Staatlich anerkannt sind im Kanton Zürich bislang nur fünf alteingesessene Glaubensgemeinschaften: von alters her die reformierte Landeskirche, seit 1963 auch ihr katholisches Pendant sowie die Christkatholiken und seit 2006, als die neue Kantonsverfassung in Kraft trat, auch die Israelitische Cultusgemeinde und die Jüdisch liberale Gemeinde.

Nun gibt es auch bei den orthodoxen Christen konkrete Bestrebungen, um dereinst staatliche Anerkennung zu bekommen: «Im September ist die offizielle Gründung eines orthodoxen Dachverbandes geplant», sagt auf Anfrage Shnork Tchekidjian, Pfarrer der armenisch-apostolischen Kirche in Zürich. «Das ist ein erster Schritt in Richtung staatlicher Anerkennung.» Stattfinden soll der Gründungsakt in der griechisch-orthodoxen Kirche, einem eindrücklichen weissen Kuppelbau nahe der Zürcher Kornhausbrücke.

Tchekidjian schätzt, dass insgesamt bis zu 200 000 orthodoxe Christen im Kanton Zürich leben. Genaue statistische Angaben dazu gibt es nicht. Die kommen aus verschiedensten Ländern. Entsprechend zersplittert ist denn auch bislang ihre kirchliche Organisation: So gibt es eine russisch-, eine griechisch-, eine serbisch-, eine rumänisch-, eine syrisch-, eine koptisch-, eine eritreisch-orthodoxe sowie eine armenisch-apostolische Kirchgemeinde.

Das Streben nach staatlicher Anerkennung begründet Tchekidjian primär mit der grossen Anzahl orthodoxer Christen im Raum Zürich. Auch im Hinblick auf Dienstleistungen in staatlichen Institutionen, etwa Spitalseelsorge, wäre sie relevant und für die Zusammenarbeit der Gemeinden untereinander nützlich. Finanzielle Überlegungen stecken laut Tchekidjian aber nicht dahinter.

Dennoch brächte die staatliche Anerkennung auch finanzielle Vorteile. Die Kirchensteuern fliessen zwar ausschliesslich in die Kassen der anerkannten öffentlich-rechtlichen Körperschaften der Reformierten, Katholiken und Christkatholiken. Doch auch die privatrechtlich organisierten beiden anerkannten jüdischen Gemeinden erhalten Staatsbeiträge – derzeit jährlich insgesamt 250 000 Franken, wie Andreas Müller von der kantonalen Direktion für Justiz und Inneres auf Anfrage sagt. Die Beiträge hängen von der Mitgliederzahl ab und dürfen nur für Leistungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung eingesetzt werden.

Demokratische Strukturen nötig

Müller bestätigt, dass von Orthodoxen letztes Jahr eine Anfrage einging, wie das Verfahren zur staatlichen Anerkennung aussehe. «Ein eigentliches Anerkennungsverfahren gibt es allerdings nicht», sagt Müller. Vielmehr erforderte die staatliche Anerkennung zusätzlicher Religionsgemeinschaften eine Verfassungsänderung. Und: Sie kommt nur infrage, wenn die betreffende Religionsgemeinschaft demokratisch strukturiert ist und ihre Buchhaltung offenlegt. Auch Verfassungsgrundsätze wie die Gleichbehandlung von Mann und Frau müssen gewährleistet sein.

Mit anderen Worten: Der Weg zur staatlichen Anerkennung ist hürdenreich und lang. Die Orthodoxen haben ihn mit dem geplanten Zusammenschluss nun in Angriff genommen.

Grundsätzlich daran interessiert wären auch die muslimischen Gemeinden, so Muhammad Hanel, Sprecher der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich. «Aber momentan haben wir keine konkreten Schritte in diese Richtung geplant.»