Rund vier Millionen Franken pro Jahr will der Zürcher Regierungsrat mit einem neuen Finanzierungsmodell für die Mittelschulen einsparen. Das gab er im Zusammenhang mit der Leistungsüberprüfung 2016 (Lü16) bereits im Frühling bekannt. Nun zeigt er auf, wie das gehen soll. Kurz gesagt: Fürs Langzeitgymi soll es weniger Geld geben, und wer direkt nach der Primarschule aufs Gymi will, muss künftig strengere Aufnahmekriterien erfüllen. «Querfinanzierungen vom Unter- zum Obergymnasium oder Fehlanreize in Bezug auf die Untergymnasiastinnen und -gymnasiasten sollen ausgeräumt werden», schreibt die Regierung in ihrer gestern veröffentlichten Antwort auf eine kantonsrätliche Anfrage der Grünen. Hintergrund: Seit der Einführung des heute gültigen Finanzierungsmodells für die Mittelschulen im Jahr 1997 sei die Untergymnasialquote um rund 50 Prozent gestiegen, während die Übertritte von der Sekundarschule aufs Obergymnasium stagnierten.

Die Regierung folgert daraus: «Für das Unter- und Obergymnasium sollen je separate Lektionenfaktoren eingeführt werden.» Der Lektionenfaktor ist eine zentrale Kennziffer, aus der sich ergibt, welche Schulstufe wie viel Geld erhält. Analysen hätten gezeigt, dass im Untergymnasium weniger Lektionen pro Schülerin und Schüler als im Obergymnasium aufgewendet werden.

Tiefere Ausfallquote angepeilt

Wie der neue Verteilschlüssel genau ausgestaltet wird, ist noch offen. Doch die Richtung ist klar, erklärt Mittelschul- und Berufsbildungsamtschef Mark Kummer: «Der Lektionenfaktor für das Untergymnasium wird tiefer sein, weil das Untergymnasium weniger aufwändig und weniger komplex ist als das Obergymnasium. Derjenige für das Obergymnasium wird entsprechend höher sein.» Das neue Finanzierungsmodell solle die «verursachergerechte Finanzierung der jeweiligen Schulstufe» gewährleisten, heisst es in der Regierungsrats-Antwort.

Was die Regierung damit erreichen will, macht sie ebenfalls klar: «Es wird davon ausgegangen, dass mit der Anpassung des Finanzierungsmodells die Aufnahme ins Gymnasium stärker leistungsbezogen und wieder vermehrt aus der Sekundarstufe erfolgt; dies bei einer insgesamt unveränderten Quote an Maturitätsabschlüssen.» Gleichzeitig solle die Ausfallquote bei den Gymnasiasten während der Probezeit gesenkt werden. Konkrete Vorgaben zu Aufnahme- und Verbleibquoten im Untergymnasium mache der Kanton aber nicht.

Die Rechnung ist simpel: Wenn weniger Kinder die halb kantonal, halb kommunal finanzierten Untergymnasien besuchen, wird der Kanton finanziell entlastet. Den Gemeinden hingegen, die die Sekundarschulen zu fast 100 Prozent finanzieren, könnten Mehrkosten entstehen. Letzteres bestreitet der kantonale Amtschef Kummer indes: «Wenn sich durch eine spätere und stärker leistungsbezogene Aufnahme auch die unerwünscht hohe Ausfallquote – vor allem während der Probezeit – reduzieren wird, wird die Massnahme nicht zu Mehrkosten für die Gemeinden führen.»

Karin Fehr, Kantonsrätin der Grünen, ist enttäuscht von der regierungsrätlichen Antwort auf ihre Anfrage: «Die wesentlichen Fragen hat die Regierung nicht beantwortet», sagt sie. So blende der Regierungsrat in seiner Stellungnahme aus, dass die Schülerzahlen im Untergymnasium aufgrund des Nachfragedrucks vonseiten der Eltern gestiegen seien: «Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder möglichst früh aufs Gymnasium. Sie sind von der Angst getrieben, dass man nur mit Matur gute Zukunftschancen hat.» Dies sei nicht durch ein neues Finanzierungsmodell für die Mittelschulen zu beeinflussen: «Man muss die Stärken der Berufsbildung stärker hervorheben», fordert Fehr. Hier habe die Regierung aber ein Glaubwürdigkeitsproblem, da sie mit Lü16 auch in der Berufsbildung spare. Fehr weiter: «Das bildungspolitische Ziel, wonach mehr starke Schüler auf die Sekundarschule gehen sollten, hat der Kantonsrat schon mehrfach unterstützt.» Nun werde es aber für ein Sparziel missbraucht – mit fragwürdigen Erfolgsaussichten: «So, wie die Massnahme aufgegleist ist, hat man null Garantie, dass das Ziel erreicht wird.»

Das war der kantonale Aktionstag gegen die Sparmassnahmen: