Jagd

Die Ökoallianz prägt das neue Zürcher Jagdgesetz

Die Jagd ist nicht mehr, was sie einmal war: Ökologische Anliegen werden im neuen Gesetz gestärkt.

Die Jagd ist nicht mehr, was sie einmal war: Ökologische Anliegen werden im neuen Gesetz gestärkt.

Von der Bedeutung des Waldes in Coronazeiten über Ausländer als Revieraufseher bis hin zum Leinenzwang für Hunde im Wald und am Waldrand: Die Revision des kantonalen Jagdgesetzes sorgte für rege Diskussionen.

In einem waren sich Vertreter aller Parteien einig: Die Jagd ist nicht mehr, was sie 1929 war, als das Zürcher Jagdgesetz entstand. Deshalb brauche es eine Gesamtrevision. 2018 legte der damals noch klar bürgerlich dominierte Regierungsrat seinen Entwurf dazu vor. Am Montag hat der Kantonsrat das neue Gesetz durchberaten, wobei sich zumeist die Ökoallianz der Mitte-links-Parteien durchsetzte.

Die Kernpunkte der Gesetzesrevision umriss Beat Bloch (CSP, Zürich) als Präsident der vorberatenden Kommission wie folgt: Es gehe um Wildruhezonen, Wildkorridore, mehr Weiterbildung. Die Zeit des Corona-Lockdowns habe einen Trend verstärkt, meinte Birgit Tognella (SP, Zürich): «Der Wald ist unser zweites Wohnzimmer geworden.» Dem gelte es Rechnung zu tragen, etwa mit Wildruhezonen. Gleichzeitig sei die Jagd nötig fürs ökologische Gleichgewicht.  «Das Jagdgesetz ist zentral für die Zukunft der Zürcher Wälder», fügte Martin Farner (FDP, Stammheim) an. Der «ökologische Touch» des Gesetzes werde aber nicht jedem gefallen, sagte Urs Waser (SVP, Langnau am Albis).

Ratsrechte warnt vor
«Bürokratielawine»

So setzte die Ökoallianz von SP, Grünen, GLP, AL und EVP durch, dass der Kanton für die einzelnen Jagdreviere Bestimmungen über den Lebensraum- und den Artenschutz festlegt. Auch müsse er beim Verpachten der Reviere einen ökologischen Leistungsnachweis einfordern.

Die Sprecher von FDP, SVP und CVP warnten vor einer «Bürokratielawine», unterlagen jedoch. Baudirektor Martin Neukom (Grüne) sagte, die Bestimmungen zum Lebensraum- und Artenschutz für die Reviere würden wohl Aufwand und Kosten verursachen. Diese liessen sich aber im Rahmen halten, da der Kanton ja auch für mehrere der 172 Jagdreviere die gleichen Bestimmungen erlassen könne.

Die Ökoallianz sorgte zudem dafür, dass Jagdgesellschaften einen Preisnachlass beim Pachtzins erhalten, wenn sie Projekte zu Gunsten des Arten- oder Lebensraumschutzes realisieren. FDP und SVP waren dagegen. Schliesslich täten die Jäger das ja auch heute schon, auch ohne dafür entschädigt zu werden, argumentierte Andreas Geistlich (FDP, Schlieren) – und wurde überstimmt.

Unbestritten war ein Alkohol- und Drogenverbot, das der Kantonsrat dem regierungsrätlichen Jagdgesetz-Entwurf hinzufügte: Demnach wird von der Jagd ausgeschlossen, wer wiederholt in angetrunkenem Zustand, unter Einfluss von Betäubungsmitteln oder Arzneimitteln jagt.

Einmal  bröckelte die Ökoallianz: nämlich bei der Frage, ob der Kanton das Betreten bestimmter Gebiete respektive Freizeitaktivitäten verbieten müsse oder könne,  wenn diese erheblich störende Auswirkungen auf Wildtiere haben. Es gehe um die Biker im Wald, meinte Birgit Tognella (SP, Zürich). Und Yvonne Bürgin (CVP, Rüti) warnte vor einschneidenden Folgen für Orientierungsläufer und Pfadfinder. Aufgrund von Abweichlern im links-grünen Lager obsiegte in diesem Fall die Ratsrechte knapp – und verankerte die weichere Kann-Formulierung im Gesetz.

Hart auf hart ging es dann beim Thema Revieraufsicht. Die links-grünen Parteien wollten nicht nur Schweizer, sondern auch Ausländer mit Niederlassungsbewilligung als Revieraufseher zulassen. FDP und SVP wehrten sich dagegen, für einmal unterstützt von der EVP, während die CVP nicht mitzog. Es kam zur Pattsituation. Ratspräsident Roman Schmid (SVP, Opfikon) gab per Stichentscheid den Ausschlag zugunsten der Ratsrechten. So bleibt die Revieraufsicht an die Schweizer Staatsbürgerschaft gekoppelt.

Eine Leinenpflicht für Hunde im Wald oder am Waldrand, die zum Schutz von jungem Wild vom 1. April bis 31. Juli gelten soll, hiess ein Grossteil der SVP dann zusammen mit Mitte-links gut. Gegenwehr kam vor allem von der FDP. Die Schlussabstimmung über das Jagdgesetz findet voraussichtlich in vier Wochen statt.

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