Zürich
«Die Puppen machen alles, auch gebären»: Ausbildung zur Hebamme

Hebammen werden in der Schweiz an vier Fachhochschulen ausgebildet. Beatrice Friedli, Leiterin des Instituts für Hebammen, erklärt, wie die Ausbildung funktioniert.

Liana Soliman
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Beatrice Friedli - Leiterin Institut für Hebammen

Beatrice Friedli - Leiterin Institut für Hebammen

Beatrice Friedli

Die Ausbildung zur Hebamme war lange Zeit kein akademischer Bildungsweg. Die Fachpersonen wurden in Frauenkliniken und anderen Ausbildungsstätten vorbereitet. Den dreijährigen Bachelorstudiengang führte man an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) 2008 ein. Ein ähnlicher wird auch an der Fachhochschule in Bern, Genf und Lausanne angeboten. Die neue Hebammenausbildung setzt sich aus den drei Blöcken Bachelor, Master und Doktorat zusammen. «Die Bologna-Reform war ausschlaggebend für die Positionierung auf Fachhochschulstufe, weil diese Berufsgruppe eine hohe Verantwortung trägt und selbstständig arbeiten können muss», sagt Beatrice Friedli, Leiterin des Instituts für Hebammen an der ZHAW.

"Wir würden wirklich gerne mehr Studierende aufnehmen."

Beatrice Friedli

Unterschied zu früheren Ausbildung liege darin, dass der Unterricht an den Fachhochschulen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Fundiertes Forschungswissen und neuste Erkenntnisse würden den Hebammen heute als Grundlage für ihr Handeln dienen. Früher wurde mehr auf Erfahrungswissen aufgebaut und den werdenden Hebammen weitergegeben.

Gebärende Puppen zum Üben

Die ZHAW bietet auch praktischen Unterricht an: An der Fachhochschule wurden Praxiszimmer eingerichtet, in denen es computergesteuerte Puppen gibt, mit denen Simulationstrainings stattfinden. «Die Puppen machen alles, auch gebären. Die Studierenden können so auch Notfallsituationen üben und besser auf die Berufspraxis vorbereitet werden», sagt Friedli. Das Studium setzt sich abwechselnd aus Theorie- und Praxisteilen zusammen. Zudem muss am Ende der drei Jahre ein zehnmonatiges Praktikum bei verschiedenen Ausbildungsinstitutionen absolviert werden. Die Fachhochschule kann jährlich nur 66 Studierende aufnehmen. «Wir haben aber drei Mal so viele Bewerberinnen, es sind nur Frauen. Wir würden wirklich gerne mehr Studierende aufnehmen», sagt Friedli.

Die Nachfrage nach den Diensten einer Hebamme sei mit den steigenden Geburtsraten und den kurzen Spitalaufenthalten grösser geworden. Gleichzeitig sind die Hebammen oftmals selbst im gebärfähigen Alter und würden, nachdem sie eigene Kinder bekommen hätten, oft nur noch Teilzeit arbeiten oder ganz aufhören. Das führe zu Engpässen.

Der Ruf nach Veränderung

Die grössten Schwierigkeiten der freiberuflichen Hebammen liegen laut Friedli bei den Tarifverhandlungen und der angemessenen Entlohnung. Ein weiteres Problem sei, dass Hebammen nicht alle ihre vorhandenen Kompetenzen ausschöpfen können, wenn es sich um eine risikofreie Geburt handelt.

«Werdenden Müttern muss bewusst sein, dass Hebammen Fachfrauen für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind und sie sich deshalb auch an sie wenden», sagt Friedli. Die Ausbildnerin wünscht sich für die Hebammen, dass diese ihre hohe Motivation, Frauen und Babys zu betreuen, nicht verlieren. Friedli hat ein weiteres Anliegen: «Ich wünsche mir, dass der Beruf respektiert und angemessen entlöhnt wird. Es fehlt die Anerkennung für diese Berufsgruppe.»