Zürich
Die Pensionskasse will den Vorsorgeplan ändern

Seit mehreren Wochen gehen auf der Redaktion aus allen Regionen im Kanton ähnliche Meldungen ein: Gestern wurde beispielsweise bekannt, dass 17 Lehrpersonen der Bäretswiler Sekundarschule der Pensionskasse BVK einen Protestbrief geschrieben haben.

Oliver Graf
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Nachdem sich die Pensionskasse BVK vor einigen Jahren etwas von früheren Wirren erholt hatte, stehen bereits wieder schwierige Zeiten an. Keystone

Nachdem sich die Pensionskasse BVK vor einigen Jahren etwas von früheren Wirren erholt hatte, stehen bereits wieder schwierige Zeiten an. Keystone

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Auch 14 Mitarbeitende des kantonalen statistischen Amtes haben ein kritisches Schreiben abgesetzt. Am Montag meldete eine Interessengemeinschaft, die sich in Kloten gebildet hat, dass in der Flughafenstadt 110 Verwaltungsangestellte und 72 Lehrerpersonen eine Protestnote unterschrieben hätten.

Vergleichbare Schreiben sind, unter anderem, schon an der Sekundarschule Oberseen in Winterthur und an der Kantonsschule Limmattal verfasst worden. Auf der Stadtverwaltung Uster ist eine Petition und Unterschriftensammlung im Umlauf.

Die Kritik richtet sich gegen die auf 2017 angekündigten Änderungen bei der grössten Pensionskasse im Land; die BVK hatte im Sommer «Massnahmen zur nachhaltigen Finanzierung» präsentiert, um den Vorsorgeplan «an das veränderte wirtschaftliche Umfeld und die steigende Lebenserwartung anzupassen».

Der garantierte Zins soll, wegen der gesunkenen Renditeaussichten, von heute 3,25 auf 2 Prozent sinken. Und die Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen früher als heute Sparbeiträge leisten (neu ab 21 Jahren), und diese fallen später, von 24 Jahren bis zur Pensionierung, stets höher aus als heute.

In einem sieben Seiten umfassenden Merkblatt hält die BVK fest, dass entscheidend für die Leistungen in der Altersvorsorge natürlich immer die Zinserwartungen seien. «Insgesamt», heisst es aber, «kann das modellmässige Leistungsniveau im Durchschnitt nahezu erhalten werden.»

BVK-Chef Thomas Schönbächler sprach in einem Referat, das er in Zürich und Winterthur hielt und auf der Firmenwebsite in einer Kurzversion zur Verfügung steht, von einem «ausgewogenen Paket». Mit einem Bündel von Massnahmen sollen «faire Renten für alle Versicherten» ermöglicht und gesichert werden.

Bei den BVK-Versicherten kamen die Änderungen aber nicht gut an. Oberrichter kritisierten, dass keine Vernehmlassung durchgeführt worden sei. Die Präsidenten der Zürcher Bezirksgerichte sprachen von einem «absolut inakzeptablen» Vorgehen.

Bei den Anpassungen handle es sich um einen Rentenabbau von etwa 10 bis 15 Prozent und eine gleichzeitige Erhöhung der Beiträge. Es folgten weitere kritische Briefe. Die Gewerkschaft VPOD hat auf ihrer Internetseite einen «Musterprotestbrief» vorbereitet und führt einen laufend aktualisierten «Protestticker»; sie hofft, den Druck so weit zu erhöhen, dass der Stiftungsrat die Massnahmen wieder zurücknimmt, wofür bislang aber keine Anzeichen bestehen.

Der Verein der Zürcher Gemeindeschreiber und der Verwaltungsfachleute will nun eine Expertise in Auftrag geben, ob die Massnahmen «BVK 2017» angemessen seien. Der Verband der Gemeindepräsidenten ist angefragt worden, ob er sich daran beteiligt. Ein Entscheid sei noch nicht gefallen, sagt Verbandspräsident Jörg Kündig (Gemeindepräsident Gossau).

Die inzwischen verselbstständigte BVK ist die Vorsorgeeinrichtung der Angestellten des Kantons Zürich sowie von 470 angeschlossenen Arbeitgebern. Mit 114 000 Versicherten ist sie die grösste Pensionskasse der Schweiz.