Stadtentwicklung
Die SBB schafft in Zürich neuen Wohnraum und Gewerbeflächen

Die SBB benötigt drei grosse Areale in Zürich-West nicht mehr: Sie will die zentral gelegenen Gebiete umnutzen und mit verschiedenen Partnern 1,8 Milliarden Franken in die Entwicklung investieren. Statt vieler Wohnungen setzt die SBB dabei - nach Gesprächen mit der Stadt - auch auf urbane Gewerbe- und Produktionsbetriebe.

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undefined Areal Hardfeld: Hier setzen die SBB auf zukunftsträchtige City-Logistik. (KEYSTONE/Walter Bieri)
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undefined Areal Neugasse: Hier sollen zahlbare Wohnugen entstehen. (KEYSTONE/Walter Bieri)
undefined Die Zuercher Stadtpraesidentin Corine Mauch, links und SBB CEO Andreas Meyer, rechts, strahlen vor dem Projekt Neugasse an einer Medienkonferenz der SBB und der Stadt Zuerich in Zuerich am Mittwoch, 23. November 2016. (KEYSTONE/Walter Bieri)
undefined Andreas Meyer, CEO SBB an einer Medienkonferenz der SBB und der Stadt Zuerich in Zuerich am Mittwoch, 23. November 2016.(KEYSTONE/Walter Bieri)
undefined Die Zuercher Stadtpraesidentin Corine Mauch an einer Medienkonferenz der SBB und der Stadt Zuerich in Zuerich am Mittwoch, 23. November 2016. (KEYSTONE/Walter Bieri)
undefined Zwischen 2017 und 2031 öffnen die SBB drei zentral gelegene Areale in der Stadt Zürich welche nicht mehr für den Bahnbetrieb benötigt werden. Die Areale umfassen eine Fläche von rund 140 000 Quadratmetern, unter anderem das SBB Reperaturcenter. (KEYSTONE/Walter Bieri)
undefined SBB Reparaturcenter an der Zürcher Hohlstrasse: Hier soll ein attraktiver Lebensraum für Logistik und Gewerbe entstehen. (KEYSTONE/Walter Bieri)
undefined SBB Reparaturcenter an der Zuercher Hohlstrasse am Mittwoch, 23. November 2016. (KEYSTONE/Walter Bieri)
undefined SBB Reparaturcenter an der Zuercher Hohlstrasse. (KEYSTONE/Walter Bieri)
undefined SBB Reparaturcenter an der Zürcher Hohlstrasse (KEYSTONE/Walter Bieri)
undefined SBB Reparaturcenter an der Zürcher Hohlstrasse. (KEYSTONE/Walter Bieri)

undefined Areal Hardfeld: Hier setzen die SBB auf zukunftsträchtige City-Logistik. (KEYSTONE/Walter Bieri)

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Die SBB und die Stadt Zürich haben sich auf die Eckwerte und die Strategie für die drei frei werdenden SBB-Areale in Zürich-West direkt an den Bahngleisen geeinigt. Dem sei ein "zähes Ringen" vorausgegangen, hiess es am Mittwoch an einer Medienkonferenz von beiden Seiten.

Die SBB verhehlte dabei nicht, dass sie andere Pläne hegte als die Stadt. Von "Ideen mit mehr Wohnen" sprach Jürg Stöckli, Leiter SBB Immobilien. Doch habe man akzeptiert, dass Stadt und Kanton in diesem Gebiet auch auf Arbeitsplätze setzten.

Nun habe man eine "erste Weichenstellung in einem grossen und wichtigen Projekt für Zürich" erzielt, sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Und Hochbauvorstand André Odermatt (SP) bezeichnete das Projekt als "riesige Chance für die Stadt".

Mitreden beim Wohnraum

Auf der Seite des Prime Towers, im Bereich Neugasse beim Bahnviadukt, soll die bestehende Reparaturwerkstätte der SBB einer neuen Überbauung weichen.

