Hinwil
Die Schlackedeponie im Gossauer Wald muss warten

Der Regierungsrat will das Volumen der Anlage verdoppeln. Im Kantonsrat regte sich Widerstand gegen diese Pläne. Eine Mehrheit stimmte deshalb einem Verzögerungsantrag zu.

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Die Diskussion um die Deponie war Teil des zweiten Pakets der Teilrevision des kantonalen Richtplanes. (Themenbild)

Die Diskussion um die Deponie war Teil des zweiten Pakets der Teilrevision des kantonalen Richtplanes. (Themenbild)

Keystone

Eine von der Regierung gewollte Vergrösserung der geplanten Schlackedeponie Tägernauer Holz in Gossau hat gestern den Zürcher Kantonsrat beschäftigt. Die Deponiepläne führten zur längsten und engagiertesten Diskussion während der Teilrevision der kantonalen Raumplanung. Schliesslich wurde das Vorhaben aufgeschoben.

Geplant ist die Deponie für Verbrennungsschlacke aus der Kehrichtverbrennung bereits seit längerem. Nun soll das geplante Deponievolumen nach dem Willen der Regierung von 750'000 Kubikmetern auf 1,5 Millionen Kubikmeter verdoppelt werden. Gerodet werden müssten neu 10 Hektaren Wald, anstatt 6 wie bisher.

Widerstand gegen diese Pläne kam von fast allen Seiten. Es wurden insgesamt drei Änderungsanträge gestellt. Während die Grünen die Deponie ganz streichen wollten, forderte die SP, auf die Verdoppelung des Volumens zu verzichten. Zudem stellte Elisabeth Pflugshaupt (SVP, Gossau), Gemeinderätin der Standortgemeinde, den sogenannten «Verzögerungsantrag»: Die Deponie soll erst realisiert werden, wenn die bereits bestehenden Deponien für Schlacke voll sind.

Die Realisierung soll zudem in mindestens drei Etappen erfolgen. Schliesslich soll in Gossau – mit Blick auf eine zweite dort geplante Deponie anderen Typs – nur eine Deponie gleichzeitig betrieben werden. Mit zwei geplanten Deponien sei die Belastung für Gossau einfach zu gross, argumentierte Pflugshaupt, zumal auch ein als Naherholungsgebiet genutzter Wald tangiert sei.

Grüne wollen Deponie abwenden

Die Grünen kämpften mit ihrem Streichungsantrag gegen «den Präzedenzfall zur Aufweichung des Waldschutzes», den eine «Deponie mitten im Wald» darstelle. «Deponien sind von gestern, Kreisläufe sind von heute», betonte Parteipräsidentin Marionna Schlatter (Hinwil).

Pragmatischer gaben sich die Sozialdemokraten: Der Vorschlag des Regierungsrates sei zu grosszügig, als dass genug Druck zur Abfallvermeidung aufgebaut würde, erklärte Ruedi Lais (Wallisellen). Zudem mache der Regierungsrat unklare Angaben zum benötigten Deponie-Volumen. Es bestehe genügend Zeit, die Unsicherheiten zu beseitigen. Bis das geschehen sei, solle das geplante Volumen bei 750'000 Kubikmetern belassen werden.

Kommission spricht von idealem Standort

Hinter die Pläne der Regierung stellte sich die Mehrheit der vorberatenden Kommission. «Es braucht eine Deponie in dieser Grösse», erklärte Kommissionspräsidentin Rosmarie Joss (SP, Dietikon). Der Standort Tägernauer Holz sei dafür gut geeignet. Einerseits erfülle er die hohen geologischen und hydrologischen Anforderungen an eine Schlacke-Deponie. Andererseits liege er nahe der Abfallentsorgungsanlage Kezo in Hinwil, deren Schlacke die Deponie aufnehmen solle.

Das Parlament entschied sich schliesslich mit 140 zu 31 Stimmen für den Verzögerungsantrag aus dem Umfeld der Gossauer Kantonsräte. Nur die SP war dagegen. Deren Antrag gegen die Vergrösserung der Deponie scheiterte mit nur einer Stimme Unterschied hauchdünn. Der Streichungsantrag der Grünen schliesslich war chancenlos.

Die Diskussion um die Deponie war Teil des zweiten Pakets der Teilrevision des kantonalen Richtplanes. Das Paket betrifft die Planung des Verkehrs sowie die von Versorgung und Entsorgung. Das Revisionspaket wurde Ende Nachmittag schliesslich mit 167 zu 2 Stimmen verabschiedet. Am Vormittag schon hatte das Parlament einstimmig das erste Revisionspaket verabschiedet (siehe Text rechts). Es beinhaltet die Themenblöcke Siedlung, Landschaft sowie Öffentliche Bauten und Anlagen. (sda)