie, wir haben mit denen nichts zu tun, das ist zwei Jahre her.»

Von der Presse belagert

Im Juni 2009 hatten drei Schüler der WBK auf der Abschlussreise ihres 10.Schuljahres in München fünf Menschen aufs Schlimmste verprügelt. In den Tagen darauf herrschte in Küsnacht Ausnahmezustand: Behördenmitglieder, Lehrer und Schüler wurden von Medienschaffenden belagert. Am Tag der Urteilsverkündung stand die WBK wiederum im Fokus des öffentlichen Interesses. Um die Schüler zu schützen, habe man sie angewiesen, nicht mit der Presse zu sprechen, erklärt Danièle Glarner, Schulpräsidentin von Küsnacht. «Vor zwei Jahren haben wir diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht.» Ansonsten habe man versucht, den Unterricht so normal wie möglich zu gestalten.

Der Weg zurück in die Normalität ist für die WBK ein steiniger. «Die Ereignisse in München werden immer noch eng mit unserer Schule verknüpft», sagt Glarner. So würden Schüler, die auf Lehrstellensuche seien, immer wieder gezielt auf den «Fall München» angesprochen. «Was völlig ungerecht ist, da diese Schüler überhaupt nichts mit der Sache zu tun haben.» Mittragen müssen die heutigen Schülerinnen und Schüler auch die Konsequenzen der damaligen Ereignisse. So führt die WBK keine Klassenreisen ins Ausland mehr durch. Auch während der Exkursionswochen in der Schweiz müssen die Jugendlichen zu Hause übernachten. Das Engagement der Schule in der Gewaltprävention wurde verstärkt.

Kein Kontakt zu Tätern

Trotz der Bemühungen haben die Taten der drei «Prügel-Schüler» der WBK einen bleibenden Imageschaden zugefügt. So führt auch Danièle Glarner den Rückgang der Schülerzahlen auf die Ereignisse in München zurück. Im letzten Schuljahr besuchten 68Jugendliche die Schule, dieses Jahr sind es noch 58. Zu den drei Tätern hat die Schule keinen Kontakt mehr. Das Urteil des Oberlandesgerichts München will die Schulpräsidentin nicht kommentieren. Betroffen macht Danièle Glarner das Urteil insofern, als die Jugendlichen an der Schwelle ins Erwachsenenleben nun für mehrere Jahre ihren Weg innerhalb eines Gefängnisses bewältigen müssten. Die Tatsache, dass das Gericht jetzt einen Entscheid gefällt hat, bewertet Glarner jedoch als positiv. «Es ist gut, dass alle Beteiligten nach dieser langen Zeit Klarheit haben.» Es sei ihr aber bewusst, dass weder die Urteile noch das Strafmass den Schmerz und das Leid der Opfer aufwiegen könnten. «Nichts kann das, was passiert ist, ungeschehen machen.»