Das Hochschulgebiet wird mittelfristig gestärkt. Ein Masterplan, den der Kanton Zürich vorgelegt hat, sieht einerseits umfassende Sanierungen der bestehenden Gebäude vor, andererseits beinhaltet er aber auch die «Weiterentwicklung des Gebiets zu einem modernen, städtischen Hochschulzentrum mit Neubauten». Die heute genutzten Flächen könnten erneuert und um rund 40 Prozent erweitert werden.

Dies bedeutet natürlich auch: Das Hochschulgebiet wird dereinst von bedeutend mehr Personen frequentiert. Doch wie bringt man all diese Leute auf das Hochplateau, fragte sich gestern der Stadtzürcher Tiefbauvorstand Filippo Leutenegger (FDP) im Rahmen der jährlichen Baustellen-Pressekonferenz. «Wir können nicht einfach mehr Trams die Rämistrasse hinaufschicken, die stehen sich dann gegenseitig auf den Weichen», sagte Leutenegger.

Der FDP-Stadtrat forderte gestern vom Kanton, dass dieser die Erschliessungsfrage «grossräumig» angehe. Konkrete Projekte liegen nicht vor, Leutenegger präsentierte aber als «Gedankenanstoss» ein paar mögliche Szenarien.

Für ihn ist dabei klar, dass «wir ausserhalb der bestehenden Strassen denken müssen». Anders liessen sich die erwarteten Mobilitätsströme im Stadtzentrum kaum bewältigen. Angesichts des Höhenunterschiedes von den Bahnhöfen zum Hochschulquartier stehen für das städtische Tiefbauamt «Aufstiegshilfen» im Zentrum der Überlegungen.

Eine solche Aufstiegshilfe stellt heute die Polybahn dar; die Doppelpendel-Standseilbahn bewältigt vom Central aus in 100 Sekunden 41 Höhenmeter. Allerdings dürfte die Kapazität von 1200 Personen pro Stunde zu knapp sein.

Polybahn durch Rolltreppe ersetzen

Leutenegger präsentierte gestern deshalb als Vision die Variante «Polyflow»: Eine Rolltreppe oder ein Fahrsteig für den Transport von Velos könnte die Polybahn ersetzen. Der Vorteil liegt für die Planer auf der Hand: «Relativ kleiner Eingriff mit geringen Kosten und hohem Nutzen», heisst es in den Unterlagen.

Einen grossen Nachteil gibt es aber: Die Akzeptanz des Rückbaus, also des Polybahn-Abbaus, könnte «problematisch» sein, wie es zurückhaltend formuliert heisst. Auch Leutenegger betonte gestern, dass er nicht das Ende der Polybahn wolle («ich liebe die Polybahn»). Aber es gehe darum, «in alle Richtungen zu denken».

Als Denkanstösse regen die städtischen Planer im Weiteren den Bau von Liften oder Rolltreppen an anderen Orten an. So liesse sich etwa das Parkhaus Central umnutzen. Beispielsweise als Zugang zu einem Vertikallift, der aufs Hochschulplateau führt (Variante «Porta Scientifica»), oder als Zugang zu einem Vertikalstollen mit Rolltreppe und Velolift, der in die Rämistrasse mündet (Variante «ScienceHub»).

Laut Leutenegger liessen sich allenfalls auch beim möglichen Bau eines vierten Gleises im Bahnhof Stadelhofen Synergien nutzen, um einen neuen Zugang zum Hochschulquartier zu schaffen.

Auch gemäss dem kantonalen Masterplan stellt die Erschliessung eine Herausforderung dar. Es wird zwar darauf hingewiesen, dass gemäss dem regionalen und dem kommunalen Richtplan der Stadt Zürich das Hochschulgebiet «durch regionale und kommunale Velorouten sehr gut erschlossen ist und das Fusswegenetz relativ dicht ist».

Allerdings würden bei den Fusswegen direkte Verbindungen zwischen Hauptbahnhof respektive Central und dem Zentrum des Hochschulgebietes fehlen. Und viele Veloverbindungen seien bis heute noch nicht realisiert. «Das vorhandene Netz wird durch nutzerfreundliche Angebote erheblich ergänzt», heisst es deshalb im Bericht, der auch «mechanische Hilfen (Rolltreppen, Lifte)» nicht ausschliesst.