Momentan werde noch an den Rampen gearbeitet, sagt SBB-Mediensprecherin Lea Meyer. Parallel dazu würden die Brückenplatten über den Pfeilern verstärkt. Die Verstärkungen sind nötig zur Behebung eines Planungsfehlers, der bei einer der regelmässig durchgeführten Kontrollen an den Brücken festgestellt wurde. Überprüfungen ergaben, dass der Brückentrog dort, wo er auf den Pfeilern aufliegt, für den Bahnbetrieb zu schwach ausgebildet wäre.

Beton statt Schotter

Nach der Fertigstellung der Verstärkungen werden die Brücken nun statt wie eigentlich vorgesehen mit Schotter mit einer Betonfahrbahn versehen, in der die Gleise verankert werden. Im Bahnhof Löwenstrasse oder im Weinbergtunnel ist das auch so geschehen. Die feste Fahrbahn ermögliche, die Stellen oberhalb der Brückenpfeiler zu verstärken und dabei die ursprünglich geplante Gleislage beizubehalten, erklärt SBB-Sprecherin Meyer. An den Pfeilern selbst und ihren Fundamenten müsse hingegen nichts nachgebessert werden.

Der Mangel war unmittelbar vor Eröffnung der ersten DML-Bauetappe mit Weinbergtunnel und Bahnhof Löwenstrasse am 14. Juni vom Onlineportal «Watson» publik gemacht worden. Dass die resultierende Kostenüberschreitung «massiv» sei, wie damals teilweise zu lesen war, stellt Meyer in Abrede. Die genaue Höhe des Schadens sei aber noch nicht zu beziffern. Für die Bahn ist klar, dass nicht sie die Zusatzkosten übernehmen muss, sondern die für den Planungsfehler verantwortliche Firma beziehungsweise deren Versicherung. Ein Rechtsstreit zeichne sich deswegen zurzeit nicht ab, sagt die SBB-Sprecherin.

Die Letzigrabenbrücke wurde mittels Vorschubgerüst erstellt und ist mit 1156 Metern das längste Bahnviadukt der Schweiz. Die Kohlendreieckbrücke ist 394 Meter lang. Die Pfeiler sind zwischen 6 und 16 Metern hoch. Für beide Brücken zusammen sind Baukosten von 300 Millionen Franken veranschlagt. Davon entfallen 180 Millionen auf den Brückenbau und 120 Millionen auf den Einbau der bahntechnischen Anlagen. Ab nächstem Frühjahr werden die feste Fahrbahn mit den Schienen und parallel dazu die Kabelkanäle, Signale, Fahrleitungen und weiteres eingebaut, sagt Meyer. Ab Herbst sollen dann Probefahrten stattfinden. Als Termin für die Inbetriebnahme ist der 13. Dezember 2015 festgelegt. Er könne aus heutiger Sicht eingehalten werden, sagt Meyer.