Letzter Abschied
Die schlichte Zürcher Gedenkfeier war «Udo-würdig»

Angehörige und Freunde zeigten sich am Freitag gerührt von der Gedenkfeier im Theater 11 in Zürich. Nebst geladenen Gästen dankten auch viele Fans dem verstorbenen Musiker.

Heinz Zürcher
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Kondolenzbuch für Udo Jürgens in Zürich
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Daneben steht ein Flügel, bedeckt mit Blumen.
Freddy Burger, Udo Jürgens Manager, Paola Felix und Udo Jürgens Sohn John Jürgens
Leute stehen an, um sich im Kondolenzbuch zu verewigen.
Leute stehen an, um sich im Kondolenzbuch zu verewigen.
Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fussballbundes
Krokus-Bassist Chris von Rohr schreibt ins Kondolenzbuch
John Jürgens, der Sohn von Udo Jürgens.
Das Ganze fand im Theater 11 statt
Udo Jürgens erste Frau Panja Jürgens
Günther Netzer mit seiner Frau Elvira
Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch

Kondolenzbuch für Udo Jürgens in Zürich

Keystone

Was sie mit Udo Jürgens verbinde, wird die Frau am Eingang zum Theater 11 in Zürich gefragt – und bricht sogleich in Tränen aus. Von 16 bis 20 Uhr hatten Fans die Gelegenheit, ihre Erinnerungen im Kondolenzbuch zu hinterlassen, sich mit Worten von ihrem Idol zu verabschieden. Gut zwei Dutzend Leute stehen bereits um 15.30 Uhr an. Viele sind schwarz gekleidet, manche halten eine Rose in der Hand, niemand spricht, niemand schaut aufs Handy.

Zur gleichen Zeit ist es auch drinnen im Saal ruhig. Klavierklänge aus dem Repertoire des Verstorbenen untermalen die andächtige Stimmung, man umarmt sich, tauscht sich flüsternd aus. Gut 200 geladene Gäste – Angehörige und Freunde – verabschieden sich von Udo Jürgens und begeben sich gruppenweise auf die Bühne. Auf dem Weg zu den drei Kondolenzbüchern passieren sie ein Klavier, bedeckt mit unzähligen roten Rosen. Auf einer Staffelei steht ein Porträtbild des erfolgreichen Künstlers, daneben ein Kranz mit einer blau-weissen Schleife und der Aufschrift «Die Stadt Zürich dankt Udo Jürgens».

Stadtpräsidentin Corine Mauch hatte sich davor unter Ausschluss der Fans und Medien an die Trauergemeinde gewandt. Sie schwärmte von «einem aussergewöhnlichen Künstler» und «einer beeindruckenden Persönlichkeit». Die Feier sei schlicht gewesen, sagt Mauch später, und das passe zu ihm. «Obschon er ein Star war, ist er bescheiden geblieben.»

«Udo-würdig»

Auch sein Geschäftspartner und Freund Freddy Burger findet den Anlass «Udo-würdig». Er, der Udo Jürgens 40 Jahre lang begleitet hatte, sagt, dass mit dessen Tod auch ein Teil von seinem Leben gegangen sei. Viel Zuwendung erfährt auch Udo Jürgens› Sohn, John Jürgens. «Diese Anteilnahme stützt unsere Familie», sagt er. Es sei schön, zu wissen, dass die Lieder und Texte nachklingen und damit auch ein Teil seines Vaters weiterlebt.

Viel Prominenz hat sich zur Gedenkfeier eingefunden. Paola Felix, Francine Jordi, Günter Netzer, Pepe Lienhard und Jürg Marquard sind gekommen. Der Rocker und Gitarrist Chris von Rohr spricht von «einer der berührendsten Abdankungen» und gesteht, dass ihn die Musik von Udo Jürgens beeinflusst habe – in den Anfängen seiner musikalischen Ausbildung, als er noch Klavier spielte. «Er war der Lieblingssänger meiner Mutter», sagt von Rohr.

Die letzten geladenen Gäste tragen sich im Kondolenzbuch ein. Draussen am Eingang warten mittlerweile weit über 100 Fans auf den Einlass. Manche stehen schon seit einer Stunde Schlange. Benjamin Wilkens will sich schriftlich für die Musik und schönen Live-Momente bedanken. «Er hat mich ein halbes Leben lang begleitet», sagt der 25-jährige Zürcher über Udo Jürgens. Schon mit 11 wollte er an ein Konzert, mit 14 liessen ihn die Eltern zum ersten Mal – in Begleitung der Grossmutter. Seither liebt er diese Musik.

Schon etwas länger verfolgt Marlise Dalzotto-Keller die Karriere von Udo Jürgens; seit sie «Mercie Chérie» zum ersten Mal gehört hat, das war 1966. Am 7. Dezember erlebte sie den letzten Auftritt im Zürcher Hallenstadion – «wie immer in der ersten Reihe», sagt die 62-jährige Wiesendangerin. In der einen Hand hält sie eine rote Rose, mit der anderen kramt sie einen Zettel aus ihrer Tasche hervor: ihre Notiz für das Kondolenzbuch, Zeilen aus dem Lied «In allen Dingen lebt die Musik». Mit 40 Minuten Verspätung geht nun die Tür auf. Kurz darauf wird Marlise Dalzotto mit den anderen Fans auf der Bühne Schlange stehen, Fotos schiessen, Tränen abwischen.

Eine weitere Gelegenheit, sich im Kondolenzbuch von Udo Jürgens einzutragen, bietet sich am Samstag wieder im Theater 11 in Zürich-Oerlikon, von 10 bis 18 Uhr.