Wenn am Flughafen Zürich Triebwerke getestet werden mussten, standen für den Schallschutz bisher nur ein paar Röhren aus den 70er-Jahren und ein Provisorium zur Verfügung, das noch nicht einmal ein Dach hatte. Darum hat der Flughafen in den letzten zwei Jahren seine eigene Schallschutzhalle gebaut, die er gestern eingeweiht hat. Die neue Halle ist knapp 80 Meter breit, fast 130 Meter lang und etwa 25 Meter hoch. Gross genug, um vom Privatflugzeug bis zu einer Boeing 747 alle möglichen Flugzeugmodelle zu testen. Das Gebäude ist eine Rarität, neben Kloten verfügen nur Hamburg und Leipzig über eine solche Einrichtung.

Weil die anliegenden Gemeinden befürchteten, dass sie durch die neue Halle Tag und Nacht mit Triebwerktests beschallt würden, hat der Flughafen das Lärmmesssystem Dosimeter entwickelt. Dieses überprüft mittels sechs in der Halle angebrachten Mikrofonen den verursachten Lärm und rechnet aus, wie viel davon pro Tag, Nacht und Woche produziert wurde. Denn der Flughafen hat für die Schallschutzhalle nur ein gewisses Lärmkontingent zur Verfügung. Hat er dieses aufgebraucht, muss er auf weitere Tests verzichten. Der Vorteil dieses Systems: Nicht jeder Test ist gleich laut. Ein Businessjet, dessen Turbine nicht auf maximaler Schubkraft geprüft werden muss, verursacht weniger Lärm als ein Passagierflugzeug, dessen Triebwerk bis an die Grenzen ausgelastet wird. Die reine Anzahl an Tests ist entsprechend wenig aussagekräftig. Das Dosimeter misst die tatsächlich verursachte Lärmbelastung. Manuel Navarro

Lärmschluckendes Ungetüm aus Stahl und Beton

Als einer von nur drei Flughäfen in Europa hat der Flughafen Zürich seit gestern offiziell eine Lärmschutzhalle. Das gigantische Gebäude soll in Zukunft den Lärm dämpfen, den Triebwerktests verursachen.

Wenn man davor steht, wirken die Tore der neuen Schallschutzhalle am Flughafen Zürich riesig. Vielleicht ist «Tor» auch einfach der falsche Begriff, denn mit ihren 55 Metern Länge, 10 Metern Breite und einer Höhe von bis zu 16 Meter sind die beiden Stahl- und Betonkonstruktionen eher verschiebbare Gebäude als Torflügel. Jeder davon ist 550 Tonnen schwer. Zum Vergleich: Soviel wiegt ein maximal beladener Airbus A380 beim Start. Doch obwohl die Tore und ihre Dimensionen massiv sind, erlaubt es ihre lamellenartige Struktur, dass man einfach durch sie hindurchspazieren kann, selbst wenn sie geschlossen sind. Ein Widerspruch: Baut man nicht schwere Stahltore, um etwas möglichst dicht zu verschliessen?

Scheinbare Gegensätze

Tatsächlich macht es Sinn, dass die Tore so durchlässig konstruiert sind. «Die Lärmschutzhalle versucht zwei Konzepte zu vereinen, die sich eigentlich direkt widersprechen», erklärt Projektleiter Beat Burkhard. Grundsätzlich dient die Halle dazu, nach Wartungsarbeiten und Reparaturen Triebwerke testen zu können. Das verursacht eine Menge Lärm, auch bei modernen Motoren. Die Lärmschutzhalle soll dafür sorgen, dass die Anrainergemeinden davon kaum etwas mitkriegen. Der Schall soll darum nicht nach aussen dringen. Das bedeutet, dass das Gebäude so geschlossen wie möglich sein soll.
Andererseits: Triebwerke brauchen viel Luft. Bis zu 1200 Kubikmeter pro Sekunde saugen gewisse Modelle an, das entspricht in etwa dem Volumen eines Einfamilienhauses. Können die Triebwerke nicht genügend Luft anziehen, kann es passieren, dass es die Rotorschaufeln nach hinten aus den Turbinen jagt. Und diese dadurch massiv beschädigt werden. Wenn man ein Flugzeug von der Grösse einer Boeing 747 - mit Ausnahme des Airbus A380 hat jedes Passagierflugzeugmodell Platz im neuen Gebäude - in eine Halle stellt, muss diese darum gleichzeitig so offen wie möglich konstruiert sein.
Die Lärmschutzhalle löst diesen Widerspruch elegant. Durch ihre Tore kann die Luft ohne Verwirblung zu den Triebwerken strömen. Der Schall wird durch die eingebauten Lamellen gedämpft. Im Inneren der Halle wurden 22 000 Quadratmeter schalldämpfendes Material verbaut, das entspricht der Grösse von drei Fussballfeldern. Im hinteren Teil des Gebäudes lenkt eine abgerundete Wand - ebenfalls aus lärmschluckendem Material - den bis zu 240 Stundenkilometer schnellen Triebwerksstrahl nach oben und durch eine Öffnung in der Decke nach draussen. Von den 156 Dezibel, die in der Halle gemessen werden, soll so noch ein Bruchteil davon in den anliegenden Gemeinden hörbar sein.

Erster Test erfolgreich

Die Halle hat rund 32 Millionen Franken gekostet. Mit ihren ersten Ergebnissen ist man bei der Einweihung zufrieden. «Wir haben bereits erste Probedurchläufe mit einer A330 um zwei Uhr nachts gemacht und keine der umliegenden Gemeinden hat reklamiert. Das ist schon mal gut», erklärte Michael Schallhart, der Leiter des Bereichs Services am Flughafen. Einer der Mechaniker musste allerdings bei den Tests ausgewechselt werden. «Er traute sich nicht, die Maschine auf volle Leistung zu bringen.» Schallhart hat dafür Verständnis. «Es sind unheimlich grosse Kräfte, die sich in der Halle entwickeln. Und es braucht ein wenig Mut, um den Schubregler bis ganz nach vorne zu drücken, wenn direkt vor dem Cockpit eine Wand steht.»