Auf den 30'000 Quadratmetern soll Wohnraum für rund 900 Personen geschaffen werden. Ein Drittel der Wohnungen soll dabei von einer noch auszuwählenden Baugenossenschaft erstellt werden.

Die SBB suche das Gespräch mit dem Quartier und den zukünftigen Nutzern, meinte Immobilienchef Stöckli. Diese sollen - an Workshops oder im Internet - mitreden können, welche Wohnformen oder welche Gebäudeformen realisiert werden. "Wir wissen noch nicht, was es geben wird."

Im kommenden Jahr startet dieses Mitwirkungsverfahren. In den Jahren 2020 bis 2024 dürfte das neue Quartier gebaut werden.

Ein Zentrum für urbane Produktion

Auf der anderen Seite der Gleise werden in den kommenden Jahren an der Hohlstrasse die heutige Service-Anlage der SBB (40'000 Quadratmeter) sowie die Lagerflächen und der Güterumschlagplatz der SBB (70'000 Quadratmeter) frei. Diese Industriezonen bleiben als solche erhalten.

Die SBB will die teilweise denkmalgeschützten Hallen der Service-Anlage zu einem "Zentrum für urbane Produktion" machen. Was in der "Werkstadt" genannten Zone entstehen soll, ist laut SBB noch offen: "Denkbar ist Kleingewerbe oder Gastronomie, es können sich auch Start-ups oder Kreativwirtschaftsbetriebe entwickeln", sagte Stöckli.

Ab 2017 sollen erste Pioniernutzungen erfolgen. Das Areal wird in der Folge bis 2026 etappenweise frei.

Auf dem Areal "Hardfeld", das derzeit als Lager und Güterumschlagplatz genutzt wird, könnten zwischen 2022 und 2031 Veränderungen anstehen. Die SBB spricht von einer "möglichen Drehscheibe für Citylogistik", die sich hier realisieren liesse. "Wir werden nach Nutzungen suchen", meinte Stöckli.

Laut SBB-Chef Andreas Meyer stellen die drei Areale mit zusammengezählt 140'000 Quadratmetern die grösste Entwicklungsfläche des Unternehmens dar. Die Fläche ist doppelt so gross wie die Europaallee, welche die SBB direkt am Zürcher Hauptbahnhof baut.

Kritiker von SBB-Gebietsentwicklungen positiv überrascht

Mit AL-Gemeinderat Niklaus Scherr verfolgte gestern einer der schärfsten Kritiker früherer SBB-Gebietsentwicklungen die Präsentation der neusten SBB-Pläne in Zürich. Er zeigte sich positiv überrascht: «Es ist wichtig, dass bei aller Euphorie über gemeinnützigen Wohnungsbau auch der Werkplatz nicht vergessen geht», so Scherr. Zudem hätten sich die SBB von einer Top-Down-Immobilienpolitik verabschiedet und nun für einen «superpartizipativen Prozess» entschieden.

Allerdings gelte es abzuwarten, was dabei herauskomme. Am Schluss würden wohl immer noch ökonomische Faktoren entscheiden. Auch Markus Knauss, Gemeinderat der Grünen und Co-Leiter des VCS Zürich, war des Lobes voll: Mit Gewerbe, Industrie und günstigen Wohnungen seien die richtigen Nutzungen geplant.

Gut sei auch, dass die SBB im Areal Neugasse auf autoarmes Wohnen setzen. Letzteres bezeichnet die CVP in einem Communiqué als «einzigen Wermutstropfen». Ansonsten sieht sie «vielversprechende und zukunftsgerichtete Weiterentwicklungshorizonte».

Besonders lobt die CVP, dass Gewerbe und Start-ups Raum erhalten sollen. Die SP «freut sich, dass auf einem Drittel des Areals Neugasse gemeinnützige Wohnungen entstehen sollen», schreibt sie in ihrem Communiqué. Für die restlichen zwei Drittel des Bodens fordert die SP ein Vorkaufsrecht für die Stadt. (mts)